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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Aurich Dornum

Dornumer Bockwindmühle: Beim Anstrich gehen die Müller penibel vor

28.03.2020

Dornum „Der Zeitraum ist sensationell“, schwärmt Diedrich Schlachter. Und der Hager muss es wissen, denn er ist der Profi und einer der letzten seiner Art: Mühlenbauer.

Seine Arbeit hat es zwar erst möglich gemacht, dass das Dornumer Wahrzeichen, die Bockwind, nach dem Flügelbruch am 7. Juli 2019 sehr wahrscheinlich noch vor Ostern neue Flügel erhalten wird, doch weiß Schlachter auch, dass das ohne einen ganz bestimmten Mann nicht möglich gewesen wäre w: Wilhelm Broeksmid, der nicht nur beim Unglück Leben rettete, sondern mit ungeheurem Engagement und Druck dafür gesorgt hat, dass die Mühle schon zu Ostern – so es in Corona-Zeiten erlaubt ist – wieder in altem Glanz erstrahlen wird. Nur ein dreiviertel Jahr nach dem Unglück.

Äußerst konzentriert, aber mit Tempo, suchten die Verantwortlichen des 2008 gegründeten Vereins Bockwindmühle von 1626 – Herrlichkeit Dornum mit Wilhelm Broeksmid an der Spitze das Holz für die neuen Flügel aus. Die Wahl viel nach reiflicher Überlegung auf Douglasie aus den Niederlanden, die bereits im November geliefert wurde.

Nachdem eigens für den Flügelbau ein Zelt angeschafft und aufgebaut worden war, nahm am 6. Januar 2020 Diedrich Schlachter seine Arbeit auf. Für jeden einzelnen der vier Flügel mussten jeweils drei massive Basisteile zugeschnitten werden, die am 3. Februar ihren ersten Anstrich erhielten.

Natürlich mit ganz besonderer Farbe: Hesedorfer Naturfarben, die mit ätherischen Ölen versetzt sind. Eine Farbe, die sehr langsam trocknet und den Eigenbau einer Trockenkammer erforderte. Inzwischen sind alle – auch die unzähligen kleinen Teile der Flügel wie Kickerfrösche und mehr – fünfmal gestrichen. Wilhelm Broeksmid fuhr nach Hamburg, um Farbnachschub zu holen. Für Diedrich Schlachter war die Herstellung der Flügel reinste Handarbeit, die nur durch ganz wenige Maschinen erleichtert wurde.

Alle Schritte werden dokumentiert

Jedes Loch wurde mit dem Stechbeitel in einem gewissen Winkel ausgeschlagen – reinste Millimeterarbeit, denn am Ende, wenn die Einzelteile wie Legos zusammengesetzt sind, muss alles in einem bestimmten Winkel stehen, damit der Wind die Flügel zum Drehen und die angeschlossenen Mahlwerke zu Laufen bringt.

Wie das alles zusammenwirkt, kann Diedrich Schlachter zwar teilweise nachschlagen, wichtig ist für den gelernten Zimmerer aber vor allem die Erfahrung. Und davon hat der Autodidakt in Sachen Mühlenbau reichlich. Sein Ruf eilt ihm weit voraus und deshalb betreut er allein im Raum Ostfriesland und Ammerland 38 dieser Kulturbauwerke.

Alle Schritte wurden von Wilhelm Broeksmid, der nach eigenen Worten in dieser Zeit viel gelernt hat, sorgsam dokumentiert. Dass alles passt, weiß man, denn die Flügel wurden bereits zusammengesetzt und wieder auseinander genommen, denn zwischendurch kam immer wieder Farbe drauf.

An der Farbe hat es ja schließlich gelegen, dass die alten Flügel gebrochen sind. Und das soll nicht wieder passieren. Deshalb folgt der letzte Anstrich auch erst in gut einem Jahr, wenn das Holz endgültig ausgetrocknet ist.

In der nächsten Woche sollen laut Broeksmid dann die Feinarbeiten erfolgen, bevor die Flügel montiert werden.

Helmut BurmannLokalredaktion

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