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Wenn Ostfriesen zu Zockern werden

02.12.2019

Dornum Einmal im Jahr werden viele Ostfriesen zu Zockern – und das ist am Vorabend des „Sünnerklaas“, dem Nikolaustag. Dann geht es aber nicht um hohe Einsätze und Millionengewinne, sondern um Einsätze von ein oder zwei Euro, für die es dann Torten, Würste, Aale oder andere Leckereien zu gewinnen gibt. In der Gastronomie, verschiedenen Organisationen und Vereinen, aber auch im Einzelhandel wird geknobelt. Und dann heißt es: „Hoch gewinnt!“

Verknobelungen sind in weiten Teilen Ostfriesland ein alter Brauch, der Gebietsweise auch schon einzuschlafen drohte. Doch ganz verschwunden ist es nie – im Gegenteil, immer wieder fanden sich neue Anbieter – vor allem Vereine – welche diese alte Tradition aufrecht erhalten haben.

Verknobelung: Hoch gewinnt!

Und so haben sich beispielsweise auch die Beschicker des Dornumer Wochenmarktes dazu entschieden, eine Verknobelung anzubieten, denn sie gastieren am Donnerstag, 5. Dezember, nachmittags in der Herrlichkeit. Ein Versuch, der schon jetzt von Erfolg gekrönt zu sein scheint, denn bei der Vorstellung dieser Aktion spielte Knobelbaas Johann Poppen spontan mit Marktbesuchern einige Knobelrunden aus, wobei alle sichtlich ihren Spaß hatten. Donnerstag zwischen 15 und 17 Uhr werden daher die Würfel fallen. Die Marktbeschicker stehen damit nicht in unmittelbarer Konkurrenz zu anderen Organisationen oder Vereinen, wie beispielsweise dem Bockwindmühlenverein oder den Klootschießer- und Boßelvereinen in Westeraccum und Schwittersum, da diese in aller Regel später mit ihren Verknobelungen beginnen.

Die Regeln sind aber die gleichen. Gespielt wird mit drei Würfeln im Lederbecher: Hoch gewinnt! Bei Gleichstand gibt es ein Stechen Der Einsatz (meistens maximal zwei Euro) richtet sich nach der Höhe des Gewinns und der Anzahl der teilnehmenden Personen. Im Angebot stehen dann Wurst, Käse, Aale, Obstkörbe, Honig, Torten, Rehrücken, Stollen und Liköre, wobei die Ausspielung von Alkohol eigentlich verboten ist, was allerdings nur Auswirkungen auf die Gewinne hat. Der Konsum dagegen ist erlaubt.

Ursprung des Knobelns

Der Ursprung des Knobelns ist nicht wirklich so ganz geklärt, doch hat er mit dem besonderen Verhältnis der Ostfriesen zum Nikolaus zu tun. Der Heilige gilt als Schutzpatron der Kaufleute und Seefahrer, wovon viele in den vergangenen Jahrhunderten aus Ostfriesland stammten. Der Nikolaus wurde nach der Reformation vom Weihnachtsmann als Gabenbringer verdrängt.

Die Verknobelungen werden aber auch mit einem alten holländischen Seefahrerbrauch in Verbindung gebracht. Dieser soll wiederum auf ein germanisches Fest zu Ehren des Gottes Wotans zurückgehen, das später vom christlichen Nikolausfest abgelöst wurde.

Auf dem Dornumer Wochenmarkt gibt es am Donnerstag übrigens noch einen Sonderstand mit Likören, Keksen, gebrannten Mandeln und kleinen Geschenkartikeln. Zudem werden Mitglieder des ehemaligen Arbeitskreises Herrlichkeit Dornum um die Gleichstellungsbeauftragte Anja Wessels-Hoppen Glühwein, Apfelpunsch und Apelbrot zum Verkauf anbieten. Der Erlös soll der Renovierung einer alten englischen Telefonzelle zugute kommen, die in Dornum zu einem offenen Bücherschrank umfunktioniert werden soll. Die Zelle hat Angela Harm-Rehrmann organisiert und befindet sich bereits in der Instandsetzung.

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