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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Wittmund Esens

Corona-Krise: Bis zu 80 Prozent Umsatzeinbrüche in der Taxibranche

27.03.2020

Esens /Friedeburg /Jever Kontaktverbot, Abstand halten, aufeinander Acht geben. Die aktuellen Regeln des Miteinanders gelten auch für Taxiunternehmen. Das heißt konkret: Die Fahrer tragen Mundschutz und Einmalhandschuhe, nach jeder Fahrt wird das Auto desinfiziert. Weniger Autos und Fahrer werden eingesetzt, Großraumtaxis sind wegen des Kontaktverbots ohnehin nicht nutzbar.

Die Coronakrise macht den Fahrdiensten schwer zu schaffen. So auch Dagmar Seitz, Inhaberin von Taxi Janssen-Eilts in Esens, Wiard Nannen von Taxi Nannen in Friedeburg und Andrea Grützner von Taxi Ahlers in Jever. Die Branche verzeichnet bis zu 80 Prozent Umsatzeinbrüche aufgrund fehlender Fahrgäste.

Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter mussten die Unternehmen bereits beantragen. „Wir fahren, wir sind erreichbar, aber das Angebot nutzt aktuell fast niemand“, fasst Wiard Nannen zusammen. Das Nacht- und Wochenend-Geschäft tendierte Andrea Grützner zufolge schon in der vergangenen Woche gegen null, nun wird es auch wegen der neuen Kontaktverbote noch schlimmer.

Einzig Krankentransporte werden noch regelmäßig gefahren. „Aber auch das ist weniger, denn wenn es geht, bleiben die Leute lieber zu Hause“, schränkt Dagmar Seitz ein.

Wie es weitergehen soll, ist schwer zu sagen. „Auch mit einem Kredit wird es schwer. Der ist nicht zinsfrei und bricht uns dann vielleicht im Nachgang das Genick“, führt Seitz fort. Über die Bürokratie bei den Behörden ärgern sich viele Unternehmen. Die allgemeine Stimmung: gedrückt.

Sollte der Nahverkehr aus Bus und Bahn eingestellt werden, erhofft sich Geschäftsführerin Seitz kaum neue Fahrgäste. „Die stellen das ein, weil die Kunden ganz fehlen. Da ist keiner, der auf das Taxi umsteigt.“

Man müsse die weitere Entwicklung jetzt auf sich zukommen lassen und abwarten, so Wiard Nannen. Und hoffen, dass es möglichst bald wieder bergauf gehen kann.

Als Alternative setzt Grützner nun vor allem auf Paketlieferungen, Kooperationen mit Restaurants, die ihr Essen ausliefern wollen, und andere Dienstfahrten. „Das müssen die Kunden aber auch wissen“, sagt Grützner. „Wir würden auch Einkäufe vom Supermarkt an die Haustür bringen.“ Das gelte natürlich besonders für die Senioren. Jetzt hofft sie, dass die Menschen diesen Service nutzen, sonst sieht es düster aus. Eine Idee bringt Grützner noch ein. Vielleicht könnten Taxis mit ebenfalls geschlossenen Geschäften aus dem Einzelhandel eng zusammenarbeiten. Falls diese noch online verkaufen, könnten die Taxifahrer die Ware an die Haustür bringen. „Die Region unterstützt sich damit gegenseitig“, sagt die Geschäftsführerin aus Jever.

Für Dagmar Seitz sind solche Ideen dagegen keine Option: „Da ist der Fahrer am Ende teurer als der Gewinn durch die Fahrt“, sagt sie. Dass Supermarkteinkäufe durch Taxifahrer in einer Stadt funktionieren, kann Wiard Nannen sich vorstellen, aber weniger auf dem Land, wo die Menschen meist selbst einkaufen gingen.

„Wir haben eine Kooperation mit der Tafel, die nun geschlossen hat, aber Mittagessen ausliefert“, erzählt Dagmar Seitz, „daran beteiligen wir uns auch und übernehmen etwa kostenlos den Fahrdienst.“

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