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Soldat sucht Zeugen einer Bruchlandung

04.02.2020

Norden /Esens Es ist kurz vor 11 Uhr am Vormittag, als das Jagdgeschwader 11 der deutschen Luftwaffe in Jever den Befehl zum Alarmstart erhält. An diesem Montag, 27. September 1943, ist eine britisch-amerikanische Bomberstaffel auf dem Weg nach Emden. Begleitet wird sie von mehreren Hundert Kampfflugzeugen. Manche Zeitzeugen erinnern sich noch an den Luftkampf hoch über dem Norderland. Die Bilanz des Kampfes: sieben abgeschossene und 78 beschädigte B17-Bomber und ein verlorenes Kampflugzeug des Typs P47 „Thunderbolt“ aufseiten der Alliierten. Die deutsche Luftwaffe verzeichnet 35 verlorene und beschädigte Jagdflieger. Einer davon landet auf einem Acker „Im Hooker“ am Looger Weg in Norden.

Pilot ist Unteroffizier Wilhelm Fest, er wird bei der Bruchlandung leicht verletzt. „Mein Großvater hat die Bruchlandung selbst erlebt“, berichtet Lars Zimmermann. Der 26-Jährige aus Osteel ist Oberfeldwebel bei der Luftwaffe in Wittmund und beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Heimatgeschichte. Besonders interessiert ist er an der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dazu hat er bereits das Buch „Osteel – Ein ostfriesisches Dorf im Zweiten Weltkrieg“ veröffentlicht. Jetzt arbeitet er an einer Gesamtchronik über die Luftwaffe in Ostfriesland. Dabei stieß er auch auf die Bruchlandung im September 1943. „Mein Großvater konnte die Absturzstelle vom Küchenfenster seines Wohnhauses aus sehen“, erklärt der Soldat. Weiter weiß er zu berichten, dass die Absturzstelle von Soldaten bewacht wurde, bis das Flugzeugwrack abtransportiert war.

Zimmermanns Recherchen haben noch einige Details zutage gefördert. „Bei dem Flugzeug handelte es sich um eine Messerschmitt BF 109 G“, erklärt der Experte. Die Maschine hatte die Werknummer 20020. Auch über das weitere Schicksal des Piloten Wilhelm Fest hat Zimmermann einiges herausgefunden. Er stürzte am 8. Mai 1944 noch einmal ab, konnte sich aber zunächst mit einem Fallschirm retten. „Vermutlich sprang er aus zu niedriger Höhe ab, sodass der Fallschirm sich nicht richtig öffnete“, erklärt Zimmermann. Fakt ist jedenfalls, dass Fest bei dem Absturz ums Leben kam.

Am 27. September 1943 war er allerdings nicht der einzige Pilot, der über Norden abstürzte. Am selben Tag verunglückte noch ein Flugzeug des Typs Focke-Wulf FW 190 vom Jagdgeschwader 1 westlich der Stadt. Lars Zimmermann hofft jetzt auf weitere Zeitzeugen, die sich an die Abstürze, insbesondere an den „Im Hooker“ erinnern. „Vielleicht hat jemand etwas gesehen oder sogar ein Foto von der Unglücksstelle gemacht“, hofft er. Der Bombenangriff galt ursprünglich der Stadt Emden. Weil die amerikanischen B17-Bomber von der deutschen Luftwaffe auseinandergetrieben worden waren, warf ein Teil der Flugzeuge seine tödliche Fracht über dem Städtchen Esens ab. Dabei kamen mehr als 160 Menschen ums Leben, darunter viele Kinder. Sie waren eigentlich aufs Land geschickt worden, um dort in Sicherheit zu sein. „Der Angriff war in aller Munde“, sagt Soldat Zimmermann. Und deshalb hofft er darauf, dass sich noch Zeitzeugen erinnern.
Sie können sich per E-Mail unter lars.zimmermann522@yahoo.de oder unter  0176/55518749 bei dem Hobbyforscher melden.

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