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Lokal26.de Friesland

Betreutes Wohnen: Angehörige schlichen sich heimlich ins Haus

21.03.2020

Friesland Schon früh hat Heiko Friedrich, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Pflege Butler, mit seinen Mitarbeitern begonnen, vorzusorgen, „auch wenn wir zum Teil dafür belächelt wurden“. Besorgten sich Desinfektionsmittel und Putzmittel. Doch mittlerweile greift auch hier der Mangel. Das Unternehmen bietet ambulant betreutes Wohnen und Tagespflege an. In Friesland betreibt es Einrichtungen in Hohenkirchen, Jever sowie einige im Südkreis.

Drastisches Beispiel für den Mangel sind natürlich Schutzmasken: Normalerweise kostet eine Packung mit 50 Stück 1,99 Euro, jetzt sind es 60 Euro, sagt Friedrich. Sie haben sich jetzt anders geholfen. Ein Unternehmen, dass sie sonst auch mit Bettwäsche versorgt, näht ihnen jetzt mehr als 10 000 Schutzmasken. Diese sind waschbar und mit Mehrfachstoffung, so dass sie besser schützen. „Das reicht jetzt für mehrere Monate.“

Zu den Wohnparks haben nur noch Mitarbeiter Zugang. An das ordnungsrechtlich verhängte Besuchsverbot halten sich auch 99 Prozent der Angehörigen. Doch nicht alle scheinen die Ausmaße und die Gründe für die Vorsichtsmaßnahme zu verstehen. So ist es vorgekommen, dass Angehörige über die Terrassen zu ihren Angehörigen wollten. Diese öffneten ihnen von innen die Türen, berichtet Friedrich. Bei solchen Fällen wird nun Hausverbot erteilt und die Betroffenen beim Ordnungsamt gemeldet.

Überall wird auf den Mindestabstand geachten

Bei Therapeuten und Lieferanten wird am Eingang Fieber gemessen. Die Therapeuten dürfen nur noch direkt zu den betreffenden Patienten gehen – mit Mundschutz. Auch die Lieferanten müssen auf direktem Weg ins Lager und zurück. Überall wird auf den Mindestabstand geachtet, auch bei den Übergaben. Pausen werden nicht mehr gemeinsam verbracht. Die Bewohner bleiben in ihren Wohngruppen von 15 bis 17 Personen unter sich, notfalls kann die Gruppe in Quarantäne versetzt werden. Es gibt einen Pandemieplan für den Fall einer Ansteckung.

Die Mitarbeiter selbst versuchen möglichst in ihren Wohngruppen zu bleiben, verlassen diese nur einzeln und auf direktem Wege. Außerdem sprechen sich die Kollegen ab, wer wann in die Verwaltung geht, damit dort nicht alle auf einmal stehen.

Für das gemeinsame Kochen mit den Bewohnern wurden Speisepläne für vier Wochen erstellt, „so dass wir zur Not völlig autark leben können“. Grund dafür sei keine Panik, „ich möchte einfach auf alles vorbereitet sein“, sagt Friedrich. Mittlerweile dürfen keine Menschen mehr zur Tagespflege kommen – ein Punkt der wirtschaftlich weh tut. 50 Menschen kamen sonst.

„Wir brauchen alle Mitarbeiter. Unsere Häuser sind voll.“

„Außerdem mussten wir zum ersten Mal eine Urlaubssperre für zwei Monate erlassen“, bedauert Friedrich. Die Mitarbeiter dürfen zwar in Urlaub gehen, müssen sich aber in Bereitschaft befinden, falls jemand krank wird oder in Quarantäne geht. Gleichzeitig gilt: „Wir brauchen alle Mitarbeiter. Unsere Häuser sind voll.“ Im Moment gibt es viele Anfragen für eine Aufnahme, Menschen die sonst zu Hause lebten, ziehen es jetzt doch in Erwägung umzuziehen.

Die Krankenkassen hätten bis jetzt zugesichert, weiter abzurechnen. „Schwierig wird es, wenn die Abrechnungszentren nicht weiter abrechnen, wir aber die Leistung erbracht haben.“ Doch auch das sei noch nicht in Sicht. Sicherheitshalber hat er bereits Gespräche mit Banken für Betriebskredite aufgenommen. Insgesamt bleibt Friedrich ruhig. „Wir sind gut vorbereitet.“

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