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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Wittmund Holtriem

Wölfe in Blomberg: Wybe Volger in ständiger Angst um die Pferde

25.06.2020

Blomberg Seit sie vor wenigen Wochen zwei Wölfe in der Nähe ihrer Koppeln gesehen hat, lebt Wybe Volger in Blomberg in ständiger Angst um ihre Pferde. An geregelten Schlaf ist kaum noch zu denken. Ständig hat sie ein Ohr zu den Stallungen, wo die Vierbeiner die Nacht verbringen. Boxen, wie im Lehrbuch beschrieben, doch in diesen Offenstallboxen seien die Rösser dem Wolf im Falle eines Angriffs chancenlos ausgeliefert.

„Wölfe gehören nicht nach Ostfriesland“, sagt die Agraringenieurin klar und direkt, wobei sie Ostfriesland gar nicht so eng zieht. Deutschland würde auch passen. Die Siedlungsstrukturen hier ließen den Wolf heute einfach nicht mehr zu. „Muss denn erst ein Kollateralschaden passieren?“, fragt sie sich und ergänzt: „Wann ist der erste Mensch dran?“ Eine Sorge, die viele haben. Allerdings gibt es keinen nachgewiesenen Wolfsangriff auf Menschen in Deutschland, seit die Tiere hier vor 20 Jahren wieder heimisch wurden.

Wybe Volger fühlt sich persönlich bedroht

Wybe Volger hat Angst vor dem Wolf, mit dem sie sich schon länger intensiv beschäftigt. Die qualifizierte Lehrkraft in den grünen Berufen hat sich seit über 30 Jahren als Betriebsleiterin und Ausbilderin im Fachbereich Pferdewirt und Landwirtschaft mit der Pensionspferdehaltung auf landwirtschaftlichen Betrieben und der Ausbildung von Pferd und Reiter beschäftigt. Sie fühle sich auch persönlich bedroht, erzählt die langjährige Schafhalterin, der die Lernfähigkeit des Raubtieres bekannt ist. „Bei den Wölfen gibt es Verhaltensmutationen, sie reagieren auf Umweltveränderungen“, sagt sie und ergänzt: „Er jagt das, was sich am besten jagen lässt!“ Die Wölfe, die in die hiesige Region gekommen seien, wären aus Gegenden gekommen, in denen sie Schafe gerissen hätten. Dann hätten sie gemerkt, dass Rindfleisch ebenfalls leicht zu haben ist und gut schmeckt. Inzwischen – nach dem mutmaßlichen Riss zweier Pferde im Landkreis Nienburg – würden sie auch Pferdefleisch nicht verachten.

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Und wenn es um Pferde geht, dann gibt es für Volger kein Halten. Das Pferd sei ein Herden- und Fluchttier. Wenn es Gefahr wittere, bekäme es Panik und renne einfach los. Reiter aber versuchten dem Pferd genau das Gegenteil beizubringen: Benehme dich nicht als Fluchttier! Doch auch bei allen Zuchterfolgen sind diese Urinstinkte den Tieren nicht ganz abzugewöhnen, wie Wybe Volger bei ihrer jüngsten Wolfsbeobachtung bemerkte: Zwei Pferde in der Nähe waren erstarrt, eines stampfte aggressiv mit den Hufen auf die Erde. Wären die Wölfe tatsächlich gekommen, hätten die Rösser panikartig die Flucht ergriffen und dabei alles niedergerannt, was sich in den Weg gestellt hätte. Ganz im Sinne des Wolfes, wie die Besitzerin des Südmoorer Hofes bemerkt. Denn hätte sich ein Pferd auf der Flucht verletzt, hätte es zur leichten Beute werden können.

Auf dem Schaden bleibt in jedem Fall der Pferdebesitzer sitzen, denn Reitpferde gelten nicht als Nutztiere. Und selbst bei einem gut ausgebildeten Anfängerpony muss man schon von einem mittleren vierstelligen Preis ausgehen – vom Wert des Tieres ganz zu schweigen. Und obwohl Pferdehalter- und -Besitzer eine Menge von Auflagen zu erfüllen haben, gehen sie bei der Anschaffung von Wolfsschutzzäumen leer aus. Allein für ihre fünf Hektar Weideland müsste Wybe Volger dafür rund 40 000 Euro alleine tragen, wobei sie Sinn und Zweck eines solchen Zaunes bei Fluchttieren auch noch bezweifelt, da diese in ihrer Panik alles platt rennen und dadurch auch andere gefährden würden.

Schuld an der Rückkehr der Wölfe hat für die Blombergerin allein der Mensch

Schuld an der Rückkehr der Wölfe hat für die Blombergerin allein der Mensch. Etwa durch seine Monokulturen wie den Anbau von Mais. Mit dem Mais kamen die Wildschweine und in deren Schlepptau dann auch deren natürliche Feinde – die Wölfe, die aufgrund der Verhaltensmutation aber schnell lernten, dass auch andere Tiere schmecken und noch leichter zu erlegen sind. Aber gerade diese Verhaltensmutation ist in Augen der Jägerin auch eine Chance, den Wolf zu verjagen. Im Falle der Bejagung würde er den Menschen wieder als Feind erkennen und sich in für ihn ruhigere Gefilde zurückziehen, denn „der ist ja nicht doof!“

Wenn aber nichts passiere, dann sieht die Reitstallbesitzerin auch in der hiesigen Region eine schnell wachsende Wolfspopulation. Der Wolfsberater des Landkreises Wittmund, Gerd Oncken, habe ihr von zwei Paaren und einem Einzelgänger im Raum Aurich und Wittmund berichtet.

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Auswirkungen auf den täglichen Reitbetrieb verursacht der Wolf schon jetzt. Ausritte in den Wald gibt es gar nicht mehr, wenn überhaupt, dann geht es ins Moor. Wybe Volger: „Ich möchte nicht auf Opfer warten, um den Forderungen nach einem wolfsfreien Ostfriesland mehr Druck verleihen zu können!“

Die andere Sicht:Wolfsfreie Zonen in Deutschland? Für Peter Blanché, dem ersten Vorsitzenden der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V., ist das schon aus rein rechtlichen Gründen nicht möglich. Der Verein setzt sich aber auch für den effektiven Schutz von Nutztieren ein. Ein großes Interview dazu in der morgigen Ausgabe.

Helmut BurmannLokalredaktion

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