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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Wittmund Holtriem

Trauer und Verlust: Wie gehen Kinder mit dem Tod um?

22.05.2020

Neuschoo /Wittmund „Wir haben immer bei Oma Tee getrunken.“ „Mein Kater Tiger hat viel mit mir geschmust.“ An diese schönen Erlebnisse erinnern sich die Kinder der Grundschule Blomberg-Neuschoo, wenn sie an liebgewonnene Menschen und Haustiere denken, die verstorben sind. Ihr Tod hinterlässt eine große Lücke. Trauer und Schmerz sind groß. Aber wie sollen Kinder mit ihren Gefühlen umgehen?

Der Präventionsrat Harlingerland hat ein Tröstbuch herausgebracht, das „euch hoffentlich eine Hilfe sein wird“, wie der Hospizdienst im Buch an künftige Leser schreibt. Christa Lübken vom Ambulanten Hospizdienst für den Landkreis Wittmund begleitete das Projekt fachlich. Stephan Zwerg, Geschäftsführer des Präventionsrates, Carsten Rinne aus dem Vorstand der Sparkasse Leer-Wittmund, Matthias Regner vom Lions-Club Esens und der Teddy-Stiftung Esens, Christa Lübken und Birgitt Hedlefs sowie Nicole Häfner, Sozialpädagoginnen des Präventionsrates, stellten das Ergebnis am Dienstag vor.

Seiten liebevoll gestaltet

Entstanden ist das Buch von Kindern für Kinder während des Sozialtrainings im vergangenen Schuljahr am Standort in Neuschoo. Die damaligen Drittklässler haben sich viele Gedanken zum Thema Trauer gemacht und die Seiten liebevoll gestaltet. „Angestoßen wurde das Projekt durch einen Jungen, der immer wieder vom Tod seiner Haustiere gesprochen hat“, erzählt Birgitt Hedlefs. Mit ihrer Kollegin Nicole Häfner vom Mobilen Dienst besucht sie Schulen im Landkreis Wittmund, um mit Schülern Probleme aufzuarbeiten. Während ihrer pädagogischen Arbeit haben sie sich mit den Gefühlen zum Sterben befasst. Im Sozialtraining darf jedes Kind einen Verlust vorstellen, seine Gefühle zeigen. „Trauer bedeutet, selbst gestalten zu können“, sagt sie.

Deshalb seien einige Seiten des Buches leer, damit die Jungen und Mädchen ihre Gedanken malen und aufschreiben können. Die Ideen entsprechen dem Hospiz-Gedanken, wie Leid aufgearbeitet und Trost gespendet werden kann, heißt es auf der Rückseite des Buches, das es im Rundumpaket mit Sozialtraining und Besuchen des Hospizdienstes gibt. Denn: Sie ohne Begleitung alleine zu lassen, würde den Kindern nicht weiterhelfen. Sie brauchen Unterstützung von Erwachsenen, und das Gefühl, dass sie nicht allein sind.

„Vertrauen ist so wichtig“, sagt Hedlefs. Christa Lübken besucht die Klassen und bespricht mit den Kleinen kindgerecht, was sie bewegt. Jeder trauere anders, Kinder auf ihre eigene Art und Weise. Sie spricht von Pfützentrauer: Jungen und Mädchen würden hineinspringen und wieder hinaus – schnell und heftig. „Trauer ist ein intensives Gefühl, das andere Gefühle wie Wut umfasst“, sagt Lübken. Der Ambulante Hospizdienst bietet auch eine Kindertrauergruppe an.

5000 Exemplare

Das Tröstbuch richtet sich an etwa sechs- bis elfjährige Grundschüler, aber auch an das letzte Kindergartenjahr. 5000 Exemplare wurden bisher gedruckt. Finanzielle Unterstützung bekam das Projekt von der Sparkassenstiftung Harlingerland, der Teddy-Stiftung Esens, des Lions-Clubs Esens und der Druckerei Soeker. Hedlefs ist froh über die Gestaltung und die Auswahl des Papieres der Druckerei. Insgesamt sind über 3300 Euro zusammengekommen. „Mich bewegt, wie Kinder mit Trauer umgehen – so bunt“, sagt Rinne, der selbst Familienvater ist.

Schulen, die Interesse am Sozialtraining und am Tröstbuch haben, dürfen sich gerne an den Präventionsrat Harlingerland wenden. Für Grundschulen im Landkreis sind die Bücher kostenlos. Privatpersonen können das Buch beim Präventionsrat kaufen. Zwerg dankt allen, die das Projekt ermöglicht haben – und wünscht sich wie die anderen, dass andere Landkreise das Projekt als Anstoß nehmen.


     www.praeventionsrat-harlingerland.de 

Ina FrerichsVolontärin

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