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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Wittmund Holtriem

Wurftalent Jelde Eden: Klootschießen ist die Königsdisziplin

22.05.2020

Westerholt Dinge in die Hand nehmen, Anlauf nehmen und so weit wie möglich durch die Luft schleudern – das ist die große Leidenschaft von Jelde Eden. Der heute 23-Jährige ist seit frühster Kindheit mit den vielen Facetten des Friesensports vertraut – und Schuld daran ist sein Opa: „Mit ihm bin ich früher regelmäßig zum Klootschießen gegangen“, erinnert sich Eden im Gespräch an seine ersten Schritte zurück.

Schnell wollte der Nachwuchs aber nicht nur zuschauen, sondern selber den Kloot werfen. Das hatte Folgen: Bis heute übt der aus Westerholt stammende Friesensportler das Klootschießen aus. Die Bestweite des Ostfriesen liegt bei 82 Metern, die er zuletzt in der Qualifikation der Männer zur Europameisterschaft, die aufgrund der Coronakrise um ein Jahr verschoben wurde, geknackt hatte. Er gehört damit zu den Top-Werfen des Friesischen Klootschießer-Verbandes (FKV).

Verschiebung der EM bietet auch Chancen

Entsprechend groß war im ersten Moment auch die Enttäuschung bei Jelde Eden, als bekannt wurde, dass der internationale Vergleich der Verbände um ein Jahr verschoben wird: „Das sowas ausgerechnet in diesem EM-Jahr passiert, ist schon bitter und ärgerlich – gerade weil man sich schon auf der Zielgeraden der Vorbereitung befand“, sagt Eden. Auf der anderen Seite bietet das aber auch eine Chance: „Wir als Mannschaft des FKV können das eine Jahr jetzt nutzen, um durch mehr Training besser zu werden und noch weiter zusammenzuwachsen.“ Denn umso stärker die Leistungen des Teams, umso größer sind am Ende auch die Chancen auf Medaillen: „Wir fahren letztlich dahin, um gemeinsam den FKV zu vertreten, doch am Ende verfolgt dabei jeder auch seine eigenen Ziele“, erklärt Eden weiter. Doch nicht nur dem Klootschießen hat er im sportlichen Sinne bis heute die Treue gehalten. Auch der Schlaufenball sowie die Boßel- und Hollandkugeln finden sich regelmäßig in seinen Händen wieder – und damit wird auch sein Faible für Wurfsportarten deutlich. Immer weniger Zeit blieb somit für Fußball und andere Sportarten, sodass er sich als Jugendlicher bereits entschieden hatte, seine Stollenschuhe nur noch für den Friesensport zu schnüren. „Hier habe ich für mich persönlich am meisten Potenzial gesehen, etwas zu erreichen“, erklärt Eden seine damalige Entscheidung, die er bis heute nicht bereut.

Vom Zuschauer zum Werfer mit Potenzial

Nach einigen Übungseinheiten mit dem Opa nahm Jelde Eden dann im Alter von elf Jahren erstmals an einem Kadertraining des FKV teil – wobei er eigentlich nur zuschauen wollte. „Damals gab es noch eine Mindestweite, die man mit einem Wurf werfen musste, um an dem Training teilzunehmen, da es sonst zu viele Jugendlichen gewesen waren“, blickt Eden zurück. „Ich durfte das eine Mal aber nicht nur zugucken, sondern auch ein paar Würfe machen“, merkt Eden an. Für die Mindestvorgabe von 36 Metern hatte es zwar nicht ganz gereicht, für einen Kaderplatz aber schon. „Die Trainer haben wohl in mir gewisses Potenzial gesehen, sodass ich wiederkommen durfte“, erzählt Eden weiter. So nahm seine Karriere als Klootschießer seinen Lauf.

Er selbst bezeichnet diese Wurfsportart als die Königsdisziplin des Friesensports. „Technisch gibt es gegenüber dem Boßeln riesige Unterschiede“, weiß Eden. Diese gilt es, frühzeitig zu lernen, ansonsten könnte der eigene Kopf schnell zu einem Problem werden. „Wenn man jünger ist, denkt man über Sachen wenig nach und macht es einfach so, wie man es gezeigt bekommt. Das ist wichtig, um die richtige Technik zu erlernen“, erklärt Eden, der das Alter von zehn bis elf Jahren empfiehlt, um die ersten Schritte des Klootschießen kennenzulernen.

Umso jünger, desto einfacher

Beim Boßeln ist es dagegen so, dass man auch als Spätstarter noch ein guter Werfer werden kann. „Hier kann auch mal die Straße mit einer Unebenheit ihren Teil dazu beitragen, dass die Kugel auch nach einem Abwurf, der technisch vielleicht nicht perfekt war, trotzdem weit rollt“, merkt der Friesensportler an, der auch in der Trainingsarbeit mit anderen gravierende Unterschiede festgestellt hat: „Ältere sagen zu allem schnell ja, machen es dann aber letztlich doch so, wie sie meinen beziehungsweise fallen in ein altes Muster zurück. Bei Jüngeren ist es eher so, dass sie versuchen, etwas eins zu eins zu kopieren, nach dem man ihnen etwas gezeigt. Sie denken weniger nach und machen es einfach“, berichtet Eden aus dem Trainingsalltag.

Große Unterschiede gibt es laut dem 23-Jährigen in der Regel auch bei den Wettkämpfen: „Beim Boßeln ist es so, dass man hauptsächlich als Mannschaft auf der Straße unterwegs ist. Hat ein Werfer dann mal einen schlechten Tag, kann er ausgetauscht werden beziehungsweise die Teamkollegen können das Ergebnis noch gerade biegen. Klootschießen ist dagegen mehr ein Einzelsport. Man steht allein vor dem Brett und muss abliefern“, weiß Eden.

Entscheidend für einen guten Wurf ist am Ende das Timing. „Beim Abwurf muss alles passen, um seine bestmögliche Weite zu erzielen“, erklärt Eden. Während auf der Straße mit ausreichend Kraft ein Wurf noch gewissermaßen korrigiert werden kann, findet sich das Wurfgeschoss im Klootschießen weiterhin schnell im Gras wieder. „Die Kraft hilft einem maximal bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn man aber weiter werfen möchte, kommt es auf die Technik an“, spricht Eden aus Erfahrung.

Deutscher Meister im Schleuderball

Neben Boßel-, Kloot und Hollandkugeln greift Jelde Eden regelmäßig auch zum Schlaufenball. So auch bei der Deutschen Meisterschaft des Deutschen Turnerbundes (DTB) im September vergangenes Jahr in Enkheim (Frankfurt/Main). Dabei stellte der Ostfriese mit 69,13 Metern nicht nur seine neue persönliche Bestmarke auf, sondern sicherte sich in der Männer-Konkurrenz auch den Titel. Nach drei von vier Durchgängen hatte Eden, der für den SV Leybucht startete, mit einem Weite von 66 Metern die Führung vor dem späteren Vizemeister Simon Graßmann (TV Bürgstadt) übernommen, der bis dahin mit 65,89 Meter vorne lag. Im Gefühl des sicheren Sieges setzte Jelde Eden im letzten Wurf noch einmal alles auf eine Karte und katapultierte den 1,5 Kilogramm schweren Schlaufenball auf 69,13 Meter und verbesserte damit seine persönliche Bestmarke von 68,47 Meter aus dem Vorjahr, mit der er Platz drei belegt hatte, noch einmal um 66 Zentimeter.

Jens SchipperSportredaktion

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