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Lokal26.de Friesland Jever

Interview mit Sebastian Madsen: „Der nette Mann hatte extra Jever für uns kaltgestellt“

30.10.2020

Pünktlich um 16 Uhr klingelt das Telefon: „Hi, hier ist Sebastian, wir sind verabredet.“ Locker und entspannt wirkt der Frontman der Band Madsen, die für Ihr aktuelles Album „Na gut, dann nicht“ nicht nur ihre geografischen Wurzeln wiederentdeckt hat. „Achtung Punk!“ verheißt ein Sticker auf dem Cover, der ein Symbol dessen ist, dass die vier Männer aus dem Wendland durchaus über sich lachen können. Ihre Musik, das wird Sebastian unterdessen nicht müde zu betonen, nehmen sie sehr ernst. Und eben jene enthält gegenwärtig – mehr denn je – wofür Madsen politisch stehen.

Moin Sebastian, ich freue mich sehr, dass Du Zeit hast, mit mir zu telefonieren. Wenn ich Dir erzähle, dass ich in Wittmund sitze, nur zehn Kilometer von Jever entfernt, freust Du Dich vielleicht auch ein bisschen.

Auf jeden Fall! Als wir dort 2018 gespielt haben, haben wir uns auch die Brauerei angeguckt. Das war toll. Ich muss nicht lügen, wenn ich sage, dass Jever tatsächlich mein Lieblingsbier ist. Ich habe auch gelernt, dass man Jever (sprich [ˈjeːfɐ]) sagt.

Das hast Du goldrichtig ausgesprochen. Im Video zu „Behalte Deine Meinung“ ist mir aufgefallen, dass zum Ende des Clips der Tisch voller leerer Jever-Flaschen steht. Product-Placement ist in dieser Hinsicht anscheinend kein Problem für Euch…

(lacht) Das ist ja geil, dass Dir das aufgefallen ist! Das war uns gar nicht bewusst. Aber wenn man sich hier mit ein paar Leuten trifft, bringt jeder ein paar Getränke mit – gerne auch Bier, gerade wenn man ein Punk-Video dreht. Der nette Mann, bei dem wir das Video im Garten gedreht haben, hatte extra Jever für uns kalt gestellt. Das haben wir uns für später, für das Finale aufgehoben. Wir wollten auch nicht zu betrunken sein während des Drehs.

Habt Ihr tatsächlich Bier getrunken oder war das nur Kulisse?

Selbstverständlich haben wir Bier getrunken! Das ist ja auch wichtig, wenn man ein Punk-Album aufnimmt und auch Videos dazu dreht, dass man Bier trinkt. (klingt fast ein wenig empört) Die Frage ist natürlich: wie viel? Es tut niemandem gut, wenn man sich jeden Tag komplett abschießt. Aber so ein isotonisches Bier, nachdem man eine schnelle Punk-Gitarre eingespielt hat – das macht schon Spaß.

„Es hat sich rumgesprochen, dass der Protest hier hartnäckig und leidenschaftlich ist.“

15 Jahre nach der „Perfektion“

Madsen heißen nicht nur die Musiker Sebastian (Gesang, Gitarre), Johannes (Gitarre) und Sascha (Schlagzeug) mit Nachnamen, sondern zugleich auch ihre Band, zu der seit Beginn Schulfreund Niko Maurer als Bassist gehört, sowie das 2005 veröffentlichte Debütalbum. Dieses enthält die erste Single der Formation: „Die Perfektion“. Jetzt, 15 Jahre später bahnte sich der Bock auf schneller-härter-lautere Songs wieder an, berichtet das Label. Geschrieben und aufgenommen wurde „Na gut dann nicht“ in nur zwei Wochen im heimischen Studio in Prießeck (Wendland). Unsere Tage sahen so aus: Zusammen im Garten sitzen, texten, aufnehmen, Bier trinken und am Ende das Tagwerk hören“, sagt Sebastian. Das Album ist am 9. Oktober erschienen. Am 11. September 2021 wollen Madsen in Bremen spielen.

    www.madsenmusik.de

Was ist Punk eigentlich für Dich? Der Begriff ist für mich überhaupt nicht greifbar.

Für mich ist er das auch nicht. Wir sind mit Punk in Berührung gekommen, als er eigentlich schon längst durch war. Wir sind hier auf dem Land. Wann ging das denn los? 1992? Da haben wir die ersten Tapes irgendwelcher Punk-Bands gehabt. Da waren natürlich auch die Großen wie die Ärzte und die Hosen dabei – aber auch ganz viele andere Sachsen: Toxoplasma, Schleimkeim, Daily Terror oder Hass. Die „Schlachtrufe BRD“-Sampler hatten wir auch. Es war eigentlich eine Kultur, die aus England kam, in einer Zeit, in der das noch richtig rebellisch und gefährlich war. Bei uns war das eher eine Faszination für die Musik und das hat sich über die Jahre durchgezogen. Ich habe schon eine gewisse Freigeistigkeit in mir, die man mit Punk verbinden kann. Ich habe eine klare Haltung und manchmal einen Sinn für derben Humor. Das teilen wir in der Band. Diese liebevolle Respektlosigkeit haben wir alle ein bisschen. Das verbindet uns mit Punk, ohne dass wir jemals richtige Punks waren. Das sieht man uns schon an. (lacht) Wir sehen ja ziemlich normal aus.

Ihr seid in einer Region aufgewachsen, in der Widerstand wichtig war. Wie sehr hat Euch diese Atmosphäre dabei beeinflusst, was für Musiker und Menschen Ihr geworden seid?

Das hat uns auf jeden Fall sehr, sehr, sehr stark geprägt. Als wir angefangen haben, selbst Punk zu spielen – also etwa 1992/93 – waren wir oft in Gorleben und Umgebung und haben gegen das geplante Endlager demonstriert und haben auch mitbekommen, wie ungerecht so etwas laufen kann und man nicht einfach dem Staat vertraut. Wir haben dort sehr viele nette Polizisten erlebt, aber auch solche, die auf Prügeln aus waren und auch nicht vor älteren Leuten zurückgeschreckt sind. Mich hat es richtig traumatisiert, wie ein Polizist bei einem Bauern auf den Trecker gesprungen ist und dem die Knarre an den Kopf gehalten hat. Das sind Sachen, die natürlich Wut und ein Misstrauen dem System gegenüber in mir ausgelöst haben. Das trage ich auf jeden Fall in mir, dass ich Dinge hinterfrage. Es hat sicherlich auch bewirkt, dass wir Lust auf Krach und rebellisch sein im Sound hatten.

Was denkst Du, hat den Ausschlag gegeben, dass Gorleben nicht zum Endlager wird: Hat die Politik auf die Wissenschaft oder auf den Protest reagiert?

Ich glaube, beides. Natürlich möchte man den Demonstranten nicht zugestehen, dass sich das gelohnt hat. Aber wenn man mal auf die vergangenen 30 Jahre Widerstand zurückblickt: Das war schon ganz schön teuer, den Transport ins Wendland zu bekommen, weil – ob ich das nun gut finde oder nicht – da Schienen und Straßen untergraben wurden und sich Leute an Bäume gekettet haben. Das hat ordentlich gekostet. Ich kann mir schon vorstellen, dass man da keinen Bock mehr drauf hatte und lieber nach einem entspannteren Ort sucht. Es hat sich rumgesprochen, dass der Protest hier sehr hartnäckig und auch leidenschaftlich ist.

Wie hat Euch das als Band geprägt, dass Ihr in einer Region gelebt habt, in der Ihr viel dafür tun musstet, Euch zu bewähren? In Berlin hätte es zum Beispiel eine funktionierende Szene gegeben und Ihr hättet nicht zig Kilometer fahren müssen, um auftreten zu können.

Irgendwie war das romantisch, weil es - anders als heute – viele befreundete Bands und ein sehr liebevolles Kräftemessen in Form von Bandwettbewerben gab. Außerdem haben wir immer gern im Café Grenzbereich gespielt. Da haben sich auch mal so Größen wie Ginger Baker von Cream oder Fury in the Slautherhouse, Kettcar oder Tomte hin verirrt. Was eher hilfreich für uns war, war das Träumen von der großen Stadt, wo es diese vielen Möglichkeiten gab. Das hat eine Sehnsucht in uns geweckt, die für unseren Stil ganz hilfreich war und unsere Phantasie angeregt hat, weil wir nicht alles vor der Tür hatten und man sich vieles nur vorstellen konnte. Dadurch sind wir vielleicht ein bisschen kreativer geworden und letzten Endes auch ein wenig unabhängiger. Auch wenn man uns und unsere Musik jetzt beurteilen will, ist es total schwer – wir haben uns da ja nie wirklich festgelegt. Wir haben immer das gemacht, wozu wir Lust hatten.

Ich weiß noch, dass „die Perfektion“ – immer noch mein Lieblings-Madsen-Lied – der erste Song von Euch war, den mir ein Freund 2005 vorgespielt hat. Das war ein total spezieller, roher Sound. 2018 habt Ihr mich mit „Lichtjahre“ bei Eurem Auftritt in Jever überrascht. Ich finde, das Album geht mit seinem durcharrangierten Sound eher in Richtung Two Door Cinema Club. Der Song „Quarantäne für immer“, finde ich, vereint all diese Stile. Siehst Du das ähnlich?

Das ist für mich interessant, wie das wahrgenommen wird. „Die Perfektion“ war das wichtigste Lied für uns, weil wir dadurch unsere musikalische Identität gefunden haben. Durch dieses Lied war klar: Jetzt gibt es diese Band! Deshalb ist es, glaube ich, auch immer noch mein Lieblingslied. Ob Quarantäne das alles zusammenbringt? Vielleicht, wobei es schon unsere punkige Seite eher zeigt. Das war uns alles aber überhaupt nicht bewusst. Wir haben ganz viel aus dem Bauch herausgemacht und jede Idee sofort fürs Album aufgenommen – was auch völlig untypisch für uns ist. Normalerweise schreibe ich 30, 40, 50 Lieder in zwei, drei Jahren und dann wird ausgesiebt. Diesmal haben wir nicht viel hinterfragt. Es ist die erste unserer Platten, die ich auch nach der Veröffentlichung selbst noch gerne höre. Auch wenn das komisch klingt, wenn man seine eigene Musik gerne hört. Aber sie gibt mir sehr viel. Sie war anscheinend nötig für uns.

Kim Frank hat im grandiosen Interview-Podcast Hotel Matze, der eigentlich gar keine Werbung braucht, weil es sich rumgesprochen hat, wie gut der ist, über einen sehr interessanten Ansatz gesprochen. Er ist immer der Erste, bevor er etwas rausgibt, der damit im Reinen sein muss und dass er, weil es nicht die Masse, sondern ganz viele Individuen gibt, sein erster Zuschauer oder Zuhörer ist.

Das kann ich absolut unterschreiben. Ich glaube, es ist als Band, die es mittlerweile seit mehr als 15 Jahren gibt, fair, sich von gewissen Dingen freizumachen. Wie funktioniert ein Song live oder wie muss er klingen, damit wir ihn ins Radio bekommen? Diese Erwägungen hatten wir zwar nicht krampfhaft, aber wir hatten sie durchaus. Vielleicht weil es eine Herausforderung war oder wir uns gedacht haben, dass es, bei dem ganzen Schrott der da läuft, cool wäre, wenn wir dort auch auf eine elegante Weise stattfinden würden. Aber ich finde Kim Franks Ansatz viel schöner. Wenn Du Dein erster Zuhörer bist, hat das auch etwas mit Selbstbewusstsein zu tun. Vielleicht hat das jetzt so gut bei uns funktioniert, weil wir frei waren – von Konzerten, von jeglichem Druck. Alles was passierte, passierte wirklich komplett freiwillig. Wir haben daraus viel Selbstbewusstsein geschöpft. Ich merke tatsächlich, jetzt da die Platte draußen ist, dass ich ein wenig traurig werde, und dieser ganze schöne Rausch abgeschlossen ist. Eigentlich würden wir mit diesem Album jetzt Konzerte spielen.

Du hast von Druck gesprochen. Ihr spielt vor Zehntausenden. Welchen Druck verspürt Ihr überhaupt noch?

Immer, wenn ich auf die Bühne gehe, habe ich den Ansatz, dass es das wichtigste Konzert der Bandgeschichte ist.

Das klingt eigentlich romantisch…

… ja, es ist wirklich egal, welche Bühne es ist: Da mache ich mir wahnsinnigen Druck. Ich glaube, deshalb funktioniert es auch und es entsteht eine solche Energiewelle. Das hat allerdings für mich zur Folge, dass, wenn wir wie im vergangenen Jahr große Festivals wie das Deichbrand spielen, ich schon einen Monat vorher komplett aufgeregt bin. Das tut meinem Herz sicher nicht gut. (lacht) Und: Es lenkt mich auch von ganz vielen anderen Dingen ab, weil man darauf so fokussiert ist. So scheiße Corona ist, tut es ganz gut, dass diese Anspannung mal wegfällt. Abgesehen natürlich von den finanziellen Belangen – die sind zurzeit alles andere als gut. Für mich persönlich ist eine solche Pause nach 15 Jahren, in den wir viel gespielt haben, mal ganz gut. Auch kreativ war es anscheinend nicht schlecht. Platten mache ich übrigens immer unheimlich gerne. Im Studio spüre ich überhaupt keinen Druck. Aber gerade die ganz großen Konzerte nagen an mir. Da muss ich jedes Mal aufs Neue gegen mich selbst kämpfen. Umso schöner ist es natürlich, wenn ich die ersten zwei, drei Lieder gespielt habe und ich merke, jetzt bin ich drin.

Das finde ich deshalb interessant, weil Du auf der Bühne immer so locker und im Moment wirkst, als wäre das genau der Ort, an dem Du gerade sein willst.

Dass das so rüberkommt, ist schön. Es ist auch kein Schauspiel. Auf der Bühne habe ich selten ein mulmiges Gefühl. Wenn der Weg dorthin geschafft ist, ist es das Beste auf der Welt.

Ihr habt als Band eine Konstellation – mit drei Brüdern – bei der es durchaus mal knallen kann. Hier wirkt allerdings bei allem, was Ihr tut, sehr harmonisch. Woran liegt das?

Das Wichtigste ist, dass wir uns gegenseitig wertschätzen. Natürlich gibt es bei uns auch Zoff. Es hat bei uns allen schon gekracht. Aber am Ende sind wir immer gestärkt daraus hervorgegangen, was daran liegen mag, dass wir alle Pädagogen-Kinder sind. Wir können gut miteinander rede. Es kann auch hilfreich sein, eine Probe abzubrechen und lieber spazieren zu gehen. Danach muss die Sache aber schnell geklärt werden. Das ist wichtig. Es ist auch ein Grundsatz von uns, keine Probleme mit auf die Bühne zu nehmen. Madsen ist eine Band, die viel positive Energie ausstrahlt. Da darf nichts zwischenkommen.

Wie passt Deine Freundin Lisa in diese Band hinein?

Als ich Lisa gefragt habe, ob sie mitmachen möchte, hat sie gesagt: „Ihr seid doch eine Jungs-Band!“ Sie hat so eine Mucke auch nicht wirklich gehört. Durch uns ist sie mehr mit Gitarrenmusik in Berührung gekommen. Sie ist beim Texten für mich eine absolute Bank. Ab dem Album „Wo es beginnt“ habe ich sie mit ins Boot geholt – das tue ich nicht bei so vielen, weil ich es gerne selbst steuere. Lisa findet die richtigen Worte für Madsen. Beim neuen Album war sie ganz wichtig, weil wir beide gemeinsam mit Johannes als Erste während des Lockdowns im Wendland waren.

„Niko könnte Bürgermeister von Clenze werden.“

Das klingt fast so, als könntet Ihr Euch vorstellen, wieder dauerhaft ins Wendland zurückzukommen.

Zurzeit habe ich keinen Bock auf Berlin. Das ist mir mit den Infektionszahlen und der Leichtsinnigkeit der Menschen dort zurzeit ein wenig zu heiß.

Inwieweit ist die Liebe zum Wendland mit den Jahren gewachsen?

Ich glaube, die Liebe ist stärker geworden, als ich angefangen habe, hier zu joggen und Fahrrad zu fahren – da habe ich gemerkt, wie geil es hier eigentlich ist. Ich habe viele kleine Waldwege und Dinge entdeckt, die ich vorher nicht kannte. Vielleicht ist das auch der Rastlosigkeit geschuldet, die man in seinen Zwanzigern hat. Das habe ich eher in Berlin ausgelebt. Immer wenn wir eine neue Platte veröffentlicht und viel Promo gemacht haben, war ich gerne im Wendland und bin hier runtergekommen. Gerade während Corona merke ich, wie privilegiert wir hier sind, das eigene Haus verlassen zu können, weil man hier niemanden sieht, dafür aber über weite Felder blicken und Waldspaziergänge machen kann. Das habe ich in den vergangenen Tagen gemacht.

Hörst Du währenddessen Musik?

Zuerst habe ich mir das neue Album der Screenshots auf die Ohren geballert – das ist eine super Band. Aber nach einer Viertelstunde habe ich die Kopfhörer abgenommen und dem Wald zugehört. Da gibt es genug Eindrücke. Es klingt klischeehaft: Aber man kommt damit besser bei sich selbst an. Wenn man eine Dreiviertelstunde läuft, kommt man irgendwann an den Punkt, gar nicht mehr zu merken, dass man läuft. Das ist ein schöner Zustand. Dann vermisst man auch nicht, auf irgendwelche Geräte zu gucken.

Dass man sich da so konditionieren muss, ist eigentlich komisch.

Die Versuchung ist heutzutage aber auch einfach groß – auch bei Leuten in meinem Alter. Ich betreue unsere Instagram-Seite und bin, kurz nachdem ich etwas veröffentlicht habe, schon daran interessiert, was die Leute dazu schreiben, weil es ein so unmittelbares Feedback ist. Dann muss ich mich selbst bremsen und sagen: Das kannst Du auch heute Abend noch alles lesen! Dass es salonfähig geworden ist, an einem Tag eine Serie durchzuballern, kann ja auch nicht gesund sein.

„Ich brauche eine neue Idee. Vielleicht finde ich sie im Wald.“

Ihr seid politische Menschen, darüber haben wir schon gesprochen. Thees Uhlmann hat gesagt, wenn seine Musik nicht mehr gefragt ist, könnte er sich vorstellen, als Erzieher zu arbeiten. Würdet Ihr dann in die Politik gehen?

(lacht) Auf keinen Fall!

Bei Euch, im Landkreis Lüchow-Dannenberg, ist im nächsten Jahr Landratswahl.

Ich glaube, der Einzige, der von uns in die Politik gehen könnte, ist unser Bassist Niko. Der könnte Bürgermeister von Clenze werden, weil er einfach diese regionale Sprache spricht. Ich kann absolut unterschreiben, was Herbert Grönemeyer mal über Politiker gesagt hat: ,Ich spreche deren Sprache nicht und ich glaube denen auch nicht.‘ Auch wenn es da natürlich gute Leute gibt – der Ton ist nicht meiner. Wenn es mit der Musik nicht mehr laufen sollte, würde ich eher als Tontechniker oder Produzent arbeiten.

Wobei Ihr kein Problem habt, Euch mit Leuten anzulegen. Habt Ihr von Philipp Amthor schon eine Rückmeldung darauf bekommen, dass er im Video zu „Na gut dann nicht“ auftaucht?

Es ist total verrückt! Wir haben dem Video drei Tage gegeben, bis sich jemand meldet und wir das Video rausnehmen müssen. Bisher hat sich aber nur einer gemeldet, der zudem kein Prominenter ist, sondern jemand, der in einer Szene zu sehen ist, die wir aus einer Mallorca-Doku geschnitten haben. Da ist ein Mann zu sehen, der ein bisschen blöd in die Kamera guckt, während eine Frau im Deutschland-Trikot tanzt. Der hat sehr nett geschrieben, dass ihm das sehr unangenehm ist, zwischen diesen ganzen Idioten aufzutauchen und ob wir ihn nicht rausnehmen könnten. Das haben wir dann auch gemacht.

In einem Interview hast Du gesagt, Ihr müsstet bald mal wieder spielen: Sonst wird es leer auf dem Konto. Im kommenden Jahr wollt Ihr wieder eine große Tour spielen? Wie bereitet Ihr Euch nach einer so langen Pause darauf vor?

Das ist für uns, genau wie für alle anderen Bands, total neu. Es kann sein, dass wir am Ende eine Live-Pause von zwei Jahren haben, wenn wir im Herbst spielen können. Da kann ich keine Prognose abgeben, sondern nur hoffen – und das tue ich auch. Das ist total ungewohnt, aus so vielen verschiedenen Gründen. Gerade im Sommer war das schräg, weil man da diese Festival-Konstante hat, mit der Crew unterwegs ist und befreundete Bands trifft. Ansonsten brauchen wir Ideen, da kommen wir nicht drumherum. Ich bin schon in ein kleines Loch gefallen, weil diese Aufgabe weggefallen ist und ich merke, dass ich nach dem Album, in das wir sehr viel hineingegeben habe, schon wieder eine neue Idee brauche. Danach suche ich. Vielleicht finde ich sie ja im Wald.

Carsten ReimerOnlinereredaktion

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