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Lokal26.de Friesland Jever

Besuchsverbot hinterlaufen: Pflegebutler zeigt renitente Angehörige an

11.04.2020

Jever Während in vielen Altenpflegeeinrichtungen Europas Senioren an den Folgen von Corona-Infektionen sterben, hinterlaufen einige Angehörige und Bewohner der Pflegebutler-Wohnparks in Friesland und Ostfriesland die Sicherheitsbestimmungen zum Besuchs- und Kontaktverbot. Nach sechs Verstößen in drei Tagen greift Geschäftsführer Heiko Friedrich nun durch, um Menschenleben in der Einrichtung zu retten. In einem offenen Brief an Angehörige und Bewohner – per Post versandt und auf Facebook veröffentlicht – teilt Friedrich mit, dass er in den besagten Fällen Anzeige bei Polizei, Heimaufsicht und Ordnungsamt erstattet habe. Die betroffenen Senioren müssten zum Schutz ihrer Mitbewohner in eine 14-tägige Quarantäne.

In dem Brief heißt es: „Unvernünftige Angehörige haben sich erneut über Terrassentüren Zugang verschafft oder sich als Nachbarn des Wohnparks über den Gartenzaun mit ihren Angehörigen verabredet und getroffen. Andere haben das Verbot umgangen, indem sie vor dem Grundstück standen und ihre Angehörigen im Wohnpark angerufen haben, die dann zwar auf unserem Grundstück geblieben sind, wo es aber trotzdem zu einem viel zu nahen Kontakt kam. Leider gibt es auch immer wieder uneinsichtige Bewohner, die unser Haus und Grundstück verlassen, um einzukaufen oder außerhalb des Grundstücks andere Personen zu treffen.“ Auch eine Altenpflegerin und eine Krankenschwester hätten auf diese Weise gegen die Schutzbestimmungen verstoßen.

„Das ist auch für uns eine harte Entscheidung“

Es seien nicht die ersten Vorfälle gewesen, erklärte Heiko Friedrich im Gespräch mit dem Wochenblatt, er habe angekündigt, künftig Anzeige zu erstatten. „Diese Angehörigen sehen das nicht ein, sie reagieren frech und unverschämt mit Beschimpfungen per E-Mail und am Telefon.“ In seinem Brief schreibt er: „Das ist auch für uns eine harte Entscheidung und tut allen unseren Mitarbeitern im Herzen weh. Aber es geht um Menschenleben, die ich mit meinen Teams schützen muss und werde. Wir möchten hiermit noch einmal klar betonen, dass es sich bei solchen Verstößen nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um eine unter hohe Strafen gesetzte Verordnung des Landes und der Landkreise, um das Leben unserer Bewohner bestmöglich zu schützen.“ Man werde als Team weiterhin jeden Verstoß anzeigen und auf Anraten der Heimaufsicht bei mehrfachen Verstößen auch eine Kündigung des Vertrages in Betracht ziehen. Angehörige, die sich fortlaufend über die Maßnahmen beschwerten, bitte er, sich künftig direkt an die jeweiligen Heimaufsichten zu wenden und nicht mehr die Arbeit im Wohnpark durch Anrufe und Mails zu behindern.

Es handle sich nur um Einzelne, „über 95 Prozent aller Angehörigen und Bewohner verhalten sich vorbildlich, obwohl sie auch sehr unter der Situation leiden.“ Auch technisch gebe Pflegebutler alles dafür, die Isolation für die Heimbewohner abzumildern, gegenwärtig arbeite man daran, überall die Bildschirmkommunikation Skype für den Kontakt mit den Familien zu installieren.

„So werden unsere Kosten in die Höhe getrieben“

Im Gespräch mit dem Wochenblatt wies Friedrich darauf hin, wie „exorbitant teuer“ die Schutzkleidung, also das volle Programm im Verdachts- und Quarantäne-Fall, sei. „So werden auch unsere Kosten in die Höhe getrieben“, sagte er. Anstatt mit uneinsichtigen Angehörigen zu diskutieren, ob ihr Verhalten in „Grauzonen der Bestimmungen“ erlaubt sei oder nicht, würde er sich lieber um die Ängste von Bewohnern und Mitarbeitern im Ausnahmezustand kümmern. Die meisten Bewohner seien sogar erleichtert, dass ihre Kinder nicht kommen könnten, es sei verwerflich, sie dann zu Begegnungen zu verleiten.

Allerdings falle die Resonanz auf seinen offenen Brief extrem positiv und ermutigend aus. „Und die Betreuung durch Andrea Lauterbach von der Heimaufsicht des Landkreises Friesland ist absolut vorbildlich, sie ist immer für uns da.“

Christoph HinzLokalredaktion

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