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Lokal26.de Friesland Jever

Brunnengemeinschaft feiert ihr 300. Püttbier

09.01.2020

Jever Die Püttgemeinschaft Wangerstraße von 1720 begeht in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Gefeiert wird am kommenden Montag, 13. Januar, das 300. Püttbier. Damit ist die Püttacht wohl die älteste Brunnengemeinschaft der Stadt und sicher auch deutschlandweit eine der ältesten noch immer aktiven Vereinigungen.

Zur reinen Männerrunde gehören aktuell 26 Mitglieder. Dazu zählen die Hauseigentümer oder deren Pächter. Die Pütt stand bis 2013 am Haus „Spieker“-Brader, früher Eisenwarenhandlung (deshalb auch Spieker für Nagel) an der Wangerstraße 5/Ecke Apothekerstraße, dem heutigen Sporthaus Jever (Inhaber Jürgen Jäger/vormals Wilfried Lose).

Im Juni 2013 wurde der restaurierte Brunnen im Pflanzbeet vor dem Sporthaus wieder aufgebaut. Der Grund: Der Wasser führende Brunnen sollte aus seinem Schattendasein befreit werden, um Einheimische und Touristen auf die Brunnentradition in Jever aufmerksam zu machen. Und das ist gelungen. Die Verlegung wurde am 14. September 2013 groß gefeiert.

Den Brunnen gibt es in der Wangerstraße – er stand bis zum Straßenumbau in der Mitte der heutigen Wangerstraße, ein Gullideckel erinnert noch daran – nachweislich seit 1720. Das belegt auch das Original-Püttbuch, das seit 1991 im Schlossmuseum liegt. Die Pütt-Gemeinschaft Wangerstraße, auch Püttacht genannt, begeht wie alle anderen Nachbarschaften das Püttbier am Montag nach Heilige Drei Könige, also am Montag nach dem 6. Januar. In den Traditions-Pütten ist das reine Männersache.

Das Nachbarschaftsfest bezieht sich auf die jeversche Brunnenordnung von 1756, wonach am Montag, der auf Heilige Drei Könige folgt, die neuen Püttmeister eingesetzt wurden. Diese wurden aus der Mitte ihres Wohnviertels gewählt, um die dortige Pütt (lateinisch: puterus/Brunnen) gewissenhaft zu verwalten und zu pflegen, weil man von hier bis in die 1920er-Jahre täglich das Wasser holte.

Als Jever in den 1920er-Jahren an die Wasserversorgung angeschlossen wurde blieb auch in der Püttacht Wangerstraße das Püttbier als Nachbarschaftsfest bestehen. Es wird intensiv in der Püttnacht gefeiert, wobei um Mitternacht Amtskette und Zylinder auf den neuen Püttmeister wechseln. Bestimmt wird er in der Wangerstraße Jahr für Jahr nach auf- und absteigenden Hausnummern. So kommt es, dass zum Beispiel der Püttmeister von 2012/13, Dieter Havertz, Wangerstraße 13, und damaliger Hauseigentümer, schon drei Mal der Brunnengemeinschaft vorstand. Für seinen Nachfolger, Thomas Bochum (Reisebüro Columbus), im folgenden Haus Nummer 11, Hauspächter seit 2001, war es das erste Mal. Im Jubiläumsjahr wechselt nun die Püttmeister-Würde von Dr. Andreas Klose um Mitternacht vom 13. auf den 14. Januar auf Frank Bremer.

Untrennbar mit der Pütt-acht verbunden sind in den vergangenen 50 Jahren Namen früherer Püttmeister: Hans Wilhelm Popken, Dr. Boris Schäfer, Hans Wolff, Michael, Herbert Popken, Paul Wolf, Hajo Allmers, Hans Garlichs, Dr. Fritz Blume sen, Horst Bäßler, Ossi Fürlus, Michael Brader, Heiner Hilbinger, Hans Georg Grove und Heiner Seemann. Und natürlich gehörten Enno Popken, Ewald Küchler, Dr. Fritz Blume, Bolko Schröder, Thomas Wolff, Dieter Havertz, Jürgen Stritzke, Horst Krey, Jonny Harms, Egon Hohn, Udo Kraft, Friedel C. Meyer, Robert Allmers, Günter Schmöckel, Thomas Bochum, Dr. Birger Hohn, Jürgen Jäger, Wilfried Fürlus und Dr. Andreas Klose in der jüngeren Vergangenheit zu den Stützen der Gemeinschaft. Langjähriger Musikus ist Hermann Hohlen.

Die Püttacht Wangerstraße feierte bislang im „Haus der Getreuen“. Das ist aktuell nicht möglich, sodass die Gemeinschaft das 300. Püttbier im Brauereimuseum begeht. Einer Führung durch Brauhaus-Geschäftsführer und Pütt-Genosse Michael Reitze folgt dann das von Schützenhof-Wirt Stephan Eden zubereitete Moorwarfer Beefsteak-Essen. Bürgermeister Jan Edo Albers wird auch teilnehmen. Und immer wieder wird – angestimmt durch Liederwart Wilfried Fürlus und am Schifferklavier von Hermann Hohlen begleitet – fröhlich gesungen.

Chronist und Schatzmeister Thomas Wolff trägt das Protokoll des vergangenen Püttbiers vor und gibt Rechenschaft über die Pütt-Finanzen. Es folgt ein Geschichts-Vortrag, den früher Dr. Fritz Blume gehalten hat und den nun seit einigen Jahren Egon Hohn hält. Kurz vor Mitternacht macht sich dann die Männerrunde mit musikalischer Begleitung topfdeckelschlagend auf den Weg durch die Wangerstraße zum Brunnen, wo „Schlag 12“ die „Wasserprobe“ entnommen wird. Wenige Stunden später trifft sich die Gemeinschaft zum Püttmeister-Frühstück, zu dem der neue Püttmeister Frank Bremer in diesem Jahr ins Schlosscafé einlädt.

Regelmäßig lädt der amtierende Püttmeister während seines Amtsjahres zu Aktivitäten ein, die schon zum Jade-Weser-Port, zur Hafenrundfahrt nach Leer, zur Bootstour auf den Ems-Jade-Kanal, zu Brauerei- und Zeitungsbesichtigungen oder zu den Klinkerwerken mit Ringofen nach Nenndorf und Neuschoo führten. Mit den Geschäftsleuten der Wangerstraße wird am 6. Juni mit einem kleinen Festakt am Brunnen ein großes Straßenfest gefeiert, zu dem alle Jeveraner und Gäste der Marienstadt schon jetzt herzlich eingeladen sind.

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