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Lokal26.de Friesland Jever

Kneipenkultur in Jever: Biergarten des „Winny’s“ erst genehmigt, dann abgewürgt

03.06.2020

Jever In der nagelneuen und jetzt schon urigen Kneipe ist es still. Kein Gläserklirren, keine Stimmen, keine Hintergrundmusik – und ein Biergarten ohne Gäste. Nach dem Pächterwechsel in der „Pütt“ sollte deren Charme mit der Eröffnung von „Winny’s“ in der Mühlenstraße 19 erhalten bleiben – doch die Pandemie schmiss alle Pläne über den Haufen. Fünf Tage vor der Eröffnung, die am 20. März gefeiert werden sollte, war vorerst Schluss.

Hauke Kelterborn (24) und Lukas Rohlfs (27) hatten sich mit ihrer Kneipe selbstständig gemacht. Winfried „Winni“ und Helga Haselau, das ehemalige Wirtspaar der „Pütt“, brachten ihre Erfahrung mit ein. Winfried Haselau hat sich von seinen Freunden anstellen lassen, um ihnen zur Seite zu stehen, nach ihm ist das „Winny’s“ benannt. „Überall sitzen die Menschen in Biergärten, aber bei uns soll das auf einmal nicht mehr möglich sein“, klagt Hauke Kelterborn. Viel Geld, Arbeit, und Liebe stecken in dem Laden. „Das wird existenzgefährdend“, stellt er fest und zählt vergleichbare Betriebe auf, in denen der Landkreis den Biergartenbetrieb erlaube.

Kelterborn, Rohlfs und Haselau hatten klaglos respektiert, dass die Kneipen auch nach der Erlaubnis für den Betrieb von Gaststätten vor drei Wochen warten mussten. Nachdem sich die Jungunternehmer auf den Betrieb des Biergartens hinter dem Haus und der Tische davor gründlich vorbereitet hatten, kam die Erlaubnis vom Ordnungsamt. Dessen Leiter, Jörg Schwarz, habe sich zuvor mit kritischem Blick davon überzeugt, dass die Wege durch den leeren Schankraum durchorganisiert waren: von der Handdesinfektion bis zu den Formularen für die Dokumentation. Flatterbänder und Möbel separieren den Weg zu den Toiletten. Auch die Abstände zwischen den Tischen stimmen. „Wir waren so froh, zu Himmelfahrt loslegen zu können, eine Woche lang lief es super“, bekennt Kelterborn.

Am Mittwoch vergangener Woche kam dann die E-Mail vom Landkreis. Unter Strafandrohung wurden die Gründer aufgefordert, sofort zu schließen – zehn Minuten, bevor sie um 16 Uhr geöffnet hätten. „Ich habe angerufen, Fotos geschickt – vergebens“, berichtet Kelterborn. „Zu viel Schank“, also das Verhältnis von Getränken zuungunsten des Speisenverzehrs, sei als Grund angeführt worden. „Dabei ist das normal für Biergärten, und so hat es über Pfingsten überall ausgesehen“, führt Haselau an. Gar nicht verstehen kann das „Winny’s“-Team, dass nicht einmal jemand vom Landkreis dort war, um sich alles anzuschauen. Hauke Kelterborn: „Stattdessen stellt es der Landkreis so hin, als hätte die Stadt es verbockt.“ Jeder wisse, wie genau es Jörg Schwarz vom Ordnungsamt nehme. „Eine Biergartensaison ist nicht lang, und in den Listen für die nächsten Lockerungen ab 8. Juni werden die Kneipen nicht mal mehr aufgeführt.“

Der Landkreis müsse nicht selbst kontrollieren, „die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden kennen die jeweiligen Gastronomiebetriebe“, teilt Kreissprecherin Nicola Karmires mit. Weiter führt sie aus: „Restaurationsbetriebe, bei denen der Schankwirtschaftsbetrieb gegenüber dem Speisewirtschaftsbetrieb deutlich überwiegt, sind verboten, und zwar unabhängig davon, ob der Betrieb in einem Gebäude oder außerhalb erfolgt.“ Auf dieser Basis dürften Kneipen, Bars und ähnliche Betriebe eben noch nicht öffnen, egal, wie die Räumlichkeiten gestaltet seien. „Als mit neuer Verordnung bekannt wurde, dass Biergärten und Außenbereiche erlaubt sind, gab es Klärungsbedarf zu den Details, da teilweise davon ausgegangen wurde, dass ein Außenbereich grundsätzlich genutzt werden kann. Das war und ist aber nicht möglich, und auch in Jever wurden die betroffenen Gastronomen darüber umgehend aufgeklärt“, so Karmires.

Christoph HinzLokalredaktion

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