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Lokal26.de Friesland Jever

Neujahrsempfang: Weinanbau in Jever: Eine besondere Vorgeschichte

25.02.2020

Jever Um es vorweg zu nehmen: Der Verfasser dieser Zeilen trinkt gerne Wein, beherrscht aber nicht die Weinsprache. Entweder ihm schmeckt der vergorene Rebensaft oder nicht. Die im Weinbau und in der Önologie (die Wissenschaft des Kelterns) genutzten Begriffe wie Abgang, bukettreich, harmonisch oder blumig vermag (und wagt) er beim Beschreiben des Geschmackserlebnisses nicht zu verwenden.

Mit diesen nicht vorhandenen Grundkenntnissen ging der Redakteur am Samstag zum Neujahrsempfang der jeverschen Terrassenwinzer ins Schloss. Im Steinsaal schenkten die Hobbywinzer ihren 2019-er „Chateau blanc“ und den „Chateau rouge“ aus. Das persönliche Fazit: Bei der Verkostung beider Weine bildeten sich um die Mundpartie des Amateur-Testers keine leicht gekräuselten Falten, wie das bei dem 2014er-Jahrgang noch der Fall war. Während der leicht säurebetonte „Weiße“ durchaus mundete, kann – auch aus Sicht eines anwesenden Terrassenwinzers – der „Rote“ jedoch nicht mit der Vorjahresqualität mithalten. Kein Wunder, meinte Holger Hildebrand vor rund 50 Gästen im festlich ausstaffierten Steinsaal des Schlosses. Der 2018er-Jahrgang mit einer Rekordlese von 1 327,15 Kilogramm und extrem hohen Oechslegraden (ein wichtiges Kriterium für den späteren Wein) sei ein Super-Jahrgang gewesen, die Terrassenwinzer hätten sich „wie in Italien“ gefühlt.

In dem Haus von Holger und Elena Hildebrand an der Mühlenstraße werden die von den insgesamt mehr als 200 Winzern aus dem Landkreis Friesland und der Stadt Wilhelmshaven angelieferten Trauben zentral gekeltert. Je nach angelieferter Menge erhält jeder Terrassenwinzer seinen Anteil.

Wegen der unterschiedlichen Rebsorten, die dort gekeltert und vergoren werden, handelt es sich zwar um einen sogenannten Mischsatz. Aus Kenner-Sicht ist das jedoch kein Nachteil: Erwünschter Nebeneffekt sei eine deutlich erhöhte Vielschichtigkeit des Endproduktes.

Zwar wird der Wein in der Marienstadt zentral gekeltert, ansonsten, so Hildebrand, handele es sich wegen der Vielzahl der Anlieferer jedoch um eine „dezentrale Struktur“. Das ist aus Sicht des pensionierten Marineoffiziers „für den Weinbau ideal“.

Wegen der auf unterschiedliche Orte verteilten Anbauflächen (mit teils nur einem Rebstock) seien die Pflanzen weniger anfällig gegen Schädlinge – entsprechend können die Hobbywinzer auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Gegen den Vogelfraß kommen Netze oder Traubenschutzbeutel zum Einsatz. Das Ergebnis: „Unser Wein ist reines Bio!“

Dabei hat der Weinanbau in Jever eine besondere Vorgeschichte. In seinem Rückblick auf zehn Jahre Terrassenwinzer-Tätigkeit präsentierte Hildebrand eine Zeitungs-Annonce aus dem Jeverschen Wochenblatt vom 26. Oktober 1794. Darin offerierte der von der Herrschaft Anhalt-Zerbst eingesetzte „Planteur Schütze“ „plus minus 100 Stück gute Weinstöcke, welche auf der herrschaftlichen Wein-Terrasse stehen“. Ferner ist die Rede darin von guten Weinstöcken „von verschiedener Sorte und billigem Preis“. Diese hundert Weinstöcke, so der Ober-Terrassenwinzer, „wurden durch uns Liebhaber wiedergeboren“. Auch Jan Edo Albers – obwohl selbst kein Alkohol-Freund – kostete von dem neuen Jahrgang. Die Marienstadt, so der Bürgermeister, sei zwar bekannt für ihr Bier, gleichzeitig aber auch für ihre Vielfalt. Und die Terrassenwinzer seien ein „Bestandteil dieser Vielfalt“.

Übrigens: Auch der Journalist sprach nach dem offiziellen Teil dem „Roten“ zu. Dabei bewahrheitete sich die Äußerung einer Tischgenossin, wonach der Rebensaft nach jedem getrunkenen Glas immer besser schmeckt.

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