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Lokal26.de Friesland Jever

Politik: Beekhuis-Affäre bringt weitere Intrigen ans Licht

26.02.2020

Jever /Wilhelmshaven An der Geschichte gibt es nichts zu deuteln: Es gibt diese Chats zwischen Dörthe Kujath und Jochen Beekhuis. Sie waren bis 2017 Arbeitskollegen. Und wie das so ist unter Bürogenossen: Man erzählt sich was, neckt sich, kotzt sich aus, lästert über diesen oder jenen. Beim Kaffee und einer Zigarette – oder auf Facebook und WhatsApp.

Jochen Beekhuis, der über die Veröffentlichung seiner privaten Chats gestürzt ist, hat natürlich nicht allein gechattet. Seit Ende 2018 seine Facebook-Dateien geleakt wurden, muss mancher fürchten, dass Unangenehmes ans Tageslicht kommt. Getroffen hat es nun Dörthe Kujath, die nicht nur Mitarbeiterin im Wahlkreisbüro der Bundestagsabgeordneten Siemtje Möller in Jever ist, sondern auch Kreistagsabgeordnete in Friesland.

Vertrauliche Chats

Der Wilhelmshavener SPD-Mann Stephan Frey machte am vergangenen Wochenende vertrauliche Chats öffentlich, in denen Kujath und Beekhuis über den Wilhelmshavener Ortsvereinsvorsitzenden Karlheinz Föhlinger hergezogen hatten. Freys Rücktrittsforderungen gegen Möller und Kujath haben die SPD kurzfristig in Aufregung versetzt. Möller hatte betont, die Chats nicht zu kennen. Kujath hatte sich bei Föhlinger sofort entschuldigt. Die SPD-Kreistagsfraktion stellte sich am Montagabend hinter Dörthe Kujath und lehnt die Forderungen nach Konsequenzen einstimmig ab.

In der Nacht zu Dienstag legte Frey nach. Er veröffentlichte neue Chats und drohte mit weiteren Aktionen. Doch dann – Dienstagnachmittag, völlig überraschend – die Kehrtwende. Zuerst ein Anruf bei Dörthe Kujath und eine Entschuldigung. Dann eine Pressemitteilung, die zu einer ganz neuen Affäre führen könnte.

Er sei, erklärte Frey reumütig, „Teil eines perfiden Plans“ gewesen, andere hätten ihn instrumentalisiert. Sein Auftrag sei gewesen, Unruhe in die Partei zu bringen. Dazu habe auch seine Klage gegen die Berliner Parteispitze vor der SPD-Bundesvorstandswahl gehört. „Es war dabei nicht explizit gesagt worden, tue dies und das, aber es wurde mir die Handlungsrichtung vorgegeben“, beschreibt Frey, wie man seine berufliche Erfahrung als PR-Fachmann, Journalist und Wissenschaftler ausgenutzt habe.

„Persönliche Schuld“

Ziel sei es gewesen, eine bestimmte Person (Frey nannte sie gegenüber unserer Zeitung beim Namen) in ein Mandat zu bringen. Diese Person selbst habe dabei kaum belastbare Spuren hinterlassen. Er könne die Zusendung von Chatverläufen an ihn aber belegen.

Frey berichtet, er habe den Auftrag gehabt, etwas zu finden, was Möller, aber auch den Wilhelmshavener SPD-Vorsitzenden Marten Gäde und Geschäftsführer Andre Borowsky beschädigen und aus dem Amt heben würde. „Mich trifft die persönliche Schuld, dass ich mich habe instrumentalisieren lassen, um Personen zu beschädigen, die ich persönlich als sehr integer und nett empfinde“, schrieb Frey. Ihm sei als Gegenleistung versprochen worden, bei einem Erfolg selbst einen Job im künftigen Abgeordnetenbüro seines Auftraggebers zu erhalten.

Unsere Redaktion hat den beschuldigten Politiker am Dienstagabend um eine Stellungnahme gebeten. Bis Redaktionsschluss gab es darauf keine Reaktion.

Helmut BurlagerChefredaktion

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