Medienhaus Brune|Mettcker
  • Anzeiger für Harlingerland
  • Jeversches Wochenblatt
  • Wilhelmshavener Zeitung
  • Shop
  • Tickets
  • Werben
  • Kontakt
 
Lokal26.de Friesland Jever

Wirtschaft: Hase plant eigene Medizin-Sparte – Masken „made in Jever“

27.05.2020

Jever Die Hase Safety Group AG, in Jever ansässiger Hersteller und Lieferant von Arbeitsschutzkleidung, steigt in den Markt medizinischer Schutzprodukte ein. Im Sommer soll die Produktion von medizinischen Schutzmasken für den heimischen Markt aufgenommen werden. Ergänzend dazu plant das Unternehmen den Aufbau einer eigenen Medizin-Sparte, um den Klinikbedarf an Materialien wie Einweghandschuhe und Overalls abzudecken.

Auslöser ist die enorme Nachfrage nach Schutzprodukten im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie und die Erkenntnis sowohl bei Betreibern medizinischer Einrichtungen wie auch bei Politikern, dass Deutschland sich zu sehr von Lieferanten in Asien abhängig gemacht hat. Die Pläne, bei Hase Safety eine eigene Produktionslinie aufzubauen und die enormen Lagerkapazitäten des Unternehmens für den Aufbau einer Bevorratung mit medizinischen Schutzgütern zu nutzen, sind auch auf dringende Bitten von Kunden, des Landes Niedersachsen und des Landkreises Friesland vorangetrieben worden, berichteten Vorstandsvorsitzender Theo Wagner, Vorstand Christian Spiegelberg und Marketingleiter Sven Böhme unserer Zeitung.

Die Pandemie hatte das Unternehmen vor ein doppeltes Problem gestellt. Die plötzlich auftretende hohe Nachfrage nach medizinischen Produkten konnte nicht befriedigt werden, weil die Produktion in China und die Lieferketten gestört waren. Zum anderen brach in Deutschland die Nachfrage nach klassischen Arbeitsschutzartikeln wegen des Stillstands in den Fabriken völlig ein. Daraufhin musste für einen Teil der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet werden, die nun Ende Mai wieder ausläuft.

In die Maskenproduktion investiert Hase Safety einen mittleren sechsstelligen Betrag. Kurz vor dem Abschluss stehen die Arbeiten für die umfangreiche Erweiterung am Standort Jever. Rund zehn Millionen Euro investiert die Familie Wagner in eine neue Lagerhalle und ein Innovationszentrum.

Schutzmasken „made in Jever“

Nicht nur medizinische Schutzmasken waren in den letzten Monaten schwer zu bekommen. Auch die Maschinen, mit denen man sie herstellt, sind so gefragt, dass es einiger Anstrengung bedarf, an eine heranzukommen. Theo Wagner ist das geglückt.

Der Vorstandsvorsitzende der Hase Safety Group AG ist in Amberg im nordöstlichen Bayern fündig geworden. Dort konnte er sich bei einem Maschinenbauer auf die Lieferliste setzen lassen, der vollautomatische Maskenproduktionsanlagen baut und normalerweise nach Asien verkauft. Im Juli kann Wagner seine Lastwagen losschicken, die neue Maschine abzuholen.

An das Rohmaterial für Schutzmasken ist allerdings auch nicht leicht heranzukommen. Das Baumwoll-Kunststoff-Mischgewebe für die Herstellung der dreilagigen Textilie wird zwar in Deutschland hergestellt, aber ebenso wie die Maschinen selbst ausschließlich für den Export nach Asien. Hase Safety hat sich die erforderlichen Liefermengen sichern können – ebenfalls in Bayern.

Erst „auf Kundendruck“ habe man bei Hase Safety begonnen, sich intensiver mit dem Thema medizinische Schutzkleidung zu befassen, sagt Theo Wagner. Als sich Corona Anfang März zu einer Pandemie auswuchs, merkte Deutschland plötzlich, dass es für den Massenanfall von hoch infektiösen Patienten und für den Schutz des Pflegepersonals in einer solchen Situation überhaupt nicht vorbereitet war. Schutzkleidung fehlte an allen Ecken und Enden, China konnte nicht liefern, die heimische Produktion war schon vor Jahren eingestellt worden.

Auch beim Arbeitsschutz-Spezialisten aus Jever gingen laufend Anfragen ein, doch der Vorrat war schnell vergriffen. Seither hatte sich Wagner mit dem Gedanken an eine eigene Produktion und Bevorratung befasst, wurde auch von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann zu einer Expertenrunde eingeladen, die sich mit dem Thema beschäftigte, und in seinen Plänen bestärkt. Schließlich kam Druck auch aus der Region: Den Kliniken und Heimen hier fehlte es wie allen anderen an Schutz. Sie wollen sich durch die Kooperation mit Hase Safety für die Zukunft mehr Versorgungssicherheit verschaffen.

„Das Ganze ist auf Nachhaltigkeit angelegt“, sagt Theo Wagner im Gespräch, an dem auch sein Vorstandskollege Christian Spiegelberg und Marketingleiter Sven Böhme teilnehmen. Nur wenn Schutzmasken und sonstiges Material auch nach dem pandemiebedingten Boom regelmäßige Abnehmer finden, lohnt sich der Aufbau von Produktion und Lagerhaltung. Das scheint nun durch viele Gespräche gesichert zu sein. In den weitläufigen Hallen im Gewerbegebiet am Hillernsen Hamm wird das Unternehmen eine eigene Logistik für medizinische Produkte aufbauen.

Der Wunsch nach medizinischem Schutz „made in Germany“ kam auch von den 1200 inländischen und 800 europäischen Handelspartnern, über die Hase Safety seine Erzeugnisse vertreibt. Auch sie garantieren eine dauerhafte Abnahme der Schutzmasken aus Jever, ebenso ein Klinikverbund, der ernsthaftes Interesse bekundet hat.

„Es passt jetzt gut, dass wir beschlossen haben, die Lagerlogistik zu verdoppeln“, sagt Vorstand Christian Spiegelberg. In den großen Hallen lassen sich problemlos die eigenen Lagerbestände für solche Produkte vergrößern wie auch Einlagerungen im Auftrag der öffentlichen Hand, zum Beispiel der Landkreise, vornehmen. Hase Safety hat obendrein das Know-how für die komplette Logistik vom Einkauf über die Lagerverwaltung bis zur Auslieferung.

Personalintensiv ist die neue Produktionslinie nicht. Die Maschine, die täglich bis zu 100 000 Masken ausstößt, arbeitet vollautomatisch. Nur ein Mitarbeiter ist für Bedienung und Überwachung erforderlich. Die anderen mehr als 80 Mitarbeiter am Standort Jever können sich aber über sichere Arbeitsplätze freuen. Die im April angemeldete Kurzarbeit für einen kleinen Teil der Belegschaft wird Ende Mai aufgehoben. Es gibt wieder genug zu tun.

Helmut BurlagerChefredaktion

Weitere Nachrichten:

Hase Safety

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.