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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Aurich

Pfandschein lässt Einbrecherbande auffliegen

29.11.2019

Aurich /Friedeburg Eine ungeplante Familienzusammenführung bescherte dem Gerichtsverfahren gegen zwei mutmaßliche Mitglieder einer Drogen- und Einbrecherbande einen harmonischen Moment. Der dauerte aber nur kurz an, denn vor dem Landgericht Aurich wurde in der Sache zum Teil mit harten Bandagen weiter verhandelt.

Die Lebensgefährtin des 40-jährigen Hauptangeklagten aus Zetel musste bei ihrer Zeugenvernehmung mangels Kinderbetreuung den gemeinsamen kleinen Sohn mit in den Gerichtssaal bringen. Schon die Belehrung der Zeugin scheiterte am Lärmpegel, den der kleine Junge aufgeregt entfachte, als er seinen Vater erblickte. Richter Christian Weigmann gab seine Zustimmung, dass der Knirps zum Vater eilen und auf dessen Schoß Platz nehmen durfte. Die Vernehmung der Frau war dann aber auch schnell beendet. Sie hatte laut ihrer Aussage von den kriminellen Aktivitäten, die den beiden Angeklagten vorgeworfen werden, nichts mitbekommen.

Die Angeklagten, die serbisch-albanischer Abstammung sind, sollen gemeinsam mit anderen Beschuldigten nicht nur in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein, sondern im Herbst 2018 auch Einbrüche in Friedeburg, Sande und Bockhorn begangen haben. Neben Schmuck und Bargeld sollen sie es bei ihrem brachialen Vorgehen vor allem auch auf Waffen abgesehen haben. So waren auch an diesem Verhandlungstag Zeugen geladen, die anhand von Fotos ihr Hab und Gut identifizierten, das zum Teil im Rahmen von Durchsuchungen beim Hauptangeklagten sichergestellt worden war.

Unterlagen auf dem Handy

Diverse Schmuckstücke soll der 40-jährige Angeklagte auch zu einem Pfandleiher nach Bremerhaven getragen haben. Der Pfandleiher selbst konnte sich nicht mehr daran erinnern. „Ich habe täglich 150 Kunden und bekomme jeden Tag Ringe und Ketten angeboten“, erzählte der 43-Jährige. So wunderte es nicht, dass er die Angeklagten nicht wiedererkannte. Aber er hatte sich in einer Pause Unterlagen auf sein Handy schicken lassen. Es werden nämlich Ausweise der Kunden, die Gegenstände anbieten, fotokopiert, die Schmuckstücke fotografiert. Die Unterlagen stimmten offenbar mit den Dokumenten in der Akte überein.

Auf den Pfandleiher war die Wittmunder Polizei durch einen Pfandschein gestoßen, den sie in dem Auto gefunden hatten, das hauptsächlich vom 40-jährigen Angeklagten genutzt wurde. Diesen Umstand nutzten die Verteidiger, um erste Nebelkerzen zu zünden. „Woher wissen Sie, dass der Pfandschein dem Angeklagten zuzuordnen ist?“, lautete die Frage. Die Antwort war am Ende schlicht: Die Polizei hatte ermittelt und anhand der Fakten ihre Schlüsse gezogen. Noch bohrender wurden die Fragen der Verteidiger, als es um die Telefonüberwachung der damals Verdächtigen und die Rolle des Dolmetschers ging, der der Polizei bei der Auswertung der Telefonüberwachung mit seinen Sprachkenntnissen zur Seite stand. Vergebens versuchten die Verteidiger, die beiden Ermittler, die als Zeugen vernommen wurden, zu verunsichern. Beide Polizeibeamten weigerten sich, den Namen des Dolmetschers preiszugeben. Es sei nicht auszuschließen, dass der Übersetzer bei Bekanntwerden seiner Identität Repressionen ausgesetzt werden würde, meinte ein Ermittler. Anhaltspunkte dafür gab es aber nicht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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