Medienhaus Brune|Mettcker
  • Anzeiger für Harlingerland
  • Jeversches Wochenblatt
  • Wilhelmshavener Zeitung
  • Shop
  • Tickets
  • Werben
  • Kontakt
 
Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Aurich

Neujahrsempfang: Stadt Aurich besteht nicht nur aus Enercon

14.01.2020

Aurich „Der Bogen wurde sprichwörtlich überspannt und zerbrach“, meinte Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann beim traditionellen Neujahrsempfang mit Blick auf die aktuelle Haushaltslage. „Unser Handlungsspielraum ist dadurch erheblich eingeschränkt.“ Zum Stillstand darf und wird es nach seiner Einschätzung aber nicht kommen. „Unsere Stadt ist leistungsfähig, sie ist sympathisch und liebenswert“, betonte der Auricher Bürgermeister in seiner Rede am Sonntag in der Stadthalle. „Lassen Sie uns mit realem Optimismus, kritischem Geist und Offenheit die Herausforderungen angehen.“

Auf seine Amtskette hatte Feddermann ebenso verzichtet wie auf das in den voran gegangenen Jahren übliche Defilee mit ausgiebigem Händeschütteln geladener Ehrengäste. Schriftliche Einladungen waren für den diesjährigen Neujahrsempfang ohnehin gar nicht erst verschickt worden. Stattdessen hatte es einen öffentlichen Aufruf an alle Bürgerinnen und Bürger gegeben. Mit denen möchte der neue Bürgermeister zukünftig gerne direkt ins Gespräch kommen. Dabei verwies er auf seine bereits angelaufenen Bürgersprechstunden und forderte einen gemeinsamen Dialog, in die er die jüngere Generation inklusive der „Fridays for Future“-Bewegung ausdrücklich mit einbezog. Es reiche jedoch nicht, mit dem Finger auf die ältere Generation und die derzeit politischen Verantwortlichen zu weisen. „Bringen Sie sich, bringt Euch aktiv in die gesellschaftliche Diskussion ein“, appellierte Feddermann. „Nicht kritisieren sondern besser machen lautet die Devise.“

„Auricher zeigen Gesicht“

Lobende Worte fand der Bürgermeister für ehrenamtliches Engagement. Explizit hervor hob er u.a. das Bündnis „Auricher zeigen Gesicht“, das sich gegen verrohende Tendenzen z.B. durch Diskriminierung, Rassismus, Rechtsextremismus einsetzt und dem er seine volle Unterstützung zusicherte. Ebenfalls solidarisch erklärte er mit der Landwirtschaft, wo sich derzeit vehementer Widerstand gegen diverse neue bundesweite Verordnungen regt. „Änderungen im Anbau und in der Produktion sollten miteinander geschehen, langfristig geplant und nicht kurzfristig übergestülpt werden“, forderte Feddermann, der auch einige kritische Worte gegen das Zentralkrankenhaus äußerte. „Man versteift sich zu sehr auf ein Zentralklinikum in Georgsheil und lässt andere alternative Lösungen nicht ergebnisoffen diskutieren“, monierte der Auricher Bürgermeister. .

Ansonsten lag bei den Wirtschaftsthemen ein Fokus erwartungsgemäß auf dem umfangreichen Stellenabbau beim Windanlagenhersteller Enercon, dessen Bekanntwerden fast zeitgleich mit dem offiziellen Amtsantritt des neuen Bürgermeisters im November geschah. „Ich befinde mich in einem guten Kontakt mit den Beteiligten“ versicherte Feddermann am Sonntag. Immerhin gehe es bei den angekündigten Streichungen um Arbeitsplätze für ganz Ostfriesland. Nichtsdestotrotz bestehe Aurich keineswegs nur aus Enercon. „Wir haben eine Reihe von sehr leistungsfähigen Betrieben“, erklärte der Bürgermeister in seiner Rede.

„Stadtwerke nicht pleite“

„Die Wirtschaft in Aurich möchte ich weiter entwickeln. Dazu gehört eine Wirtschaftsförderung in Verbindung mit dem Marketing für unsere Stadt, unsere Ortsteile und unsere Innenstadt. Auch die Gewerbegebietentwicklung der vergangenen Jahre war positiv. So konnten sich bestehende Betriebe vergrößern und es konnten sich neue Betriebe ansiedeln. Ich möchte offen sein für Start-ups, Innovation, neue Ideen. Darauf freue ich mich.“ Keine Zukunft mehr haben indes die Auricher Stadtwerke nach deren gescheiterter Übernahme des Strom- und Gastnetzes. Die Geschäftspartner bräuchten sich aber nicht zu sorgen. „Die Stadtwerke sind nicht pleite“, versicherte Feddermann. „Ich möchte dem allerdings vorbeugen und sie daher geordnet abwickeln.“ Für die Zukunft sieht der neue Auricher Bürgermeister seine vorrangige Aufgabe vor allem darin, die für Arbeitnehmer wie Betriebe gleichermaßen attraktiven Vorzüge seiner Stadt noch besser als bisher herauszustellen. „Die Stadt Aurich ist familienfreundlich, hat einen hohen Freizeitwert mit vielen möglichen Unternehmungen und eine vielseitige Vereinswelt“, resümierte Feddermann. „Die Vereinswelt ist vielfältig. Ökologie wird gelebt.“ Die Förderung des Radverkehrs gehört dabei aus Sicht des Bürgermeisters jedoch nicht unbedingt zu den dringlichsten Herausforderungen. „So gerne ich mit dem Rad in die Stadt fahre, muss ich doch zur Kenntnis nehmen, dass wir auf dem Land leben und das Auto zu den bevorzugten Verkehrsmitteln gehört“, gestand Feddermann. „Ein Rezept für einen bezahlbaren, funktionierenden ÖPNV haben wir leider noch nicht gefunden. Das wird auch ein Thema für dieses Jahr sein. Wenn unsere Innenstadt akzeptiert werden und mit der grünen Wiese konkurrieren soll, müssen wir dem Auto neben dem Fahrrad und dem Fußgänger einen Platz einräumen.“

Werner JürgensFreier Mitarbeiter

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.