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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Aurich

Prozess in Aurich: Mann stach auf seine Ehefrau ein, bis sich das Messer verbog

21.03.2020

Aurich Für eine 32-jährige Frau hat die Messerattacke, die ihr Mann am Mittag des 17. September 2019 gegen sie führte, schwerwiegende Folgen. Die aus Afghanistan stammende Mutter wird wohl ihr Leben lang vom Hals abwärts gelähmt bleiben. Sie liegt immer noch in einer Hamburger Spezialklinik, muss nach wie vor beatmet werden. Ihr Mann muss nun für diese grausame Tat eine lebenslange Haftstrafe verbüßen. Denn es war ein heimtückischer versuchter Mord, befand am Donnerstag das Schwurgericht des Landgerichts Aurich. Gründe, die Strafe abzumildern, weil es bei einem versuchten Tötungsdelikt geblieben war, sahen weder der Vertreter der Staatsanwaltschaft Frank Lohmann noch das Gericht.

Der Angeklagte vermutete, dass seine Frau eine sexuelle Beziehung zum gemeinsamen Sprachlehrer aufgenommen hatte. Am Morgen vor der Tat nahm der Afghane heimlich auf, was in seinem Haus in Norddeich passierte. Als er am nächsten Morgen das Band abhörte, reifte in ihm der Entschluss, seine Frau zu töten. „Der Tag der Entscheidung war gekommen“, zitierte Richter Malte Sanders eine Äußerung, die der Angeklagte gegenüber einem Verwandten gemacht haben soll. Er versteckte ein Messer im Schlafzimmer unter dem Kopfkissen, ein zweites in seiner Jacke. Er sorgte dafür, dass die Kinder nach der Schule außerhalb der Wohnung betreut wurden. Hätte er nur ein Gespräch suchen wollen, wäre das nicht notwendig gewesen, meinte der Vorsitzende.

Der 34-Jährige bat seine Frau, mit ins Schlafzimmer zu kommen, einem beengten Raum, aus dem es für die junge Mutter kein Entrinnen gab. Er zog das Messer aus der Jacke und stach zu, bis sich das Messer in einem 90-Grad-Winkel verbog. „Das muss man sich mal vorstellen“, sagte Staatsanwalt Frank Lohmann, „deutscher Messerstahl verbiegt sich bei Stichen.“ Der Angeklagte durchtrennte sogar einen Wirbelknochen und das Rückenmark, wodurch das Opfer einen spinalen Schock erlitt und bewegungsunfähig wurde. Staatsanwalt Lohmann: „Wie bei einer Marionette, der man die Fäden durchschneidet.“

Der Verteidiger wies darauf hin, dass der Angeklagte wegen der erneuten Untreue der Frau verzweifelt gewesen sei. Doch der Staatsanwalt hielt dagegen: „Der Angeklagte wusste, was er tat, und er wollte es tun.“ Das Gericht stimmte ihm zu. „Es liegt keine Affekttat vor“, konstatierte der Vorsitzende. Die Untreue der Frau sei der Auslöser geworden, führte Richter Sanders aus. „Der Angeklagte war wütend. Aber das hat verschiedene Dimensionen. Es kann Eifersucht und Enttäuschung sein. Es kann aber auch sein, weil man merkt, dass man jemandem Freiheiten gewährt hat, die der andere ausnutzte.“ Weil nicht ganz klar war, was den Angeklagten letztlich bewegt hat, konnten niedrige Beweggründe als Mordmerkmal nicht festgestellt werden.

Martina RickenFreie Mitarbeiterin

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