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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Aurich

Aus einer Schnapsidee wird der erste „Ostfriesenwhisky“

03.12.2019

Aurich „Der erste Geruch ist wärmend und prickelnd“, beschreiben die Gründungsmitglieder der Erzeugergenossenschaft „Friesenwhisky eG“ den Eindruck nach erstem Schnuppern am neuen „Ostfriesenwhisky“. Jetzt stellten Vorstand Heiner Labohm und der Bevollmächtige der Kleinstgenossenschaft, Johann Kramer, das neue Produkt in Aurich vor. Es ist das Ergebnis einer Schnapsidee, sagt Kramer, der sich seit Jahren mit sechs Freunden dreimal im Jahr zum privaten Whiskyabend trifft. Jeder bringe dann Whisky von zu Hause mit — „und im Laufe des Abends steigt dann die Kreativität“. 2016 fiel bei dieser geistreichen Runden die wegweisende Entscheidung, die auch am Tag danach der Prüfung mit klarem Kopf standhielt: die Produktion eines eigenen Whiskys.

Genossenschaft

Als Rechtsform wurde aus nahe liegenden Gründen die Genossenschaft gewählt — Johann Kramer ist hauptberuflich Vorstandsvorsitzender der größten Genossenschaftsbank Ostfrieslands.

Die sieben Genossen haben es sich in der Folge nicht leicht gemacht, bevor sie jetzt mit ihrem edlen Getränk in den Handel gegangen sind. Die erste Verkostung (Tasting) deutscher Whiskys war eher ernüchternd — den guten Geschmack hatten sie jedenfalls noch nicht getroffen. Dann kamen in erster Linie schottische Single Malts, Blended Malts und Grain Whiskys in die engere Auswahl. Letztlich sollte es ein Single Malt (also kein Verschnitt und ausschließlich aus gemälzter Gerste) sein.

Grundstoff Bourbon

Schließlich, und so führte die Suche zu einem guten Ende, fanden die Whisky-Freunde den geeigneten Grundstoff in Amerika. Ein Straight Bourbon aus Kentucky setzte sich in einer Blindverkostung durch — und damit fing die eigentliche Arbeit an: Die Männer kauften den bereits vier Jahre in Fässern (aus amerikanische Weißeiche) gelagerten Roh-Whisky. Zudem importierten sie französische Weinfässer, die sie durch Zufall bei einer Weinverkostung im Süden Mallorcas entdeckt hatten.

In Aurich angekommen, wurden die Barriquefässer — und das alles um des guten Geschmacks willen — zunächst für einige Monate mit Rum aus der Karibik befüllt.

Erst im Anschluss kam der junge Bourbon zur Veredelung und weiteren Reifung für etwa drei Jahre Jahre in die Eichenfässer. „Wir haben extrem gute Fässer gefunden. Sie sind ideal für unsere Transformation“, schwärmt Heiner Labohm, der „Whisky-Guru“ der hochprozentigen Sieben. Bevollmäch-tigter Johann Kramer räumt ein, im Gegensatz zu Labohm nicht der große Kenner zu sein: „Hauptsache er schmeckt“, sagt der Whiskyfreund.

200 Flaschen bereits verkauft

Vom Verkaufsstart sind die beiden begeistert — auch ohne große Werbung seien binnen sieben Tagen in zwei Auricher Supermärkten rund 200 Flaschen verkauft worden. Viele weitere fanden bereits durch Direktvermarktung Abnehmer, sodass das erste 225-Liter-Fass praktisch ausverkauft ist. Heute werden sich die Feierabend- und Wochenend-Abfüller und -etikettierer den Inhalt des zweiten von insgesamt sechs Fässern in die Flaschen bringen. Geplant ist, den Whisky in mindestens einem Fass weitere Jahre reifen zu lassen — um zu sehen, wie sich der Geschmack entwickelt. Und damit die Produktion nicht zum Erliegen kommt, hat das Team zehn weitere Fässer und die entsprechende Menge Roh-Whisky geordert. Und parallel dazu laufen übrigens bereits Tests für einen Whisky-Likör und einen Gin.

Doch während man bei diesen alkoholischen Produkten noch in der Entwicklungsphase steckt, ist beim Whisky die Zeit des geduldigen Wartens passend zum Weihnachtsgeschäft zu Ende gegangen. Der Alkoholgehalt des Whiskys wird von 58 wird auf 46 Prozent Trinkstärke reduziert.

Die sieben Whiskyfreunde haben nicht nur einen ausgeprägten Riecher für den feinen Unterschied, sondern mit ihrem Hinweis auf das verdünnende „weiche ostfriesische Wasser“ auch eine gute Nase fürs Marketing: „Wie beim bekannten Ostfriesentee verstärkt dieses besondere Wasser die Aromen unseres Ostfriesenwhiskys.“

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