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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Aurich

Vereinsarbeit in Dornum: Erstmals seit 1991 keine Kinder aus Tschernobyl

21.03.2020

Dornum Im ukrainischen Tschernobyl nahe der Grenze zu Weißrussland passiert am 26. April 1986 die bisher größte Katastrophe seit Nutzung der Kern-Energie: Es kam zur Kernschmelze. Sechs Jahre später gründete sich aufgrund der Spätfolgen für die Bevölkerung im Katastrophengebiet in Dornum der Verein „Kinder von Tschernobyl – Dornum und Umgebung“, der schon seit 1991 Kinder aus der Republik Belarus im ebenfalls betroffenen Weißrussland an die Nordseeküste holt.

Rund 1500 Kinder und Betreuer sind es bis 2019 wohl gewesen, die in der jodhaltigen Luft Ostfrieslands neue Energie getankt haben. Dabei wird es vorerst auch wohl bleiben, denn die Corona-Pandemie wird einen Besuch in diesem Jahr wohl unmöglich machen. Dafür sorgen nicht nur deutsche Erlasse und Verordnungen, sondern auch Bestimmungen im Heimatland der Kinder. Doch damit nicht genug – auch der jährliche Hilfstransport aus Dornum zur Weihnachtszeit in die Republik Belarus ist stark gefährdet.

„Die Aktivitäten des Vereins laufen auf Sparflamme“

„Die Aktivitäten des Vereins laufen auf Sparflamme“, muss ein etwas enttäuschter Vereinsvorsitzender Wilhelm Broeksmid einräumen. Vier Wochen im Juli und August dieses Jahres hatte man wieder mit rund 24 Kindern und Betreuern aus Weißrussland gerechnet, bis Corona dazwischen kam. Jetzt gibt es für den Verein keine Planungssicherheit mehr.

Und da es beispielsweise im Juni zu spät ist, über einen etwaigen Besuch zu entscheiden – auch dieser benötigt eine gewisse Vorlaufzeit – deutet sich jetzt schon ein Aus der Erholungsmaßnahme an. Hinzu kommen noch die noch ungleich höheren bürokratischen Hürden, die von weißrussischer Seite aufgebaut werden.

Das gilt insbesondere auch für die Hilfstransporte, die in der Regel im Dezember von Dornum aus nach Weißrussland fahren. Die Klippen, die bisher zu umschiffen waren, wurden immer problematischer, wie Chef-Planer Günther Buss aus leidvoller Erfahrung weiß. Dennoch gelang es ihm zusammen mit vielen Mitstreitern und Gönnern des Vereins, im vergangenen Jahr einen Transport mit Gütern im Wert von fast 80 000 Euro zusammenzustellen und damit rund 650 Familien zu bedenken.

Schwierig, die Transportkosten aufzubringen

Ganz davon abgesehen, dass die Spendenfreude abebbt und viele Güter auch nicht mehr nach Weißrussland eingeführt werden dürfen, gibt es noch ein weiteres Problem: die Transportkosten. Diese beliefen sich beim letzten, knapp 19 Tonnen schweren Transport abzüglich Spenden auf 12.632,43 Euro. Geld, das der Verein aufbringen musste. Ein ähnlicher Betrag dürfte auch bei einem neuen Transport zusammen kommen – egal wie groß die Ladung ausfällt.

Doch der Verein hat Schwierigkeiten, Einnahmen zu generieren. War er in den vergangenen Jahren auf vielen Veranstaltungen mit Ständen aktiv, so sieht es in dieser Beziehung in diesem Jahr recht düster aus, da alle entsprechenden Termine bis auf Weiteres abgesagt wurden.

Devise lautet: Weiter machen!

Ans Aufhören denkt in Dornum aber (noch) keiner, auch wenn viele andere Tschernobyl-Vereine die Flinte inzwischen ins Korn geworfen haben. Motivation dafür ist auch das erfolgreiche vergangene Jahr, in dem nicht nur neue Gasteltern gefunden wurden, sondern sich auch Sponsoren wie die Findelkindstiftung sehr spendabel zeigten. Und für Wilhelm Broeksmid und Günther Buss hatte es auch noch etwas ganz Besonderes parat: Broeksmid erhielt den Bundesverdienstorden, Buss das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Und beide werden weitermachen, wurden sie doch auf der jüngsten Jahreshauptversammlung des Vereins in ihren Ämtern bestätigt. Die Vorstandszusammensetzung: Vorsitzender Wilhelm Broeksmid, 2. Vorsitzender Tobias Groenefeld (bisher Jenny Vehndel), Schriftführerin Rosemarie Fink, Kassenwartin Helga Buss, Beisitzer Bernd Rother, Gerda Cornelius, Günther Buss und Elfriede Wietzorek.

Helmut BurmannLokalredaktion

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