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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Aurich

Pro & Contra: Hitzige Diskussion um Alkoholverbot am Vatertag

14.05.2020

Wittmund /Aurich Vor dem Hintergrund der Coronakrise verbietet der Landkreis Aurich am Vatertag den Verkauf und Verzehr von alkoholischen Getränken in Außenbereichen und Außenanlagen für Gaststätten jeglicher Art. Im benachbarten Landkreis Wittmund wird hingegen von einem Verbot abgesehen.

Die Kreisverwaltung werde die Maßnahme mit einer Allgemeinverfügung entsprechend regeln, informierten der Landkreis Aurich am späten Dienstag Nachmittag. Es solle verhindert werden, dass sich bei den traditionellen Ausflügen zu Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 21. Mai, größere Menschenansammlungen bilden.

Die Möglichkeit, sich in einer Gaststätte im Freien bewirten zu lassen, werde besonders an Feiertagen bei gutem Wetter gerne in Anspruch genommen, argumentieren die Auricher. Gerade am Vatertag fänden erfahrungsgemäß viele Fahrradtouren zu diesen Treffpunkten statt – und damit steige auch das Risiko für Infektionen mit dem Corona-Virus. Diese Gefahr will der Landkreis mit seiner Verfügung soweit wie möglich eindämmen: „Die kontaktreduzierenden Maßnahmen für die breite Bevölkerung stellen das einzig wirksame Mittel zum Schutz der Gesundheit der Allgemeinheit und zur Aufrechterhaltung zentraler Infrastrukturen dar“, heißt es in dem Schreiben.

Neben dem Verkauf und Verzehr von Alkohol ist auch der Außer-Haus-Verkauf von alkoholischen Getränken untersagt. Mitgebrachte oder im Außer-Haus-Verkauf erworbene Speisen und Getränke dürften im Umkreis von 50 Metern zu dem jeweiligen Betrieb ebenfalls nicht verzehrt werden, um Ansammlungen zu verhindern.

Landkreis Wittmund geht einen anderen Weg

Die Nachbarn dürften ihre Gründe für die verschärfte Linie habe, meinen die Verantwortlichen im Landkreis Wittmund. Sie teilten am Donnerstag aber mit, sich dieser nicht anzuschließen – auch vor dem Hintergrund, dass viele eigentlich zu Vatertag geplante Veranstaltungen abgesagt wurden. „Wir rechnen also nicht mit besonderen Hotspots, für die Verschärfungen nötig sein könnten“, informiert Pressesprecher Ralf Klöker. Die geltenden Regeln der gültigen Landesverordnung für Gastronomie und zwischenmenschliche Kontakte reichten daher aus.

Klöker betonte, dass diese Einschätzung auch von den kommunalen Ordnungsämtern auf dem Festland und der Polizei in Wittmund geteilt werde.

Neben dem Verbot des Alkoholausschanks werde der Landkreis Aurich am Himmelfahrtstag auch Autoveranstaltungen im Sinne der Niedersächsischen Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie untersagen. Dabei gehe es beispielsweise um die Durchführung von „Auto-Discos“. Verstöße stellten eine Ordnungswidrigkeit dar.

Alkoholverbot führt zu Diskussionen

Kaum war die Nachricht raus, ging es los auf Facebook: Der Landkreis Aurich verbietet den Alkohol-Ausschank am Vatertag? Der Beitrag erreichte innerhalb eines Tages mehr als 33 000 Personen; er wurde über 270 Mal geteilt. Mehr als 120 Nutzer kommentierten und diskutierten das Vorhaben des Landkreises – darunter sind auch Stimmen, die eine Ausweitung des Verbots auf andere Landkreise fordern. Die Mehrheit aber kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Einige schnelle Reaktionen der Nutzer sind: „Das ist ja der Hammer!“ „Sind die nun total gaga?“ „Wir nähern uns der DDR.“ „Das hat doch das Satire-Blog „Postillion“ geschrieben.“ Andere haben ihre Meinung etwas ausführlicher begründet. Auch wir haben uns mit den Vor- und Nachteilen des Alkoholverbots beschäftigt.

Contra: Regeln auf die Probe stellen

Jens Nähler ist gegen das Verbot.

Ja, was denn nun? Es gibt Regeln, an die sich zu halten ist. Kontaktbeschränkungen, Abstand halten. Sie sind Grundlage dafür, dass überhaupt erst gelockert wurde und Gastwirte öffnen dürfen. Diese haben strenge Auflagen, für deren Einhaltung sie sorgen müssen. Die Gäste ebenso. Die Gefahr der Gruppenbildung besteht ständig: Wer sich betrinken will, wird das auch so tun können. Und für Probleme sorgen. Für Urlauber, die ihrer Isolation der letzten Wochen entfliehen, ist sowieso jeder Tag wie Vatertag. Jetzt stehen die Lockerungen auf dem Prüfstand. Sie schon vor der Generalprobe einzuschränken, ergibt keinen Sinn. Ganz oder gar nicht.

Pro: Gefahr erkannt

Helmut Burlager ist für das Verbot.

Ab wann geht der Leichtsinn los? Bei 0,3 Promille? Bei 0,8? Bei 1,8? Wann ist der gute Vorsatz vergessen, es beim Vatertagsausflug vernünftiger angehen zu lassen und dem Gastwirt nicht wieder in den Biergarten zu kotzen, um sich später Arm in Arm mit dem Kumpel nach Hause zu schleppen? Schon klar, so feiern nicht alle ihren Vatertag. Eher diejenigen, die gar keine Väter sind. Aber mit Vernunft ist an diesem Tag schon in normalen Zeiten nicht zu rechnen. Wie erst, wenn strenge Vorschriften gelten? Und sollen Gastwirte, kaum dass sie wieder öffnen durften, Schiedsrichter spielen und sich unbeliebt machen? Das lass mal lieber die Behörden tun.

Was meinen Sie zum Alkoholverbot des Landkreises? Diskutieren Sie mit auf unserer Facebookseite.

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