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Lokal26.de Nordsee Langeoog

Jonny Vestering – Vom Stürmer zum Türmer auf Langeoog

12.02.2020

Langeoog Jonny Vestering nimmt sie alle. Jede einzelne knüpft er sich vor. Die aus braunem Holz ebenso wie die aus blau angemaltem Metall. 80 Stufen, die er zwei Mal pro Schicht rauf und wieder runter geht. Wer die 80 Stufen mit ihm meistert, wird mit einem herausragenden Ausblick belohnt. Die Treppen führen auf den Wasserturm auf Langeoog. Jonny Vestering ist seit 25 Jahren der Türmer dieses Wahrzeichens.

Jonny heißt eigentlich Jan-Gerhard. Aber unter diesem Namen kennt ihn auf der Insel kaum jemand. Gerne erzählt der Rentner von seiner Goldenen Hochzeit. Damals hatten die Eheleute Vestering Einladungskarten verschickt. Es sollte alles offiziell sein. Und so stand auch nicht Jonny, sondern Jan-Gerhard in der Karte. „Die Leute haben sich gefragt, wer das ist“, sagt Vestering und lacht.

Aber Jan-Gerhard ist nicht nur Jonny. Er war schon Jupp (in Anlehnung an den einstigen Bundestrainer Jupp Derwall: „Die grauen Haare“) und „Rippchen“. „Ich hatte zwei Mal die Rippen gebrochen“, erklärt Vestering, der sich als Fußballer einen Namen machte. 1500 Tore hat der Stürmer für den TSV Langeoog geschossen. Die meisten als Jugendlicher. Der Langeooger hat mit 57 Jahren noch in der ersten Herrenmannschaft gespielt, mit 75 in der Alten Herren. In seiner letzten Partie gelang ihm ein Doppelpack. Fußball ist das eine Leben des 82-Jährigen. Das Wochenende gehörte dem Sport. Vestering leitete die Fußballabteilung, trainierte Kinder und begleitete sie zu Spielen. Auch unter der Woche hatte er mit dem Inselnachwuchs zu tun. Der gelernte Maler war 34 Jahre Hausmeister an der Inselschule. In den Türmerjob ist er so reingeschlittert, wie er sagt. „Erst wollte ich gar nicht.“ Doch das mag man ihm 25 Jahre später nicht mehr abnehmen. So eng verbunden ist er mit dem Wahrzeichen.

„Das ist mein zweites Wohnzimmer“, sagt er und schaut sich um. An der Wand hängen dutzende Zeichnungen, Fotos mit Gruppen. Es sind Erinnerungen und Ausdruck einer riesigen Wertschätzung. „Ich komme mit den Gästen gut aus“, stapelt der 82-Jährige tief. Er erzähle eben gerne von seiner Insel, von seinem Langeoog. Manche Gäste gefällt es so gut, dass sie im nächsten Jahr wiederkommen. Über Jahre entstehen so Freundschaften. Vestering mag seine Gäste. 99 Prozent von ihnen seien gut, nett, lieb. „Sie sind alle freundlich und dann mache ich auch mal einen Spaß“, verrät der Senior. So wie einmal, als er das Radio spontan lauter drehte und eine Frau zum Tanz aufgefordert hat. „Das war eine Gruppe von Tänzern. Da habe ich mir gedacht: Wir können hier doch eine Runde drehen.“ Im Wasserturm mit Jonny wird getanzt, gelacht und manchmal ein Heiratsantrag gemacht.

Vestering hat ein Herz für die Verliebten. Wenn jemand 33 Meter über Normal Null um die Hand anhalten will, drückt er schon mal ein Auge zu – und überlasst dem Paar den Schlüssel zum Turm. Ach, dieser Wasserturm. Sogar im Urlaub muss Jonny Vestering an ihn denken. „Ich nehme dann immer eine kleine Figur des Wahrzeichens mit.“ Selbst in Spanien erinnert ihn dann etwas an seine Heimat. Und so denkt Jonny Vestering nicht ans Aufhören: „Ohne Wasserturm kann ich nicht.“

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TSV Langeoog | Inselschule

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