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Lokal26.de Nordsee Langeoog

Coronakrise: Langeooger Hoteliers fühlen sich im Stich gelassen

16.05.2020

Langeoog „Die wirtschaftliche Lage auf einer Insel ist in vielen Details anders zu bewerten als auf dem Festland“, sagt Hotelier Tom Kempkes-Solbach vom Hotel Dünenläufer. Die Unternehmer litten sehr unter den ständigen Änderungen der landesweiten Verordnungen und innerhalb der kommunalen Behörden.

Gerade Existenzgründer hätten in jüngster Zeit beträchtliche Summen in Modernisierungen und Umbauten investiert. „Zum Teil haben wir Darlehen in Millionenhöhe aufgenommen. Es war nicht geplant, in dieser Zeit weitere Kredite aufzunehmen“, sagt Kim Streitbörger (Hotel Norderriff). Die aktuelle Saison sollte dieses Maßnahmen refinanzieren. Der Stillstand seit Mitte März sorge jedoch für Ungewissheit.

Im Gegensatz zu etablierten Langeooger Unternehmern, die weitgehend ihre „Schäfchen im Trockenen“ hätten, seien die Jungunternehmer nicht mit einem Finanzpolster oder wirtschaftlichen Alternativen ausgestattet. „Wir stehen am Anfang unserer Existenz und wollen die touristische Zukunft unseres Ortes gestalten. Aber gerade wir stehen schon jetzt näher am Abgrund als andere.“

Insbesondere Hotels seien bei den Regelungen ins Abseits geraten, beklagen die Langeooger. Sie müssten allem Anschein nach am längsten warten, bis sie wieder durchstarten können und wüssten immer noch nicht, zu welchen Bedingungen sie vermieten dürfen.

„Die Pfingsttage stehen vor der Tür und bringen die Aussicht, wieder Gäste zu beherbergen“, verdeutliche Denise Kuppi (Hotel de Insulaner). „Und trotzdem stand bis vor wenigen Tagen nicht fest, ob diese Gäste mindestens eine Woche bleiben müssen oder ob die sogenannte Wiederbelegungsfrist greift.“ Nicht zuletzt gebe es in Apartmenthotels und kleinen Herbergen andere Voraussetzungen was die Umsetzung von Abstands- und Hygienevorschriften angeht, als in großen Betrieben. Dies bedeute einen erheblichen Wettbewerbsnachteil.

Was die jungen Hoteliers eint: die hohe Verschuldung mit ihrem Lebenswerk. „Wir sind offenbar die letzten Betroffenen, die an fundierte Informationen kommen“, beklagt Tom Kempkes-Solbach. „Wenn wir wieder gefragt sind, wollen wie schließlich auch alles richtig machen.“

Nicht zu unterschätzen sei auch die Situation junger Kaufleute wie Jannes Remmers, der mit seinem Bäckereibetrieb seit vielen Wochen die Grundversorgung der Insulaner sicherstellt. „Wir verstehen, dass auch der Rat und die Verwaltung auf die Weisungen übergeordneter Behörden angewiesen sind, aber es ist doch verständlich, dass wir uns alleingelassen fühlen, wenn Zuständigkeiten und Aussagen unklar sind“, fasst Stephan Völz (Apartments Lieblingsinsel Langeoog) zusammen.

Schließlich hänge es ebenfalls an den Hoteliers, Gastronomen und Vermietern, den potenziellen Gästen Zu- oder Absagen zu erteilen. „Da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Auf wen sollen wir uns denn verlassen? Am Ende liegt der ,Schwarze Peter‘ doch bei uns“, so Völz. Immer noch fehlten eindeutige Handlungsempfehlungen und Rückendeckung, wie man mit Stornierungen seitens der Gäste umgehen solle. Die Jungunternehmer fordern verbindliche Richtlinien, die auch Sonderregelungen für die Inseln beinhalten können. Zugleich drängen sie auf finanzielle Hilfen von Landes- und Bundesseite, ohne die viele Betriebe keine Überlebenschance mehr hätten.

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