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Kanufahren: Bootshaus in Altfunnixsiel wird zur Einbahnstraße

05.06.2020

Altfunnixsiel Die Sonne scheint, das Thermometer zeigt deutlich über 20 Grad an. Beste Bedingungen, um Wassersport zu betreiben. Noch ist es ruhig am Bootshaus in Altfunnixsiel. Lediglich das sonore Jaulen eines Schwingschleifers ist zu vernehmen. Boots- und Gerätewart Henning Rothert nutzt die Gelegenheit, um das Material auf Vordermann zu bringen und eines der Holzboote zu schleifen. Doch er bleibt nicht lange alleine.

Nach und nach trudeln die Kanuten ein, doch statt wie sonst gemeinsam in Richtung Umkleideräume zu gehen, warten sie erst einmal ab. Um überhaupt trainieren zu können, haben die Verantwortlichen um Sportwartin Bianca Pieper ein spezielles Konzept ausgetüftelt. Jeder Wassersportler hat sein eigenes Fläschchen Desinfektionsmittel dabei und reibt sich zunächst die Hände ein. Danach geht es einzeln ins Bootshaus. Dort werden die letzten Vorbereitungen getroffen, anschließend noch einmal die Hände gewaschen, ehe es an die Boote geht. Die Zweier- und Viererkajaks bleiben jedoch ungenutzt. Aufgrund der Abstandsregeln wird nur Einer gefahren. Jeder der Sportler hat im Vorfeld ein Boot zugewiesen bekommen, das zusammen mit Kissen und Paddel lagert. Erst, wenn der erste aus dem Bootshaus herauskommt und und in Richtung Steg geht, macht sich der Zweite auf den Weg durch die Einbahnstraße im Bootshaus.

Auf dem Wasser ist Abstand kein Problem. Die Boote sind gut fünf Meter lang und seitlich verhindern die Paddel, dass sich die Sportler zu nahe kommen. Doch auch hier ist nicht alles selbstverständlich. Zunächst einmal mussten die nötigen Genehmigungen eingeholt werden, die Harle wieder als Sportstätte zu nutzen. Auch der Bolzplatz vor dem Bootshaus musste neu angemeldet werden.

Das Vorgehen ist deutlich zeitaufwendiger als normal, doch das nehmen die Kanuten gerne in Kauf. Sie wollen endlich zurück aufs Wasser. Seit dem Herbst haben sie nicht mehr in den Booten gesessen, der Trainingsrückstand ist groß. Das bekommen einige in Form eines ausgewachsenen Muskelkaters am Tag darauf deutlich zu spüren. Etwa 100 bis 150 Kilometer Trainingsstrecke braucht es, ehe Bewegungsabläufe wieder richtig rund sind und die Muskulatur der Belastung endgültig gewachsen ist. Kraft- und Lauftraining helfen, Einheiten auf dem Ergometer sind gut, doch Streckemachen auf dem Wasser ist durch nichts zu ersetzen. Mindestens acht Kilometer spulen die Kanuten pro Einheit ab.

Nicht alle dürfen aufs Wasser

Doch nicht alle dürfen bislang aufs Wasser, sehr zum Leidwesen von Sportwartin Bianca Pieper. Nur zu gerne würde sie auch die Neulinge in die Boote setzen und sie paddeln lassen. Doch solange nicht sichergestellt ist, dass sie ein gekentertes Boot auch wieder aufrichten können und in der Lage sind, im Zweifel mit dem Boot ans Ufer zu schwimmen, geht das nicht. Doch auch daran soll künftig gearbeitet werden. Übungen zum sicheren Ein- und Aussteigen sowie das Herausheben der Boote aus dem Wasser sind nun einmal unabdingbar. Daher stehen für die Jüngsten und die Neulinge aktuell nur Trockenübungen an.

Sportlich gesehen ist der Trainingsrückstand nicht wirklich dramatisch. Nahezu alle Regatten sind bereits abgesagt. Die heimische Harle-Regatta steht zwar noch im Kalender, doch auch die Kanuten aus Altfunnixsiel werden wohl schweren Herzens absagen müssen.

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Dabei sind die Regatten doch genau das, was das Vereinsleben beim WSV so besonders macht. „Die Mannschaft findet sich eigentlich erst auf der ersten Regatta“, erläutert Bianca Pieper. Zusammen zelten, kochen und gemeinsam von Regen durchweicht werden – das schweißt zusammen. Daher gibt es zur Zeit zwar einen eingeschränkten Sportbetrieb beim WSV, doch mit dem üblichen Vereinsleben hat all das nur wenig zu tun. Doch die Kanuten lassen sich nicht unterkriegen. Sie machen das Beste aus der Situation und spulen ihre Kilometer ab. Doch insgeheim warten alle darauf, wieder zusammen im Verpflegungszelt zu sitzen – und wenn es nur vorm eigenen Bootshaus ist.

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