Lokal26.de Lokalsport

Reitsport: Vom Sorgenfohlen zum Gewinnerpferd

27.06.2020

Esens Drei Wochen nach der Geburt musste die Stute eingeschläfert werden. Sie hatte sich auf der Weide schwer verletzt. „Sie war mein Erfolgspferd“, sagt Etta Glanzer-Reents immer noch ein wenig traurig, wenn sie an die Hannoveraner Stute denkt. An Turniersport war nicht mehr zu denken, das Tier war gesundheitlich angeschlagen und hatte in den letzten Wochen schwer zu kämpfen. Irgendwann zogen sie auf Station Neuseriem die Notbremse und ließen den Tierarzt kommen. „Coopi Neuseriem“ wurde nach 21 Lebenstagen ein Waisenkind, das von Etta Glanzer-Reents mit der Flasche aufgezogen werden musste. Alle zwei Stunden hieß es von da an aufstehen und füttern, auch in der Nacht. „Wir haben uns das in der Familie geteilt.“ Für Glanzer-Reents stand von Beginn an fest: Dieses Tier bleibt ihres. „Coopi hätte auch mit nur drei Beinen zur Welt kommen können. Das hätte nichts geändert“, sagt die Turnierreiterin. Sie hatten Glück und fanden eine Stute, die das Fohlen annahm. „Bei ihr hat sie das soziale Verhalten gelernt“, sagt Etta Glanzer-Reents, wohlwissend, dass Fohlen, die mit der Flasche aufgezogen werden, in ihrer Entwicklung den Gleichaltrigen in den Anfangsjahren immer hinterherhinken. Doch das Potenzial der jetzt fünfjährigen Stute zeichnete sich schnell ab.

Mit der höchsten Zuchtauszeichnung, der Hannoveraner Prämie, versehen, gab es 2019 auf der Schau in Timmel nur lobende Worte. „Es gab schon einige Richter, die gesagt haben, wenn wir daran bleiben, dann kann Coopi eine ganz große werden. Und sie hat auch richtig Lust sich zu beweisen“, erzählt die Reitsportlerin. Schon auf dem ersten Turnier, dem Heimspiel beim HPC Esens, gab es die erste Platzierung für das Gespann, das sich schon dort als eingespieltes Team präsentieren konnte. Weitere Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Der endgültige Durchbruch gelang zuletzt in Westerstede und Münster. Mit Wertnoten die deutlich jenseits der wichtigen 8.0-Marke lagen, gelang die Qualifikation für das Bundeschampionat in Warendorf im August. Speziell beim Turnier in Münster, bei dem Ross und Reiter fünf verschieden Prüfungen zu absolvieren hatten, gab es Momente, in denen Etta Glanzer-Reents zweifelte. „Ich bin bei der Parcoursbegehung durchgegangen und habe ernsthaft überlegt, ob ich das machen möchte.“ Der Geländeritt bereitete nicht nur ihr Kopfzerbrechen. Einige Reiter verzichteten auf die Prüfung, viele scheiterten.

„Die Hälfte ist ausgeschieden“, sagt Glanzer-Reents. Auch das Gespann, das vor ihr in den Parcours gegangen war, schied aus. Doch das Vertrauen in „Coopi“ ist schon immer groß gewesen. Leichtfüßig ging die Stute durch den Parcours, meisterte auch die schwierigsten Hindernisse spielend, sodass die Wertungsrichter am Ende von der Leichtigkeit und den guten Rittigkeitsmerkmalen zu schwärmen begannen. 8.7 lautete die Note. Innerhalb von 14 Tagen hatten sie nun viermal ein Wertnote über 8.0 Punkten erhalten. „Das habe ich auch noch nie gehabt“, sagt Etta Glanzer-Reents und lacht. Nun hoffen alle, dass das Bundeschampionat in Warendorf stattfinden kann. Denn aktuell wurde über den Landkreis der Lockdown verhängt.

Thomas BrevesLeitung Sportredaktion

Weitere Nachrichten:

Bundeschampionat

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.