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Corona und Finanzen: Sportvereine verzeichnen starke Einbußen

20.06.2020

Friesland /Ostfriesland Die Solidarität der Mitglieder in den Vereinen ist groß. Die Clubs in Niedersachsen verzeichnen kaum Vereinsaustritte, obwohl sie im April nur ein stark eingeschränktes oder sogar überhaupt kein Programm im sportlichen Bereich anbieten konnten. Neue Mitglieder haben die Vereine aber auch nicht verzeichnen können. Wie auch, wenn sie, wie im April und Mai, keine Gegenleistung anbieten durften. Wie sich die Coronakrise auf die Sportvereine in Niedersachsen auswirkt, hat der Landessportbund (LSB) in einer Befragung herausgefunden. Der gesamte finanzielle Schaden allein im April wird demnach auf rund 5,8 Mio. Euro geschätzt. Dabei sind die Clubs in durchweg unterschiedlichen Bereichen betroffen. Vereinsgaststätten dürfen nicht mehr betrieben, Kursgebühren nicht erhoben werden.

MTV Jever: Einbußen auf 25.000 Euro geschätzt

Der MTV Jever schätzt seine Einbußen im April, Mai und Juni auf insgesamt 25.000 Euro. „Bei uns ist der Anteil der Sportkurse hoch. Etwa 85 bis 90 Prozent der Einnahmen stammen aus diesem Angebot“, erklärt der Vorsitzende Stefan König. Der Club hat sich stark dem Gesundheits- und Fitnesssport verschrieben, und organisiert kaum eigene Veranstaltungen. Die fehlenden Einnahmen machen sich bemerkbar, zumal der MTV Jever Kredite bedienen muss. „In Zahlungsschwierigkeiten kommen wir nicht. Aber wir haben geschaut, wie wir die fehlenden Einnahmen ausgleichen können“, sagt König. Die Lösung ist einfach. Geplante Investitionen werden verschoben. Unter anderem sollen das Dach der Tennishalle und die Beregnungsanlage der Tennisaußenplätze saniert werden. Die Ausgaben in sechsstelliger Höhe werden nun nicht 2021 sondern wohl erst 2022 getätigt. „Das tut uns weh“, sagt König über die fehlenden Einnahmen.

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Der TuS Esens als weiterer Mehrspartenverein stützt große Teile seiner Finanzierung auf die Fußballsparte, die es beim MTV Jever überhaupt nicht gibt. „Bei uns halten sich die Probleme aber im Rahmen“, sagt Kassenwart Bernd Wattjes. Schwierigkeiten könnten sich jedoch bei der Bandenwerbung im Stadion an der Peldemühle offenbaren. „Wenn wir eine halbe Saison nicht spielen dürfen, können wir dann die Betriebe, die uns in diesem Bereich unterstützen, belasten? Sie erhalten ja keinen Gegenwert“, ist eine der zentralen Fragen, die sich die Vereinsführung stellt. Denn: „Die Betriebe haben selbst Probleme. Es fehlen Aufträge. Es gibt Kurzarbeit“, erklärt der Kassenwart des TuS. Auch beim Blick auf die Vereinsgaststätte muss er nachdenklich die Stirn runzeln. Die Räumlichkeiten sind verpachtet, „der Vereinswirt darf aber nicht aufmachen“, sagt Wattjes. Auch hier sieht er noch Klärungsbedarf.

FSV Jever will Gespräch mit Sponsoren suchen

Der FSV Jever, als reiner Fußballverein, ist da schon ein Stück weiter. „Rechnungen für Bandenwerbung haben wir bislang nicht gestellt“, erklärt Geschäftsführer Sven Reif, auch wenn er klarstellt: „Für uns ist das eine Menge Geld.“ Ob der Club die Beträge zu einem späteren Zeitpunkt noch einfordert, wenn der Spielbetrieb wieder läuft, ist noch offen. Hier möchte der Verein das Gespräch mit den Sponsoren noch suchen. Ein nicht zu unterschätzender Posten in der Finanzierung des Clubs ist der vereinseigene Verkaufswagen. Pandemiebedingt findet aktuell kein Verkauf von Kaffee, Bratwurst und Co. statt. Auch wenn der FSV Jever aktuell kein Problem hat, den Betrieb aufrecht zu erhalten und auch einige Investitionen tätigen kann, ist Sven Reif sich sicher: „Ewig können wir das nicht durchhalten.“ Außerdem fehlen die Einnahmen aus dem Turnierspielbetrieb.

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Beim Landessportbund wird die zunehmend angespannte finanzielle Lage der Vereine in Niedersachsen mit Sorge betrachtet. Bereits die Ergebnisse einer ersten LSB-Vereinsbefragung im April haben deutlich gemacht, dass die negativen finanziellen Auswirkungen für die Sportorganisation erheblich sind und die Sportvereine und -verbände die Einnahmeverluste vielfach nicht kompensieren können. „Der LSB erwartet deshalb von der Landesregierung kurzfristig ein Sonderprogramm Sport wie es das in anderen Bundesländern längst gibt. Sonst drohen erhebliche negative Auswirkungen für die Sportvereine, die mit ihren sozialen und gesundheitspräventiven Angeboten eine wesentliche Säule für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind“, stellen LSB-Präsident Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach und LSB-Vorstandsvorsitzender Reinhard Rawe fest. Der LSB sieht sich im Einklang mit dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport, das sich für ein Sonderprogramm Sport einsetzt und bereits mit dem LSB einen Richtlinienentwurf für die Beantragung von Fördermitteln entworfen hat. Auf ein solches Programm hofft auch Stephan König vom MTV Jever. Er hat in der April-Umfrage des LSB bereits eine Art Corona-Fonds angeregt. Doch eine Entscheidung auf politischer Ebene ist erst frühestens Ende Juli in Sicht. „Wir können aber nicht mit der notwendige Hilfe bis Ende Juli warten, wenn der Landtag darüber entscheiden soll. Anträge könnten dann frühestens ab Mitte August gestellt werden. Das ist zu spät“, heißt es vonseiten des LSB. Er fordert deshalb kurzfristig einen Kabinettsbeschluss über das Programm.

Aktuell läuft die zweite Vereinsbefragung zur Ermittlung der finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Sportorganisationen in Niedersachsen. Hier möchte der LSB Rückschlüsse auf die längerfristigen Folgen ableiten. Die Teilnahme ist noch bis Montag, 22. Juni, 12 Uhr, möglich.

Thomas BrevesLeitung Sportredaktion

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