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Corona-Pandemie: Für jede Sportart ein Hygienekonzept

01.01.2020

Jever Spielen zwei Leute gegeneinander Tennis, sollte jeder seinen eigenen Ball mitbringen und den seines Gegners nur mit dem Schläger berühren. Nach dem Match wird üblicherweise der Platz „abgezogen“, also die Asche mit einem Besen wieder glatt und eben gekehrt. Dieser Besen, der Tag und Nacht draußen hängt, sollte nur mit Einweghandschuhen angefasst werden. In einer ersten Verordnung, die vermutlich von mehreren Landesverbänden verfasst und etliche Male umgeschrieben wurde, fanden sich solche Szenarien, wie der Tennissport sich aus dem Lockdown befreien und seine Spieler wieder auf die Plätze bringen könnte.

„Da das Virus nicht in Gänze erforscht ist, sind alle so vorsichtig wie möglich“, sagt Dr. Anja Behnke vom Gesundheitsamt Wittmund, die den MTV Jever als Corona-Beauftragte in Hygienefragen berät. „Aber die Beispiele mit dem Besen oder den unterschiedlichen Bällen ergeben natürlich gar keinen Sinn.“ Die Medizinerin, die selbst in der Tennissparte des MTV aktiv ist, hatte zunächst mit dem Verein ein Hygienekonzept für die Sommersaison entwickelt, in Anlehnung an die Vorgaben des Dachverbands.

Alle 14 Tage neue Verordnungen

„Tennis war eine der ersten Sportarten, die wieder starten durfte, und hier war es auch nicht so schwierig, die Vorgaben umzusetzen“, erklärt Behnke. Doch mittlerweile hat und braucht jede Sportart ihr eigenes Hygienekonzept, das laufend aktualisiert werden muss. „Alle 14 Tage gibt es vom Land Niedersachsen ja neue Verordnungen, da muss man dann schauen, wo man vielleicht etwas lockern kann.“ Deutschland befindet sich aktuell in der komfortablen Lage, auf einen Weg zurück zur Normalität hoffen zu können. Während des weiterbestehenden weltweiten Status der Pandemie bleibt Dr. Anja Behnke aber Ansprechpartnerin für Vereinsmitglieder des MTV Jever sowie für Behörden. „Die Mitglieder wenden sich mit Fragen aber eher an ihren Spartenleiter, den Trainer oder den Vereinsvorsitzenden. Bei mir hat sich noch niemand deswegen gemeldet“, erzählt die Ärztin. „Und zum Glück hat auch kein Vertreter einer Behörde angerufen.“ Ein solcher Anruf würde wohl erst dann nötig werden, wenn es einen Ausbruch an Infektionen mit dem Coronavirus geben würde, der mit Sportlern des MTV in Zusammenhang zu bringen ist. Auch um für einen solchen Fall belegen zu können, alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen zu haben, gibt es die Hygienekonzepte der Marienstädter.

Berechtigterweise sind die Sport-Dachverbände in ihren Vorgaben lieber zu vorsichtig als zu lässig. „Wir wissen zum Beispiel nicht, was Chlor mit dem Virus macht. Also ist man zögerlich, was Lockerungen in Schwimmbädern angeht. Allerdings gehen wohl die wenigsten freizeitmäßig Bahnenschwimmen“, gibt Behnke zu bedenken. „Dann gibt es Sportarten, die müssen gezwungenermaßen zwischen Training und Wettkampf unterscheiden. Im Sprint dürfen Leichtathleten nur jede zweite Bahn besetzen. Das ist dann eben nur im Training machbar.“

Es gibt aber auch einige kuriose und skurrile Hygiene-Richtlinien, die letztlich nichts bringen, außer vielleicht, das Gewissen zu beruhigen. „Dass in der Bundesliga die Bälle desinfiziert werden ist zum Beispiel einfach Blödsinn. Um sich durch einen solchen Ball zu infizieren müsste ihn ja der eine Spieler ablecken, nachdem der andere gerade draufgeniest hat“, macht Behnke deutlich.

Und ob es praktikabel ist, im Volleyball ohne Duelle am Netz zu spielen, ist ebenfalls fraglich. Bis zur vollständigen Normalität ist es eben noch ein weiter Weg, und manche Sportart wird weiterhin mit Einschränkungen umgehen müssen.

Alleine tanzen ist auch keine Lösung

Dr. Behnke berät neben dem MTV Jever auch den Tanzsportclub Jever. Auch wenn das Tanzen gerade in ländlichen Regionen eher als Hobby und Freizeitvergnügen denn als Wettbewerb ausgeübt wird, handelt es sich um Sport – und vor allem: Sport mit Körperkontakt. „Die Tänzer hatten es wirklich schwer“, erzählt Behnke. „Anfangs wurde gesagt, es dürfen nur Personen aus dem gleichen Haushalt miteinander tanzen.“ Gerade bei jüngeren Tanzschülern hätte das bedeutet, dass sie jetzt mit Bruder oder Schwester zur Tanzstunde hätten gehen müssen.

Mittlerweile ist Paartanz wieder erlaubt, auch mit Partnern, die nicht demselben Haushalt angehören. Doch darf jedes Tanzpaar seinen für sich vorgesehenen Bereich nicht überschreiten. Auch hier gilt: Bis zur Normalität ist es noch ein weiter Weg.

Christoph SahlerVolontär

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