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Wassersportschule Neuharlingersiel: Kite-Surfen leidet unter der Corona-Welle

25.06.2020

Neuharlingersiel Fabian Berschat kneift die Augen zusammen. „Schau dir das an, barfuß am Drachen. Der liegt doch gleich sonst wo auf dem Rasen. Die Einweisung dauert doch nur zwei Minuten, die hat man doch über“, schimpft er leise vor sich hin und schüttelt dabei missbilligend den Kopf. Eigentlich ist Berschat froh, dass es an der Kite- und Windsurfschule endlich wieder so richtig losgeht. Doch über unbedarftes Handeln kann sich „Fabbel“, wie sie ihn hier alle nur nennen, immer wieder aufregen.

Der Jeveraner hat harte Wochen und Monate hinter sich. Er betreibt zusammen mit dem Buttforder Stefan Oest die Wassersportschule am Strand von Neuharlingersiel. Noch Anfang Februar freuten sich beide riesig. Zum ersten Mal seit der Eröffnung im Jahr 2010 waren sie für die Saison restlos ausgebucht. „Wir hatten sogar Wartelisten“, sagt Berschat. Der Personalstamm für die Saison, immerhin bis zu 50 Leute für Strandbar sowie Kite- und Surfschule, stand. Die Verträge waren unterschrieben, das neue Material bestellt. Dann kam Corona und mit dem Virus begannen eine Menge Probleme für die beiden Inhaber.

Auf einmal ging nichts mehr am Nordseestrand – Sport war verboten

Auf einmal ging nichts mehr am Nordseestrand. Sport und Gastronomie waren verboten. Das gebuchte Personal kam trotzdem. „Wir haben zwei Lehrer aus Österreich. Die mussten erst einmal 14 Tage in Quarantäne, und wir haben sie natürlich versorgt“, erzählt Berschat. Das komplette Ostergeschäft fiel buchstäblich ins Wasser. Ausgaben, aber keine Einnahmen. 5000 Euro Coronahilfe gab es vom Staat. Ein Betrag, über den „Fabbel“ rückblickend nur müde lächeln kann. Mehr als 50.000 Euro Verluste brachte ihnen der Verdienstausfall bislang ein. „Seit Februar haben wir uns kein Gehalt ausgezahlt“, sagt der Jeveraner. Im Gegenteil, sowohl Berschat als auch Oest griffen ihre Ersparnisse an, um den Betrieb am Leben zu erhalten. Leben, das sich dank erster Lockerungen langsam wieder am Strand einstellte.

Doch auch hier gab es Probleme. Denn Kiter buchen zunächst ihre Kurse und schauen sich dann nach Ferienwohnungen um. „Unsere Kurse dauern zwei Tage, Ferienwohnungen gab es anfangs aber nur für mindestens sieben Tage. Als unsere Gäste das herausfanden, hagelte es wieder Absagen“, erzählt Berschat. Dennoch war die Kite- und Surfschule eine der ersten in Deutschland, die ihren Betrieb wieder aufnahm. Auch Oest und Berschat kamen dabei nicht darum herum, ein Hygienekonzept zu erarbeiten. Denn nach wie vor gilt im Sport die Zwei-Meter-Abstandsregel. Erst in der vergangenen Woche haben sie ihr Konzept überarbeitet.

Sportgerät wird im Wasser überreicht

Sie schafften sich Leashes – vier Meter lange Tauschleinen – an, sodass bei den Kitekursen das Sportgerät im Wasser übergeben werden kann. Dennoch berühren Kitelehrer und -schüler das Material an gleicher Stelle. „Deshalb stellen wir unseren Lehrern auch Desinfektionsmittel zur Verfügung“, erklärt Berschat. Noch im Wasser wird der Kampf gegen Corona aufgenommen. Die Kurse wurden zudem verkleinert. Statt mit vier, ist der Kitelehrer derzeit nur mit zwei Schülern im Wasser. „Wir haben deshalb mehr Abbrüche als sonst“, sagt Berschat. Denn den Lenkdrachen durch das Watt zum Wasser zu schleppen, ist anstrengend, wenn man sich den Weg nur zu zweit teilen kann. „Da dauern 50 Meter schon mal eine Viertelstunde“, sagt Berschat. Für einige ist das dann konditionell zu viel des Guten. Dennoch, die Kurse werden gut angenommen, obwohl sie jetzt auch teurer sind, weil sich zwei Schüler einen Lehrer teilen und nicht vier.

Aber das Konzept der beiden Inhaber ist aufgegangen. Der Entschluss, früh wieder zu öffnen und nicht abzuwarten, hat sich als Volltreffer herausgestellt. Während viele Kite- und Surfspots jetzt erst aufgebaut werden, zählten die beiden in Neuharlingersiel schon zu Himmelfahrt 100 Kiter auf dem Wasser. „So viele hatten wir hier noch nie“, sagt Berschat und liefert die Erklärung. Reisen ins Ausland sind nicht möglich. Kiter, die sich jetzt auf Ibiza, Sardinien oder Sizilien tummeln würden, reisen deshalb an die Nordseeküste. „Normalerweise ist jetzt gerade die toteste Zeit des Jahres. Aber nun sind viele Kiter eben hier. Die Leute sind heiß aufs Kiten“, sagt Berschat, der mittlerweile wieder etwas ruhiger schlafen kann. „Wenn es so bleibt wie jetzt, dann ist es für uns handlebar“, sagt er. Eine zweite Corona-Welle können die beiden Inhaber nicht gebrauchen.

Thomas BrevesLeitung Sportredaktion

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