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Fußball-neustart: Hauptsache wieder einen Ball am Fuß

19.05.2020

Ochtersum In der Fußball-Bundesliga sind am Wochenende die ersten Punktspiele nach der Coronapause angepfiffen worden. Doch nicht nur die Profis kicken wieder, auch in den unteren Klassen rollt der Ball – zumindest im Training.

Von der Bundesliga ist der SV Ochtersum weit entfernt. Die Mannschaft läuft in der Ostfrieslandklasse D auf – Liga zwölf. Trainer Rainer Gesch und seine Jungs sind froh, dass sie endlich wieder auf den Platz dürfen. „Ich war zu Hause schon unausstehlich“, gibt Gesch zu. Irgendwas hat gefehlt. Und Wiederholungen von WM-Klassikern im Fernsehen sind eben kein echter Ersatz.

Er konnte es kaum erwarten, dass es endlich wieder losgeht, auch wenn er nicht so richtig dran glaubt, das in absehbarer Zeit Punktspiele stattfinden werden. Doch beim Training in Ochtersum geht es eben nicht nur um die Vorbereitung auf die kommenden sportlichen Herausforderungen. Sich bewegen, die Mannschaftskameraden wiedersehen und den einen oder anderen dummen Spruch loswerden – all das fehlte in den vergangenen zwei Monaten.

Start schon vor der Zeit

Und Gesch ist offensichtlich nicht alleine mit seiner Meinung. Trainingsbeginn ist um 19 Uhr, doch schon 20 Minuten vorher ist der Parkplatz voll und etliche Spieler kicken sich bereits die Bälle zu. Dabei halten sich alle so gut es geht an die Regeln. Jeder kommt mit dem eigenen Auto. Die üblichen Fahrgemeinschaften wurden erst einmal aufgelöst. Alle sind bereits umgezogen, lediglich die Stollenschuhe werden noch schnell vor Ort geschnürt. Auch auf dem Feld ist Abstand angesagt. Der Trainer hat die Übungen so ausgewählt, dass es nicht zu eng zugeht. Und auch wenn der eine oder andere zunächst Probleme hat, die vorgesehenen Lauf- und Passwege umzusetzen, klappt alles nahezu reibungslos. Bei jedem Besuch im Supermarkt geht es enger zu.

Drei Stationen hat Gesch aufgebaut. Alles dreht sich um Passübungen. In kleinen Gruppen absolvieren die Kicker die Aufgaben. In einem abgesteckten Viereck soll der Ball entlang der geraden Seite zum Nebenmann gespielt werden. Der Schütze läuft anschließend diagonal durch das Feld, biegt dann ab und nimmt die Position des annehmenden Spielers ein. Soweit die Theorie. In der Ausführung hat offensichtlich nicht jeder mitbekommen, was der Trainer genau will, doch darüber sehen die Kicker gelassen hinweg. Es geht eben nicht nur um die perfekte Umsetzung und die präzise Ausführung. Alle wollen einfach mal wieder kicken. Hauptsache einen Ball am Fuß – nach diesem Motto sind die Ochtersumer mit viel Elan dabei. Es wird gelacht und gescherzt, ohne den Fokus auf die jeweilige Übung zu verlieren.

Zum Abschluss wird dann endlich auf das Tor geschossen. Ein Pass auf den Flügel, dort zieht ein Spieler zur Grundlinie und legt zurück in die Mitte, wo der Schütze – am besten aus vollem Lauf – abschließt. Zwar landet nicht jeder Schuss in den Maschen oder den Händen des Keepers, sondern im Fangzaun hinter dem Tor, doch es ist eben die Ostfrieslandklasse D und nicht die Champions League. So gibt es auch Lob, wenn der Ball knapp am Gehäuse vorbei streift. „Starkes Ding, du kannst“, Rainer Gesch stockt. Eigentlich wollte er sagen, du kannst Duschen gehen. Doch das kann sein Spieler eben nicht. Du kannst nach Hause gehen, klingt auch falsch. Also bricht Gesch seinen Satz ab. Bei aller Normalität, die das Training ihm und seinem Team vermittelt, so ganz normal ist es eben doch nicht.

Vereinsheim bleibt tabu

Nach der letzten Übung werden Bälle, Leibchen und die kleinen Hütchen, mit denen die Übungen abgesteckt waren, eingesammelt. Die Spieler gehen vom Platz und treffen sich noch kurz vorm Vereinsheim. Mit gebührendem Abstand sitzen sie auf dem Boden, oder lehnen am Zaun. Wieder wird geredet und gescherzt. Doch irgendwas fehlt. „Hast du den Schlüssel?“, fragt einer der Kicker. „Ja, aber nein“, lautet die Antwort von Trainer Gesch, der genau weiß, worauf die Frage abzielte. Das Vereinsheim bleibt geschlossen. Kein gemeinsames Bier und Pizza wird auch nicht bestellt. Ein breites Grinsen macht sich auf den Lippen des Spielers breit. Er hatte keine andere Antwort erwartet, aber versuchen kann man es ja mal.

Das Training bietet allen ein Stück sportlichen Alltag, endlich einmal wieder andere Leute treffen, kicken, lachen. Hier geht es eben um mehr, als nur um Fußball. Aber ganz wie vor der Zwangspause ist es eben noch nicht. Nach und nach verabschieden sich die Spieler des SVO und machen sich den Weg nach Hause unter die Dusche.

Und alle freuen sich schon jetzt auf die nächste Trainingseinheit, auch wenn sie aktuell nicht genau wissen, wann sie das nächste Mal in einem Punktspiel auf dem Platz stehen werden.

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