Medienhaus Brune|Mettcker
  • Anzeiger für Harlingerland
  • Jeversches Wochenblatt
  • Wilhelmshavener Zeitung
  • Shop
  • Tickets
  • Werben
  • Kontakt
 
Lokal26.de Lokalsport

SC Paderborn: Häusliche Quarantäne statt Bundesliga-Alltag

28.03.2020

Paderborn 14 Tage in häuslicher Quarantäne sind rum, seit Freitag darf Kai Pröger seine Oberwohnung in Paderborn wieder verlassen. Der aus Schortens stammende Fußballer, der für den Bundesliga-Aufsteiger bereits 23 Mal in dieser Saison auflief, ist froh, dass er wieder nach „draußen“ darf – wobei er und seine Freundin noch Glück hatten. Denn dank eines windgeschützten Balkons konnten sie einige Nachmittage während der Isolationszeit unter freiem Himmel verbringen. „So konnten wir wenigstens drei, vier Stunden draußen sein und die Sonne genießen. Das tat schon gut“, blickt der 27-Jährige zurück.

Seinen ersten Gang vor die Tür nutzte Pröger am Freitag erst einmal, um eine Runde joggen zu gehen. Sich außerhalb der Wohnung frei bewegen zu können, habe ihm in den vergangenen Tagen besonders gefehlt, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf tägliches Training mussten er und seine Teamkollegen in den eigenen vier Wänden aber nicht verzichten, nachdem am 11. März bekannt wurde, dass Prögers Mitspieler Luca Kilian vor der Partie in Düsseldorf positiv auf COVID-19 getestet worden war. Der Verein reagierte, schloss die zentralen Anlaufstellen des Clubs bis auf Weiteres, ließ Fußballer und Funktionäre testen und schickte diese anschließend vorsorglich in Quarantäne. Damit sich die Profis individuell fit halten können, stattete der Club seine Spieler kurzerhand mit Spinning-Bikes aus.

Zeit für Papierkram und Gaming-Koffer

Neben den Vorgaben des Athletiktrainers blieb aber auch Zeit für Dinge, die zu Zeiten des normalen Bundesliga-Alltages liegen geblieben waren. „Papierkram und alles, was ich vor mir hergeschoben hatte, habe ich gerade in den ersten Tagen erledigt und auf Vordermann gebracht“, berichtet Pröger. Doch auch sein Händchen für Technisches war mehr denn je gefragt. So nutzte der gelernte Konstruktionsmechaniker die freie Zeit, um seinen Gaming-Koffer für längere Fahrten zu Auswärtsspielen fertigzustellen. „Das hatte ich mir schon seit längerem vorgenommen und jetzt hoffe ich, dass dieser auch bald zum Einsatz kommt“, blickt der Blondschopf voraus.

Heiß lief die Konsole auch während der Isolationszeit. „In solch einer Zeit bleibt es nicht aus, dass man die eine oder andere Stunde mehr vor der Playstation sitzt“, gesteht Pröger, „was will man sonst auch den ganzen Tag machen, wenn man nicht raus darf“, sagt er zu seiner Verteidigung und lacht. Fast täglich stand der pfeilschnelle Rechtsaußen dagegen mit einigen Teamkollegen in Kontakt. „Heutzutage ist das mit Videotelefonie ja kein Problem“, erklärt Pröger.

Zum Ende der vergangenen Woche konnte der SC Paderborn dann aufatmen. Denn alle 45 Testergebnisse hinsichtlich des Coronavirus’ waren negativ. „Das war für uns alle eine große Erleichterung“, betont Pröger und hofft nun, dass zeitnah der Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. „Es ist schon bitter und macht mich natürlich traurig, dass ausgerechnet in dem Jahr, wo ich die Gelegenheit habe, in der Bundesliga zu spielen, so ein Virus alles auf den Kopf stellt“, ärgert sich Pröger.

Von der Regionalliga ins Fußball-Oberhaus

Vor nicht einmal 14 Monaten war Pröger vom Regionallisten Rot-Weiß Essen zum damaligen Zweitligisten nach Paderborn gewechselt, mit dem er im Mai schließlich den Aufstieg in die Bundesliga feierte. Im Oberhaus des deutschen Fußballs angekommen behauptete der 27-Jährige seinen Platz in der Elf von Trainer Steffen Baumgart und erzielte – ausgerechnet – am sechsten Spieltag in der Partie gegen Rekordmeister Bayern München seinen ersten Bundesliga-Treffer. Der Traum eines jeden Fußballers, und Pröger, der in der in der Rückrunde noch keine Spielminute verpasst hat, kann ihn bis heute noch nicht so wirklich begreifen: „Es ist ein Riesengefühl und ich genieße es jeden Tag aufs Neue.“

Während er bei der Karriere ein Spätzünder war, schlug er beim Sportclub auf Anhieb vol ein. „Kai ist einer, der braucht keine Anlaufzeit. Er funktioniert sofort“, erklärte Paderborns Manager Martin Przondziono gegenüber dem Westfalen Blatt. Voll des Lobes ist auch sein Trainer Steffen Baumgart: „Seine Spielweise ist sehr intensiv. Kai hat ein hohes Level und tut uns sehr gut. Er arbeitet in beide Richtungen, ist aber noch nicht fehlerfrei. Das ist unser Ansatz, denn auf diesem Niveau haben kleine Fehler große Auswirkungen“, wird Baumgart zitiert.

Mit Blick auf seine Zukunft sagt Kai Pröger (sein Vertrag läuft noch bis Juni 2022) selbst: „Wer einmal in der Bundesliga gespielt hat, will da bleiben.“ Am liebsten mit dem SC Paderborn. Daran glaubt der Spieler mit der Nummer neun fest und ist trotz des letzten Tabellenplatzes nach 25 von 34 Spieltagen vom Klassenerhalt überzeugt: „Die Moral und der Teamgeist sind unser Plus.“

Manche Leidenschaften zum Fußball beginnen
mit einem geschenkten
Lederball, einer Fernsehübertragung oder einer
Bolzplatzerfahrung. Bei
Kai Pröger, Fußballer
des Bundesligisten SC
Paderborn, begann sie mit einem „Ö“. Und das hat mit einem Fußballer zu tun, der
Wolfsburgs erster Bundesliga-Star war. Pröger, Präger – Kai, Roy: Man kommt
eigentlich leicht drauf. „Mein Vater“, erzählt Kai Pröger, „hatte einen Textildruck-
Betrieb. Und er hat auf einem Deutschland-Trikot mit dem Namen ,Präger’
hinten drauf einfach für
mich das ,Ä’ durch ein ,Ö’
ersetzt. Mit dem Ding bin
ich dann immer durch die Gegend gerannt. Dieses
Trikot und der Name ,Roy Präger’, der ja wirklich so ähnlich klingt wie meiner, waren meine allerersten
Berührungspunkte mit dem Fußball.“ Etwa 20 Jahre
ist das her. Dass sein Name so klingt wie der von Roy
Präger, holte ihn in den
Jahren immer mal wieder ein. In Mainz etwa, wo ein paar Mitspieler anfingen,
ihn „Roy“ zu nennen. Oder wenn sich ein TV-Reporter mal versprach. „Und als ich in Paderborn war“, erzählt Pröger, „und Steffen
Baumgart beim ersten Testspiel bei der Aufstellung den Magneten – mit meinem Bild drauf – an die Taktiktafel drückte, sagte er die ganze Zeit ,Roy’ statt ,Kai’.
Hinterher hat er darüber
gelacht, als er merkte, der Roy heißt ja eigentlich Kai. Aber er ist dabei geblieben.“

Jens SchipperSportredaktion

Weitere Nachrichten:

SC Paderborn | FC Bayern München | BVB | Coronavirus

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.