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Christoph Sahler im Selbstversuch: Meine ersten 90 Minuten Straßenboßeln

01.01.2020

Pfalzdorf Wenn mich Ende 2018 jemand gefragt hätte, ob ich einen Überblick über die Sportarten habe, die in Deutschland betrieben werden, hätte ich das wohl bejaht. Jetzt bin ich seit mehr als einem Jahr als Volontär in der Sportredaktion und erzähle meinen Verwandten und Freunden vom Boßeln im Norden und ernte erstaunte Blicke. Zur Themenwoche und nach 15 Monaten in Friesland wurde es mal Zeit für mich, selbst die Boßelkugel in die Hand zu nehmen.

In meiner südhessischen Heimat, wenige Kilometer von der Landesgrenze zu Bayern entfernt, ist es schwer vorstellbar, ein Wurfgerät über eine lange Strecke flach geradeaus werfen zu können. Die meisten Straßen verlaufen stets bergauf und wieder bergab.

Bislang nur als Fotograf an der Boßelstrecke

Im Jeverland und in Ostfriesland habe ich nun schon an einigen Wochenenden die Männer und Frauen der hiesigen Boßelligen fotografiert und wusste – immerhin – schon einmal, worauf es gleich hinauslaufen sollte, als ich Anfang dieser Woche in Pfalzdorf die Grundlagen des Straßenboßelns ausprobierte. Daniel Jurisch von den Pfalzdorfer Männern I erklärte mir also, worauf er achtet – oder besser gesagt, worauf man als Boßler achten kann. Je nachdem, was einem besser liegt, könne man seinen Wurfstil ja anpassen.

Ich fing also erst einmal damit an, womit in Ostfriesland wohl jedes Kind irgendwann einmal in Berührung kommt: Die Holz- und Gummikugel überhaupt in der Hand zu haben und ihre Beschaffenheit kennenzulernen. Jurisch erklärte mir wie die Straße, auf der ich gleich werfen werde, aus Sicht der Boßler beschaffen ist. Zunächst versuchte ich aus dem Stand die Kugel so auf die Straße zu werfen, dass sie nicht sofort im Straßengraben landet. Da ich ich in der Jugend selbst fast nur Fußball gespielt habe, war ich nie besonders gut im Werfen und erwartete von mir nun auch erstmal nicht viel.

Bei den ersten zwei Versuchen war die Holzkugel auch nicht lange unterwegs, doch dann schaffte ich es, auf den anvisierten Punkt zu werfen und wenigstens einige Meter rollen zu lassen. Ich versuchte von der linken und der rechten Seite der Straße zu werfen, die Kugel über die Finger und über den Daumen rollen zu lassen und merkte schnell schon beim Loslassen, ob der Wurf gleich was wird oder sofort im Graben landet. Außerdem kam ich mit Gummi besser klar als mit Holz.

Erstmal nur auf eine Sache konzentrieren

Als nächstes waren Anlauf und Absprung an der Reihe und eigentlich hatte ich vor, es nach einigen Versuchen in etwa so aussehen zu lassen, wie auf den Fotos, die ich schon gemacht hatte. Ich konzentrierte mich also auf meinen Anlauf, versuchte im richtigen Moment den Absprung zu schaffen – und hatte das Wurfgerät überhaupt nicht mehr unter Kontrolle.

Mir war schon klar, dass Boßeln sicher schwieriger ist, als es aussieht. Dass man nicht mal eben so auf die Straße geht und drauf los wirft – doch jetzt hatte ich schnell ein Gefühl dafür bekommen, worauf die Werfer achten müssen.

„Und, hat es geklappt?“, bin ich von meinen Kollegen, Eltern und Freunden gefragt worden, als ich von meinem Selbstversuch erzählte. Diese Frage kann ich nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Ich weiß jetzt, wie viele Bewegungsabläufe für einen gelungenen Wurf sitzen müssen und dass es gar nicht so einfach ist, sich am Anfang gleich auf alles zu konzentrieren. Für den einen Wurf, der in Ausführung und Länge einigermaßen gelingt, wird es reichen, aber um jede Kugel auf der Straße zu halten, brauche ich noch jede Menge Übungseinheiten.

Christoph SahlerVolontär

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