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Lokal26.de Lokalsport

Serie „Ein Sportler, zwei Talente“: Mit dem Flüchterbrett in die Domstadt

06.04.2020

Pfalzdorf /Flensburg Wenn Frank Goldenstein umzieht, darf eins nie fehlen: sein Flüchterbrett. Der aus Bensersiel stammende Sportler, der 2008 Europameister im Klootschießen in Irland wurde, arbeitet in der Lokalredaktion des NDR und lebt inzwischen in Flensburg. Vielen ist er bekannt aufgrund seiner herausragenden Leistungen beim Flüchten, doch der 34-Jährige hat noch eine andere Leidenschaft: Beim Handballverein Stjernen Flensborg spielt er in der Kreisoberligamannschaft.

Seine Begeisterung für Wurfsportarten wurde ihm quasi von seinen Eltern in die Wiege gelegt. „Meine Eltern haben immer geboßelt und das auch ganz erfolgreich. Da war es klar, dass mein Bruder und ich damit auch anfingen“, erinnert sich Goldenstein. Im Alter von vier Jahren meldete sein Vater ihn und seinen Bruder schließlich im KBV Blomberg an. Von da an bestimmte Boßeln seine Freizeit. Klootschießen machte er nur ab und zu. „Ich war zunächst gar nicht so gut im Flüchten. Mein Vater konnte uns auch nie richtig zeigen, wie das geht, weil er es selbst nur ab und an mal machte“, erklärt Goldenstein.

Von der Straße aufs Brett

Mit 14 nahm ihn schließlich ein Vereinskollege an die Hand und zeigte ihm die Techniken beim Klootschießen. Ab da gewann das Werfen vom Brett an immer größerer Bedeutung für den Ostfriesen. „Im Jahr 2000 war ich bei meiner ersten Europameisterschaft im Klootschießen dabei. Danach habe ich nicht eine Europameisterschaft mehr verpasst. Ich hab sogar noch Stefan Albarus werfen sehen“, erinnert er sich stolz. Dass er acht Jahre später selbst einmal den Titel holen würde, hatte er zu dem Zeitpunkt für nicht möglich gehalten. „Mit 15 habe ich noch nicht so weit werfen können. Da lag ich bei 40 oder 50 Metern.“ Doch dann bekam Goldenstein eine einmalige Chance. Bei einem Wettkampf sah ihm der mehrfache Europameister im Klootschießen, Hans-Georg Bohlken, zu. Die beiden kamen ins Gespräch und der damals 15-Jährige erzählte ihm von seinen Wurfproblemen. Daraufhin lud Bohlken Goldenstein ein, eine Woche mit ihm auf seiner eigenen Anlage zu trainieren. „Rückblickend war das eine sehr große Ehre für mich und hat mir geholfen meine Technik zu verbessern“, blickt der NDR-Redakteur zurück.

Die erste EM-Teilnahme

Das Training half und bald fing er an 75 bis 80 Meter weit zu werfen. 2004 gelang Goldenstein dann ganz knapp der Sprung in den Kader für die EM in Westerstede. „Das war schon ein Wahnsinnsgefühl. In diesem Jahr gewann ich mit der Mannschaft meine erste EM-Medaille für den Friesischen Klootschießerverband.“

Als Goldenstein 20 wurde verließ er schließlich Ostfriesland und zog mit seinem Flüchterbrett für ein Studium an der Deutschen Sporthochschule nach Köln. „Das Brett durfte nicht fehlen, sonst hätte ich mich nicht auf meine Wettkämpfe vorbereiten können. Wenn ich das Brett im Park aufgestellt und Trockenwürfe gemacht habe, haben mich die Menschen oft schon doof angeguckt“, erinnert sich Goldenstein und lacht. Doch das hielt den Ostfriesen nicht auf, ebenso wenig wie die räumliche Distanz zu seiner Heimat. Zu großen Wettkämpfen oder Qualifikationswerfen fuhr er immer wieder in den Norden.

2008 wurde dann schließlich das Jahr von Goldenstein. Nachdem er bereits in der EM-Qualifikation Viertbester im Einzel wurde, warf er besser als Bohlken und alle anderen Werfen und sicherte sich mit 23 Jahren den Europameistertitel im Klootschießen. „Das war schon wahnsinnig toll“, erinnert er sich. Vier Jahre später gelang ihm zwar nicht die Titelverteidigung, aber er belegte einen starken zweiten Platz. 2013 wechselte er dann vom Blomberger Verein zum KBV „Gute Hoffnung“ nach Pfalzdorf, einem der erfolgreichsten Friesensportvereine in Ostfriesland. Doch abseits der Wettkämpfe und Qualifikationen gab es in Köln viel Zeit, die gefüllt werden wollte.

Ein neues Hobby

Während seiner Studiums lernte Goldenstein seine Frau kennen, die ihm eine neue Tür öffnete. „Meine Frau ist gebürtige Kielerin und brachte mich damals zum Handball. Zunächst spielte ich in einem Unikurs“, erinnert sich Goldenstein. Doch schnell machte ihm die Ballsportart in der Mannschaft großen Spaß und nahm immer mehr Platz in seinem Leben ein. Nach dem abgeschlossenen Studium und einem Volontariat in Köln zog es den Ostfriesen und seine Frau nach Flensburg. Dort trat er eine Stelle beim NDR an. Obwohl das Flüchten in Schleswig-Holstein schon deutlich bekannter als in NRW gewesen ist, blieb der Ostfriese dem Friesischen Klootschießerverband treu und fuhr zu Qualifikationen oder Feldkämpfen weiter in die Heimat. „Ich kenne es gar nicht mehr anders“, sagt er. Doch auch der Handball sollte nicht zu kurz kommen. Um sich auch in Flensburg abseits des Bretts fit zu halten, trat er in dem deutsch- dänischen Handballverein Stjernen Flensborg ein und wurde dort Teil der ersten Herrenmannschaft. Mit dieser spielt er in der Kreisoberliga. „Die Mannschaft der SG Flensburg-Handewitt ist ja amtierender Deutscher Meister. Ab und zu spielen wir gegen die dritte Mannschaft des Vereins“, erklärt Goldenstein stolz.

Das Zeitproblem

Im vergangenen Jahr erhielt die Familie Goldenstein schließlich Nachwuchs, ein Junge kam auf die Welt. Zwei Sportarten, ein zeitintensiver Job beim Fernsehen und Familie kosten Zeit und erfordern Abstriche. „Wenn ich zu Wettkämpfen in die Heimat fahre, muss ich das immer genau planen, denn ich kann die Familie nicht so lange alleine lassen“, erklärt der Flüchter, der mitten in den Vorbereitungen für die Europameisterschaft im Friesensport in Schleswig-Holstein steckte, bevor diese aufgrund der Coronakrise verschoben wurde. Im vergangenen November und Dezember war er für Qualifikationswerfen zuletzt in seine Heimat gereist. Seitdem hatte er sich intensiv zuhause vorbereitet. Die Europameisterschaft in Schleswig-Holstein wäre die letzte gewesen, die ihm noch gefehlt hätte. Es wäre ein Heimspiel für ihn geworden. Für die Verschiebung hat der Ostfriese jedoch vollstes Verständnis: „Ich kann die Entscheidung absolut nachvollziehen. Jetzt sind andere Dinge wichtiger.“

Die Vorbereitungen auf eine Europameisterschaft sind sehr zeitintensiv. An den Wochenenden, wo Goldenstein eigentlich auch Handballspiele mit Stjernen Flensborg anstehen, sind oft Auswahlwerfen. „Für die EM im nächsten Jahr spiele ich mit dem Gedanken, mit dem Handball etwas kürzer zu treten. Ich kann einfach nicht alles machen“, erklärt er. Goldenstein will das Heimspiel für sich nutzen und noch einmal einen der beliebten Podestplätze bei der EM ergattern. „Danach ist der Handball dann wieder dran“, sagt er.

Annika SchmidtVolontärin

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