Medienhaus Brune|Mettcker
  • Anzeiger für Harlingerland
  • Jeversches Wochenblatt
  • Wilhelmshavener Zeitung
  • Shop
  • Tickets
  • Werben
  • Kontakt
 
Lokal26.de Lokalsport

Interview: Frido Walter über die Situation der Boßler in Corona-Zeiten

30.03.2020

Pfalzdorf Der BV „Gute Hoffnung“ Pfalzdorf ist der erfolgreichste Boßelverein in Ostfriesland. Die Vorbereitungen für die 22. Landesmeisterfeier der Männer I und dem 13. Titelgewinn der Männer II liefen bereits auf Hochtouren. Dann aber kam das Coronavirus und beendete auch in Ostfriesland alle sportlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten. Unsere Zeitung sprach mit dem Pfalzdorfer Frido Walter über Enttäuschung, Frust und Hoffnung in Zeiten der Krise.
Frido, am Sonntag vor einer Woche wäre es in Pfalzdorf wahrscheinlich hoch hergegangen. Aller Voraussicht nach hättet ihr in Pfalzdorf eine Doppelmeisterschaft feiern können, doch die Saison wurde unterbrochen. Wie groß ist die Enttäuschung darüber?

Walter: Nun ja, anfangs war sie natürlich groß. Die unvorhersehbare Machtlosigkeit lässt einen erstarren. Man ackert die ganze Saison und freut sich einfach darauf, gemeinsam mit allen Mannschaften, Käklern und Mäklern gebührend den Saisonabschluss und den Titel zu feiern. Doch mittlerweile ist die Sicht auf die Dinge natürlich eine andere.


Das heißt, auf die Enttäuschung und die damit einhergehende Machtlosigkeit folgte die Einsicht?

Walter: Selbstverständlich ja. Das Aussetzen des Spielbetriebes ist aus heutiger Sicht alternativlos. Nicht nur aus Solidaritätsgründen anderen Sportarten gegenüber war es richtig, die Reißleine zu ziehen, sondern vor allem auch als Präventionsmaßnahme, um die Ausbreitung der Lungenkrankheit mit allen Mitteln zu verlangsamen. Man stelle sich nur mal vor, auf der Meisterfeier hätte sich ein mit dem Virus infizierter Friesensportler aufgehalten und rund 300 Leute wären in Quarantäne geschickt worden. Undenkbar.


Der FKV hat den Wettkampfkalender zunächst bis nach Ostern ausgesetzt und will dann entscheiden, ob und wie es weitergehen kann. Was denkst Du, wie es weitergeht?

Walter: Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob und wann wir unseren Friesensport wieder ausüben können. Der Landessportbund hat ja auch mitgeteilt, dass erst nach Ablauf der Osterferien eine Neubewertung der Situation vorgenommen werden kann. Natürlich wünsche ich mir, wie wohl alle Boßler, dass wir die Saison ordentlich zu Ende bringen. Aber das ist in Anbetracht der Tatsache, dass wir immer noch am Anfang der Epidemie stehen, völlig nebensächlich. Jetzt schlägt die Stunde der Fachleute, auf dessen Rat und Empfehlungen wir alle unbedingt hören sollten. Erst wenn die Kontaktsperre Wirkung zeigt, sich die Zahlen stabilisieren, dürfen wir uns vielleicht wieder Hoffnungen machen, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.


Könntest Du dir dennoch ein Szenario vorstellen, wie es weitergehen könnte?

Walter: Ich denke, Stand heute sollten wir uns gedanklich davon verabschieden, über Einzelmeisterschaften auf Kreis-, Landes-, und Verbandsebene nachzudenken. Priorität sollte sein, den Punktspielbetrieb der Mannschaften – wenn möglich – sauber und sportlich zu Ende zu bringen. Sollte sich die Situation bis in den Sommer hinein entspannen, was zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation ist, wären sicherlich genügend Termine verfügbar, um den Spielbetrieb zu beenden und die Aufstiegskämpfe durchzuführen. Auf die FKV-Mannschaftsmeisterschaft könnte meiner Meinung nach verzichtet werden und für das Finale des Ostfrieslandpokals dürfte sich dann sicherlich auch noch ein Termin finden lassen. Wichtig ist jedoch, wenn auf der Straße wieder geboßelt werden darf, dass die Verantwortlichen im Vorfeld ein fertiges und schlüssiges Konzept stehen haben.


Du bist Boßler mit Herz und Seele, wie hältst Du Dich in diesen Tagen fit?

Walter: Nun ja, mit der Mannschaft auf die Straße zu gehen, um zu trainieren, ist ja aktuell aufgrund der Ausgangsbeschränkungen nicht möglich. Zu zweit oder alleine ein paar Würfe zu absolvieren dagegen schon. Das muss aber jeder für sich selber entscheiden. Sich gar nicht mehr zu bewegen, wenn es um die eigene Fitness geht, ist sicherlich für viele von uns problematisch, denn alle sportlich öffentliche Einrichtungen sind ja geschlossen. Ich kann jedem Friesensportler nur empfehlen, mit gutem Beispiel voranzugehen und sich aktuell nur in der Öffentlichkeit zu bewegen, wenn es absolut notwendig ist.

In der Landesliga der
Männer I führt Pfalzdorf
die Tabelle mit vier
Minuspunkten an. Es folgen Schirumer Leegmor mit
sieben und Dietrichsfeld
mit 13. Da die Auricher auch im Schoetverhältnis klar die Nase vorn haben, ist ihnen die Meisterschaft zwei Spieltage vor Saisonende kaum noch zunehmen. Das Männer-II-Team von „Gute Hoffnung“ ist in der Landesliga ebenfalls Erster. Dank des Vorsprungs von zwei Punkten und der deutlich besseren Wurfbilanz gegenüber dem ärgsten
Verfolger Utarp-Schweindorf sprich auch hier vieles
für den Titelgewinn der Pfalzdorfer Boßler.

Holger WilkenFreier Mitarbeiter

Weitere Nachrichten:

FKV | Landessportbund | Landesliga | Coronavirus | Ostern

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.