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Corona-Krise: Wettkampfabsagen treffen Bodybuilder hart

23.03.2020

Sande Als Laura Förster am Arbeitsplatz die Nachricht von der Absage der Norddeutschen Meisterschaft erhält, gönnt sie sich erst einmal einen Schokokeks mit ihren Kollegen. Es ist der ultimative Verstoß gegen den strengen Diätplan. Was so banal klingt, bedeutet für die 32 Jahre junge Bodybuilderin das jähe Ende der langen Vorbereitungszeit. Der Nationale Bodybuilding Verband (NAC) hat lange gezögert, am Ende aber doch alle Wettbewerbe bis Ende April abgesagt. Für viele Athleten ist das eine mittelschwere Katastrophe, denn sie hatten sich akribisch auf den ersten Höhepunkt des Jahres vorbereitet, trainiert und einen strikten Diätplan eingehalten, um das Körperfett bis zum Posing auf der Bühne auf ein Minimum zu reduzieren. Laura Förster wollte mit ihren Teamkollegen Magdalena Mlodzinski und Nico Störmer in Cuxhaven das Ticket zur Deutschen Meisterschaft lösen. Jetzt ärgert Laura Förster vor allem eines: Das Geld für den kostspieligen, aufwendig gearbeiteten Wettkampf-Bikini gibt es natürlich nicht zurück.

Ihre Vorbereitung begann 2019. Am Ende des Jahres, nachdem ein Physiotherapeut endlich das Problem mit ihrer schmerzenden Schulter behoben hatte, überlegte sie mit Trainer Timo Wilken, ob ein Start im Frühjahr sinnvoll und machbar sei. „Dann habe ich angefangen Muskulatur aufzubauen. Das geht bei mir immer gut“, erzählt die Sportlerin. Schwieriger ist es für sie schon immer gewesen, Fett abzubauen. Im Februar begann die Diät. „Aber das war noch nicht so einschneidend, ich musste noch nicht hungern. Ich brauche im Alltag ja auch nicht viel. Ich habe sogar am Anfang mehr gegessen als vorher“, erklärt sie. Corona war da schon längst auf dem Weg Richtung Europa. „Ich war weniger geschockt als meine Teamkollegen“, sagt Laura Förster über den Moment, als das NAC letztlich die Notbremse zog. „Mein Leben geht weiter, es hat mich nicht aus der Bahn geworfen.“ Sie richtet ihren Blick mittlerweile auf die Herbstsaison. „Ich mache das für mich, um mir zu zeigen, dass ich die Disziplin wahren kann.“

Den kostspieligen Wettkampf-Bikini wird sie später in diesem Jahr tragen. Bis sie wieder ins Fitnessstudio zum Trainieren gehen kann, improvisiert die 32-Jährige zu Hause. „Ich habe mein Cardio-Gerät und mir noch eine Hantelscheibe und eine Kattle-Bell aus dem Studio mitgenommen. Das muss erstmal reichen. Ich habe ja kein eigenes Gym zu Hause, wie einige andere Athleten“, sagt Laura Förster.

Das hat auch Magdalena Mlodzinski nicht. Aber die Fitnesstrainerin, die für das Pro-Fitness-Team aus Sande an den Start gehen wollte, hat derzeit ganz andere Probleme zu bewältigen. „Alles wichtige in meinem Leben wurde mir weggenommen“, sagt sie mit Blick auf ihr Berufsleben und ihren Sport. Das Fitnessstudio ist ihre zweite Heimat. Mit einem Schlag hat sie diese verloren. Wo für Laura Förster nach der Hiobsbotschaft des ausfallenden Wettbewerbs ein Schokokeks reichte, „habe ich am Montag meinen Diätplan über Bord geworfen. Ich bin in ein Loch gefallen“, gibt sie zu. Denn in der Vorbereitung auf die norddeutsche Meisterschaft lief es für sie richtig gut. „Die Werte stimmten, es wäre gut geworden“, erklärt sie enttäuscht.

Während das Coronavirus immer mehr Athleten in der Vorbereitung dazu brachte, diese abzubrechen, zog Magdalena Mlodzinski zunächst konsequent durch und landete damit hart auf dem Boden der Tatsachen. Drei Tage brauchte sie, um sich nach der Absage des Wettbewerbs zu fangen. „Ich habe dann beschlossen, zumindest den Essensplan wieder fortzusetzen. „Jetzt ist das Gefühl nicht mehr ganz so schlimm“, sagt die Bodybuilderin. Auch sie hat genau wie Laura Förster ein paar Trainingsgeräte zu Hause im heimischen Oberhammelwarden (Wesermarsch). Dazu gibt sie jetzt im Auftrag ihres Arbeitgebers Online-Kurse. „Es ist komisch, alleine vor der Kamera zu stehen, aber es hilft“, sagt sie. Denn ein Ziel hat sie sich auch gesetzt. Am Tag der ursprünglich geplanten Norddeutschen Meisterschaft möchte sie bei einem Fotoshooting ihre Wettkampfform festhalten, auch wenn sie nicht ganz an das heranreichen wird, was sie sich vorgenommen hat und an das, was möglich gewesen wäre.

Und dann gibt es natürlich noch die Meisterschaft in der Herbstsaison. „Aber da werden sehr viele Athleten auflaufen“, sagt Magdalena Mlodzinski. „Alle wollen dann dahin“, ist sie sich sicher. Bis dahin hat sie sich vor allem eines vorgenommen: „Gesund bleiben“, sagt sie.

Thomas BrevesLeitung Sportredaktion

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