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Petanque-Spieler aus Sande: „Einfaches Spiel mit schwieriger Taktik“

03.06.2020

Sande Eigentlich wäre für Nils Schön in diesen Tagen ein Traum in Erfüllung gegangen. Der 27-Jährige aus Sanderahm hätte für den Bouleverein Ibbenbüren, Tabellensiebter 2019, in der 1. Petanque-Bundesliga an den Start gehen müssen. Die ursprünglich bis Ende August laufende Saison wurde aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Zwölf Bundesligisten können ihre Kugeln wieder einpacken – und Nils Schön sein Debüt in der höchsten Liga auf Eis legen.

„Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben“, ist sich der Petanque-Spieler sicher. Nils Schön: „An der Mannschaftszusammensetzung in Ibbenbüren wird sich bis 2021 nichts ändern. Das ist mir so auch schon gesagt worden. Und die Absage der Saison kam letztlich auch nicht überraschend, weil frühzeitig alle Turniere abgesagt worden waren. Deshalb war mir schnell klar: Das wird nichts.“

Dass die Chance auf den Sprung in die 1. Bundesliga besteht, hatte der 27-Jährige, der zuvor seit 2016 für Niedersachsenligist Jever Petanque-Club an den Start ging, irgendwie läuten gehört. „Mir wurde frühzeitig gesagt, dass ich beobachtet werde. Aber ich habe davon nichts mitbekommen. Wenn ich auf dem Platz stehe, bin ich wie im Tunnel.“

Und im Tunnel ist Nils Schön ziemlich häufig. Denn weil der Liga-Betrieb nur wenige Spieltage umfasst, nimmt der 27-Jährige fast jedes niedersächsische Turnier mit, was irgendwie in den Zeitplan passt. „Weil alle Turniere wegen des großen Zeitaufwands früh beginnen, klingelt da schon mal um 4.30 Uhr der Wecker. Oder es geht wie in der Bundesliga bereits am Freitagnachmittag los, weil Touren nach Berlin, Saarbrücken oder München gar nicht an einem Tag zu bewerkstelligen sind.“

Die Zusammensetzungen der Zweier- oder Dreierteams bei Turnieren unterliegen keinen Vorgaben. Die Spieler müssen nicht aus einem Verein kommen. Nils Schön: „Man fragt halt so herum, wer Lust hat zu spielen. Dabei steht nicht zwingend der Erfolg im Vordergrund. Ich spiele Petanque ja auch, weil es so viel Spaß macht. Aber natürlich will man immer sportlich so gut wie möglich abschneiden.“

Immer wieder hat das geklappt, obwohl der Grat zwischen Gewinnen und Verlieren ein sehr schmaler ist. Schön: „Ein Spiel endet bei 13 Punkten, aber ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, nie eine Partie verloren zu geben – auch bei einem 0:12-Rückstand nicht. Das Wichtigste ist, nie die Ruhe zu verlieren – egal ob du führst oder hinten liegst. Denn sonst kann es ganz schnell gehen.“

Mit den Petanque-Fähigkeiten des Sanderahmers ging es auf jeden Fall schnell aufwärts. Nachdem früh klar war, das sportliche Alternativen nicht existieren („Ich habe ein halbes Jahr Fußball gespielt. Das war überhaupt nicht meins“) und ein paar ältere Spieler den in der Nähe eines Platzes herumlungernden Neuling zum Mitmachen aufforderten, fand der in Astederfeld aufgewachsene Schön in Zetel eine erste sportliche Heimat. „Jochen Frank, ein sehr guter Spieler aus Nordrhein-Westfalen, hat mich später an die Hand genommen und hat erkannt, dass ich Lust und wohl auch Talent besitze.“

Und aus dem Hobby wurde irgendwann ein bisschen mehr, so dass der „Leger“ schließlich von Jade Boule Varel nach Jever wechselte und dort 2017 beim großen Turnier in der Friesland-Halle in der A-Klasse zusammen mit Manuel Möller den zweiten Platz belegte.

An dieser Stelle ist aber ein Schritt zurück notwendig. Der Leger? Beim Petanque sind das diejenigen, die ihre Metall-Kugeln möglichst nahe an der hölzernen Zielkugel – die „Sau“ muss sechs bis zehn Meter vom Abwurfort entfernt zur Ruhe kommen – platzieren. Wenn die der eigenen Mannschaft das auch am Ende eines Durchgangs sind, gibt es dafür Punkte. „Feind“ des Legers ist der „Schießer“, dem keine Kugel zu weit weg ist, um sie nicht mit einem punktgenauen Wurf wegzukatapultieren.

Nils Schön ist also ein Leger, als solcher wurde er auf jeden Fall vom Bundesligisten aus Ibbenbüren „eingekauft“. Doch die Unterscheidung ist für den 27-Jährigen nicht so zwingend. „Je höher man spielt, desto wichtiger ist es, beides zu beherrschen. Denn wenn dein Spezialist im Team keine Kugeln mehr hat, musst du auch in der Lage sein, eine Kugel aus zehn Metern wegzuhauen. Ansonsten ist der Leger aber auf jeden Fall derjenige, der sich den Untergrund, auf dem gespielt wird, am genauesten anschauen sollte.“

Gespielt wird beim Petanque – Boule ist die Bezeichnung für den Hobbybereich – einzeln im Tête-á-tête, zu zweit im Doublette oder zu dritt im Triplette. Nils Schön nimmt alle diese Möglichkeiten mit – und jegliches Unverständnis in Kauf. „Im Twister brauche ich am Samstagabend mit solchen Geschichten nicht zu kommen. Für viele in meinem Alter ist das ein Rentnersport. Aber ich muss das auch nicht mehr ansprechen, denn mir ist klar: Wenn ich meine Leistung abrufen will, kann ich vorher nicht die Nacht zum Tag machen.“

Um sich weiter zu verbessern und nicht noch regelmäßiger zum Platz am Pumpwerk zu fahren, wo der Petanque Club Wilhelmshaven ein regelmäßiger Gastgeber für Nils Schön ist, baut sich der 27-Jährige gerade zuhause neben der Garage einen eigenen Platz. Um sich so in einem „einfachen Spiel mit schwieriger Taktik“ (Schön) weiter zu verbessern. Die nächste Bundesliga-Saison kommt schließlich bestimmt.

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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