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Klettern am Sander Bunker: Am „Monte Pinnow“ geht es hoch hinaus

29.05.2020

Sande /Wilhelmshaven Vertrauen ist das A und O beim Klettern – nicht nur in die eigene Ausrüstung, sondern vor allem auch in den Partner, der für die Sicherung zuständig ist. In dieser Hinsicht vertrauen sich Vera Sommer, Till Kramkowski (beide 18 Jahre alt) und Hauke Memmen (17) mittlerweile blind.

Die drei jungen Kletterer sind Mitglied im Deutschen Alpenverein (DAV), gehören dort der „Sektion Wilhelmshaven“ an und leben ihr exotisches Hobby fast täglich am „Monte Pinnow“ – dem alten Weltkriegsbunker am Sander Bahnhof – aus. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht hierher zum Klettern kommen“, sagt Vera Sommer. „Höchstens mal im Winter, wenn es richtig kalt ist. Dann macht auch uns das Klettern keinen Spaß mehr.“

Als Achtjährige fand die Cäci-Schülerin über eine Ferienpass-Aktion den Weg zum DAV und ist seitdem Feuer und Flamme fürs Klettern. Ihre kongenialen Partner Till Kramkowski und Hauke Memmen hat sie (natürlich) am „Monte Pinnow“ kennengelernt. Dort trifft sich das Trio quasi täglich – nicht selten dauert eine Kletter-Session drei Stunden oder noch länger.

Die meisten Routen kennt das Trio „blind“

„So lange hängen wir natürlich nicht alle am Fels“, sagt Kramkowski. „Es kann ja immer nur einer klettern, während der andere sichert. Trotzdem sind wir oft bis in die Abendstunden hier, der Small Talk soll ja auch nicht zu kurz kommen. Die meisten Routen kennen wir inzwischen blind und könnten sie mit verbundenen Augen klettern. Zumindest in der Theorie.“

Bei aller Routine: Überheblichkeit und Unachtsamkeit sind die größten Feinde eines jeden Kletterers. „Man ist zwar nicht mehr so richtig aufgeregt, wenn es losgeht – aber die Anspannung ist immer da“, sagt Memmen. Und Kramkowski ergänzt: „Wenn man sich an die Regeln hält, ist dieser Sport nicht verletzungsträchtiger als Fußball. Wenn nicht, setzt man aber schnell mal sein Leben aufs Spiel.“

Was braucht ein guter Kletterer? Sommer: „Die richtige Ausrüstung, eine fundierte Anleitung und natürlich auch eine Portion Mut.“ Höhenangst ist genauso kontraproduktiv wie zu viel Körpermasse. „Gewicht ist eher hinderlich“, sagt Kramkowski mit einem Augenzwinkern. „Viel hängt von der Griffkraft ab, die man auch zu Hause gut trainieren kann. Füße und Waden werden ebenfalls stark belastet, wenn man länger in der Wand steht. Unter dem Strich werden beim Klettern alle Muskelgruppen gefordert. Ab einem bestimmten Schwierigkeitsgrad kann das schon mal anstrengend werden.“

Neigung des Bunkers macht manche Routen besonders anspruchsvoll

Die Routen werden auf einer Skala von 2 bis 12 bewertet – am „Monte Pinnow“ reichen sie von 2 bis 9. Der Erfinder (und Erbauer) einer Route hat auch das Privileg der Erstbesteigung, bevor sich andere versuchen dürfen. „Wir haben schon fast alle Routen geschafft“, sagt Kramkowski nicht ohne Stolz. „Einige haben es in sich, weil der Bunker zu einer Seite geneigt ist.“

Zusammen mit Memmen und Sommer kümmert sich der Jadestädter auch um die Kindergruppe des DAV, die inzwischen ausgebucht ist. Neben der Übungsleiter-Lizenz verfügt das Trio über notwendige Vorstiegs- und „Top-Rope“ Scheine. „Beim Vorstieg werden Karabiner in den Ösen befestigt, um die Route mit einem Seil zu markieren“, erklärt Memmen. „Danach bleibt das Seil an der obersten Öse hängen und alle weiteren Kletterer werden beim Aufstieg von oben gesichert. Das ist die Top-Rope-Variante.“

Da die Klettermöglichkeiten im Norden beschränkt sind, plant das Trio seine berufliche Zukunft eher im Süden Deutschlands – oder noch weiter südlich. „Mein Plan ist es, 2021 eine Ausbildung in Österreich zu beginnen“, sagt Kramkowski, der sein Abi bereits in der Tasche hat. In die gleiche Richtung könnte es auch Sommer und Memmen verschlagen, sobald das Abitur unter Dach und Fach ist. „Ich will da hin, wo Berge sind“, sagt Sommer. „Alles andere ist mir fast egal.“

Carsten ConradsSportredaktion

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