Medienhaus Brune|Mettcker
  • Anzeiger für Harlingerland
  • Jeversches Wochenblatt
  • Wilhelmshavener Zeitung
  • Shop
  • Tickets
  • Werben
  • Kontakt
 
Lokal26.de Lokalsport

Basketballerin Kira John: „Bin stolz auf jeden Zentimeter“

17.06.2020

Wilhelmshaven Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an. „Ich habe lange nach einer Sportart gesucht, die mir wirklich Spaß macht. sagt Kira John. „In Hohenkirchen ist das sportliche Angebot ja doch recht übersichtlich. Zum Glück haben mich meine Freundinnen einfach mal mitgenommen zum Basketballspielen. Das waren anfangs nur so lockere Treffen just for fun. Seit 2017 trainiere und spiele ich regelmäßig im Verein.“

Zunächst bei den Jade Baskets des WSSV – seit Januar 2019 gehört John den neugegründeten Jade Giants an. Hier absolvierte die 25-Jährige die Premieren-Saison in der Bezirksliga, die nach Corona-Abbruch auf Platz fünf endete (siehe Info-Box oben). „Bei den Giants bin ich Gründungsmitglied“, sagt John und lacht. „Aber das sind wir ja quasi alle. Wenn ich das in 50 Jahren auch noch behaupten kann, bin ich richtig stolz darauf.“

Zurück zum Thema Größe. Wie groß sind Sie denn nun, Frau John? „Keine Frage wurde mir in meinem Leben häufiger gestellt als diese. Als ob das so wichtig wäre“, sagt die 25-Jährige. „Ich bin 1,87 Meter und werde nicht selten etwas mitleidig angeschaut. Warum? Keine Ahnung, aber manchmal nervt mich diese Frage schon. Ich gehe ja auch nicht auf einen korpulenten Menschen zu und frage ihn einfach so, wie viel er wiegt.“

Trotz lediglich zwei Siegen – rundum zufrieden

Mit der ersten Spielzeit bei den Giants ist die 25-Jährige rundum zufrieden: „Klar hätten wir gerne mehr als nur zwei Spiele gewonnen. Vor allem in der Rückrunde, weil unser Kader da schon deutlich breiter aufgestellt war. Aber die anderen Mannschaften waren einfach eingespielter. Erfahrung kann man leider nicht trainieren.“

Für John selbst war es eine äußerst kurze Saison: Beim Auftaktspiel gegen Bockhorn stürzte die Centerspielerin bei einem Laufduell kurz vor Ende des zweiten Viertels so unglücklich auf ihre rechte Schulter, dass der Oberarm knapp unterhalb des Schultergelenks brach.

„Das hat schon richtig wehgetan“, erinnert sich John. „Trotzdem dachte ich, das ist nicht so schlimm und habe das Spiel voller Adrenalin tatsächlich noch zu Ende gespielt. Zum Arzt bin ich erst am nächsten Tag gegangen und war überrascht über die Diagnose. Ich dachte immer: Solange ich den Arm bewegen kann, kann er nicht gebrochen sein.“

Diagnose bedeutet Saison-Aus

Eine Diagnose, die gleichbedeutend mit dem Saison-Aus war. Am Ende kam die Centerspielerin in 2020 doch noch zweimal zum Einsatz – mit mäßigem Erfolg. „Vom Kopf her war das schon unheimlich schwierig für mich“, gibt die 25-Jährige zu. „Obwohl die Schulter nicht mehr wehtat, hatte ich Angst, richtig in die Zweikämpfe zu gehen. Mental muss ich die Verletzung noch abschütteln.“

Abgeschüttelt hat die 1,87-Meter-Frau mittlerweile die blöden Sprüche aus Kindertagen, denn schon als 13-Jährige war sie mit 1,78 Meter der „Leuchtturm“ auf jedem Klassenfoto. „Da war wenig Kreatives dabei“, erinnert sich John. „Wie ist die Luft da oben? Oder warst du als Kinder öfter auf der Streckbank? Der schönste Spitzname war noch Kiraffe – da konnte ich sogar kurz drüber lachen.“

Um Kinder zu ermutigen, zu ihrer Körpergröße zu stehen, hatten die Giants die Aktion „Größe zeigen“ ins Leben gerufen. Leider fiel auch diese Veranstaltung der Corona-Pandemie zum Opfer. „Hätten Sie mich als 15-Jährige gefragt, ob ich nicht zehn Zentimeter abgeben möchte, hätte ich sofort ja gesagt“, erklärt John. „Heute bin ich stolz auf jeden Zentimeter. Größe ist kein Problem – außer vielleicht beim Hosen kaufen. Das wollten wir Kindern und Jugendlichen vermitteln.“

Nicht nur auf dem Platz am Ball

Für die Giants ist die 25-Jährige nicht nur auf dem Platz am Ball. Die Jeveranerin führt die Mannschaftskasse des Frauenteams und übernimmt für den Verein die Planung der Hallen- und Trainingszeiten. Ihr Geld verdient sie bei der Stadt Wilhelmshaven als Verwaltungsbetriebswirtin im Fachbereich Organisation „Das war schon immer mein Ding“, sagt John, die parallel noch an ihrem Master in „European Public Management“ arbeitet.

Doch selbst das Fernstudium leidet unter Corona. „Der monatliche Präsenztag in Berlin hat immer viel Spaß gemacht – fällt derzeit aber leider aus“, sagt die 25-Jährige. „Dafür habe ich deutlich mehr Zeit zum Lesen als sonst. 2020 habe ich schon 22 Bücher verschlungen.“ Sportlich blicken John und die Frauen der SG Jade Giants/TuS Oestringen wieder nach vorne. „Im ersten Jahr haben wir Erfahrungen gesammelt. Jetzt wollen wir den nächsten Schritt machen.“

Carsten ConradsSportredaktion

Weitere Nachrichten:

Oestringen | TuS Oestringen | Bezirksliga | Coronavirus

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.