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beiträge: Sportvereine setzen auf ihre Mitglieder

26.03.2020

Wilhelmshaven In den nächsten Tagen werden die Mitglieder der rund 70 Vereine in Wilhelmshaven und 160 in Friesland auf ihren Kontoauszügen wieder die Abbuchung „ihres“ Sportvereins finden. Da in den meisten Fällen quartalsweise und nicht pro Monat abgebucht wird, fällt die Summe ins Auge. Normalerweise vielleicht nicht, in Zeiten von Geschäftsschließungen und Kurzarbeit aber sicherlich schon.

Genau das befürchten auch die Vereine – und beschwören das, was überall gerade eine zentrale Rolle spielt. Gerald Legrand, Geschäftsführer des mit 2700 Mitgliedern größten Vereins in Wilhelmshaven, formuliert das exemplarisch. „Die Mitgliedsbeiträge sind die entscheidende finanzielle Säule für das Funktionieren eines Vereins. Wir können deshalb nur an unsere Mitglieder appellieren, uns in dieser schwierigen Lage zur Seite zu stehen. Als Verein sind wir eine Solidargemeinschaft – das werden wir hoffentlich in dieser Krise unter Beweis stellen.“

Ähnlich sieht das Thorsten Schuster, seit neun Jahren Vorsitzender des STV Wilhelmshaven, der im vergangenen Jahr durch eine Umlage und eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge eine existenzielle Krise abwenden konnte, unter dem Strich aber deutliche Einbußen hinnehmen musste. Mit Blick auf die 1800 Mitglieder – der STV ist nach dem WSSV und dem SV Concordia (2300 Mitglieder) der drittgrößte Sportverein der Jadestadt – setzt auch Schuster auf Solidarität. „Bislang waren die Reaktionen auf das Aus für den Sportbetrieb zunächst bis zum 18. April verhalten. Jetzt hoffen wir darauf, dass die Mitglieder auch dazu bereit sind, Mitglieder zu bleiben.“

Problem: Die Kosten laufen weiter

Denn – und das ist die Krux für die Vereine – die Kosten laufen weiter. Zwar fallen u.a. die Ausgaben für Übungsleiter weg und die Energiekosten sinken, die gesetzlichen Abgaben, die Kosten für Pacht oder Versicherungen aber belasten das Konto. Und auch an die Verbände – von Legrand grimmig gerne auch einmal moderne Wegelagerer genannt – müssen die Vereine weiter zahlen. In einem Mehrsparten-Verein wie dem WSSV belaufen sich, so der Geschäftsführer, die Abgaben an den Landessportbund und die Fachverbände auf 35 000 Euro.

Hinzu kommen beim größten Wilhelmshavener Verein die Kosten für fünf hauptamtliche Kräfte, die derzeit, so sie ausschließlich im Sportbetrieb tätig sind, nicht beschäftigt werden können. Auf Grund dieser Situation hat der Verein Kurzarbeit beantragt. Legrand: „Ob wir das auch in Anspruch nehmen werden, steht aber noch nicht fest.“

Beim STV Wilhelmshaven wird zwar ausschließlich ehrenamtlich bzw. im Übungsleiterbereich mit 450-Euro-Kräften gearbeitet, aber auch hier stehen den Einsparungen (Wasser, Strom, Heizung) weiterlaufende Kosten gegenüber. Neben den Verbandsabgaben verweist Schuster u.a. auf die Bedienung eines Darlehens, das für die Sanierung des Sanitärbereichs an der Flutstraße aufgenommen wurde.

Die aktuellen Probleme fallen nach Schusters Beobachtungen ganz generell in eine Zeit, in der die Verbundenheit zu einem Verein längst nicht mehr so aufgeprägt wie früher ist. „Gerade die Jüngeren treten konsequent aus. Und auch die Bereitschaft Fördermitgliedschaften zu übernehmen – denn auch das würde uns helfen, könnte für uns als Verein ausgeprägter sein.“

Gefährdet die Krise den Vereinsbestand?

Ob die derzeitige Krise den Vereinsbestand gefährden könnte, will derzeit niemand beurteilen. Gerald Legrand: „Ich habe keine Zahlen in der Schublade, ab welcher Vereinsgröße die Sache keinen Sinn mehr macht. Ich hoffe, dass wir uns darüber auch keine Gedanken machen müssen und der Sportbetrieb für unsere Mitglieder in naher Zukunft wieder anlaufen kann.“ Und auch im Stadtnorden setzt Thorsten Schuster auf das Prinzip Hoffnung. „Im Augenblick haben wir noch ausreichend Rücklagen. Aber wenn wir jetzt einen großen Einbruch erleben, würden wir im Laufe des Jahres Probleme bekommen.“

Fest steht: Rechtlich besteht für die Mitglieder – so die Landessportbünde – durch die Pandemie kein Sonderkündigungsrecht (siehe Infokasten), weil durch den Wegfall der Leistung (also dem Sport) nicht die Pflicht zur Gegenleistung (also die Beitragszahlung) entfällt. Eine (fristgemäße) Kündigung wäre somit im Normalfall erst zum 30. Juni möglich.

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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