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Corona-Krise: WSSV-Schwimmerinnen trainieren an Land

08.05.2020

Wilhelmshaven Eigentlich ist bei Janne und Marje Thomßen alles so wie immer: Die Schularbeiten kosten Zeit und vier bis sechsmal in der Woche wird trainiert. Schließlich gehört Marje (14) als einzige Wilhelmshavenerin dem Wettkampfkader des Landesstützpunkts Schwimmen Region Oldenburg an und Janne (11) – wie auch Renke Röben – dem Schwimm-Nachwuchskader.

Alles so wie immer also? Nicht ganz: Das Wesentliche fehlt: Wasser. Und eine Perspektive, wann es wieder losgehen könnte.

An der Motivation des WSSV-Schwimmduos ändert das aber nichts. Wenn Marje Thomßen von dem individuell auf sie zugeschnittenen Programm erzählt, dass sie von Stützpunkttrainerin Beate Schroeder täglich übermittelt bekommt, dann schwingt dabei nicht ein Hauch Zweifel mit, dass sich der Aufwand lohnt, auch wenn in diesem Jahr durch den Ausfall der Bezirks- und Landesmeisterschaften kein sportliches Ziel mehr lockt. Die dahinter stehende Hoffnung formuliert Vater Ingo. „Die Leistungen, wenn es wieder losgeht, werden auch davon abhängig sein, wie gut in dieser Krisenzeit trainiert worden ist. Mit etwas Glück und konsequentem Heimtraining sehen die Zeiten dann in etwa so aus wie vor dem Corona-Ausbruch.“

Nur zur Klarstellung: Garnet und Ingo Thomßen sind keine Eltern, die ihre Kinder zu Erfolgen treiben. Aber sie sind Eltern, die die Voraussetzungen dafür schaffen: Vor Corona mit Fahrten zum Training nach Oldenburg mehrmals in der Woche, derzeit durch Ausstattung für das Heimtraining oder der Begleitung auf Laufrunden im Stadtpark.

Das wasserlose Training für den Schwimmnachwuchs hat es auf jeden Fall in sich: Beine, Arme, Bauch und Rumpf von IGS-Schülerin Marje sind sechsmal in der Woche für jeweils zwei bis drei Stunden gefordert. Auf dem Programm stehen entweder Ausdauer-Einheiten (Laufen, Inliner, Radfahren), oder Fitnesstraining mit Zugseilen, Thera-Bändern oder Hanteln.

Grundsätzlich wird – in Oldenburg wie in Wilhelmshaven – in allen Lagen (Brust, Freistil, Rücken, Schmetterling) ausgebildet, weil sich die Vorlieben, also die Hauptlagen, so Ingo Thomßen, verändern können.

Im Vorjahr schwamm Marje Thomßen auf ihrer Paradestrecke über 50 m Brust in 39:90 Sekunden um neun hundertstel Sekunden an der Pflichtzeit für die „Norddeutschen“ vorbei. Das nagt noch an der 14-Jährigen, die Wettkämpfe vermisst, mit sich selbst im Reinen ist („Ich will so sein wie ich bin“) und ansonsten ein klares Ziel hat. „Fit bleiben, gut bleiben.“

Grundsätzlich dürfte da keine Gefahr bestehen. Denn neben den Plänen aus Oldenburg gibt es seit kurzem auch Wochenpläne ihres Trainers Ole Jantzen, WSSV-Schwimmabteilungsleiter Olaf Amelsberg bietet ein Athletiktraining per Videokonferenz an.

Auch die jüngere Schwester Janne kann sich über Langeweile nicht beklagen, auch wenn der Trockentrainings-Umfang etwas geringer ist. Überhaupt ist bei der Elfjährigen, die knapp drei Jahre nach dem Babyschwimmen schon das Seepferdchen-Abzeichen erwarb, bis auf Jogging-Runden („Laufen ist schrecklich“) fast alles cool: ihre Schule die IGS, Greta Thunberg, die eigene Katze, der Nachbarhund, Longboards, das Spinning-Rad der Mutter oder die Netflix-Serie „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“.

Dazu zählt auch ein reales: Denn eigentlich war in den Osterferien ein Trainingslager geplant. Während die Oldenburger Schwimmer nach Kreta wollten, hätte es den Thomßen-Nachwuchs mit einer Schwimmgruppe aus Hannover nach Zypern verschlagen.

Einen Weg, der Corona-Krise zu begegnen, hat Janne Thomßen, Nachwuchs-Schwimmerin ohne Wassertraining, ebenfalls mit einer Vorliebe für das Brustschwimmen und im Vorjahr mit sieben Pflichtzeiten für Landes- und Bezirksmeisterschaft ausgestattet, aber auf jeden Fall für sich gefunden. „Die Badewanne ist besser als nichts.“

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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