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Folgen des Saisonabbruchs: SV Wilhelmshaven hat Hoffnung auf Aufstieg noch nicht abgehakt

18.06.2020

Wilhelmshaven Wenn am 27. Juni auf dem Verbandstag des niedersächsischen Fußball-Verbandes über den Umgang mit der Mitte März abgebrochenen Saison entschieden wird, dann werden sich die 324 Delegierte aus den Bezirken Weser-Ems, Lüneburg, Hannover und Braunschweig mit einer neuen Situation auseinandersetzen müssen. Denn in der Zwischenzeit sind zum Votum der Verbandsspitze, die Saison abzubrechen und die Aufsteiger nach der Quotientenregelung zu bestimmen, fristgerecht elf weitere Anträge hinzugekommen – einer davon vom Bezirksligisten SV Wilhelmshaven.

Rückblick: Im Vorfeld hatte sich die Mehrzahl der niedersächsischen Vereine für einen Abbruch der Saison ausgesprochen; im Kreis Jade Weser Hunte (899 Mannschaften) lag die Zustimmung bei fast 100 Prozent; nur ein Verein enthielt sich der Stimme. Anschließend sprach sich das NFV-Präsidium, nachdem zuvor vier Szenarien durchgespielt worden waren, für eine Wertung ohne Absteiger und mit Aufsteigern nach Quotientenregelung aus.

Klar war von Anfang an: Jede Regelung hat Gewinner und Verlierer. Insbesondere Teams, die am 12. März zwar an der Tabellenspitze standen, wegen des Quotienten (Punkte geteilt durch absolvierte Spiele) aber noch von schlechter platzierten Teams abgefangen werden, sehen sich ungerecht behandelt.

Einer dieser Klubs ist der SV Wilhelmshaven, der in seinem letzten regulär ausgetragenen Spiel durch die 2:4-Heimniederlage im Derby gegen den WSC Frisia den anschließend punktgleichen Stadtrivalen – auch in der „normalen“ Tabelle vorbeiziehen lassen musste.

Aus SVW-Sicht hält der NFV-Vorschlag einer rechtlichen Überprüfung nicht stand. Am letzten Tag der Antragsfrist, dem 5. Juni, wurde deshalb aus der Kanzlei von SVW-Anwalt Harald Naraschewski ein Antrag nach Barsinghausen gefaxt (und per Mail übermittelt). Inhalt: Auch der Zweitplatzierte soll nach der Quotientenregelung aufsteigen.

Begründet wird der Antrag mit einer Wettbewerbsverzerrung, die dem Grundsatz der Chancengleichheit widerspreche. Dabei verweist der Verein auf die bis zum Abbruch unterschiedliche Anzahl an Heim- und Auswärtsspielen der Stadtrivalen, die sich künftig das Jadestadion teilen sollen. Wörtlich heißt es weiter: „Bei einer Durchführung der Saison würden die dann erzielten Ergebnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit zu anderen Quotienten und damit auch Tabellenständen führen. (. . .) Unser Verein nimmt für sich in Anspruch, die Saison bei ihrer vollständigen Durchführung als Tabellenerster und damit Aufsteiger zu beenden.“

Einen identischen Antrag hat auch Kreisligist RW Braunschweig gestellt, während der MTV Lüneburg zwar ebenfalls das Aufstiegsrecht erweitern will, aber einen anderen Weg vorschlägt. Sollte der Quotienten-Meister zum Abbruchdatum nicht identisch mit dem Tabellenersten der Hinrunde (ebenfalls nach Quotientenregelung) sein, steigen beide Teams auf.

Die Reihenfolge, in der am 27. Juni abgestimmt wird, steht bereits fest. Zunächst muss über den Antrag von Dynamo Lüneburg entschieden werden, die auf Abbruch der Saison durch Annullierung plädieren – eine Variante, die am wenigsten juristisches Angriffspotenzial biete. „Ein Abbruch mit Wertung kann aus unserer Sicht auch nicht nachträglich für eine (teil-) gespielte Saison durch Verbandsbeschluss legalisiert werden. Dies ist allenfalls für die Zukunft möglich.“ Alle anderen Modelle, so die Lüneburger, seien „weit entfernt von Objektivität und Fairness“.

Anschließend wird über den NFV-Antrag abgestimmt, die Saison abzubrechen, dazu berechtigte Teams aufsteigen zu lassen und auf Absteiger zu verzichten. Dabei räumt der Verband ein, Neuland zu betreten. „Eine Regelung zum Umgang mit (so) einem Spieljahr ist nicht im Satzung- und Ordnungsrecht existent; ebenso wenig gibt es eine Regelung, wie ein Wettbewerb gewertet werden soll. Nach Abwägung aller Aspekte kommt das NFV-Präsidium zu dem Schluss, dass es „vertretbar und vorzugswürdig“ erscheint, die Abschlusstabellen in beantragter Weise festzulegen.

Nach dem NFV-Antrag stehen dann die fünf ergänzenden Anträge, die sich um die Erweiterung des Aufstiegsrecht drehen, darunter der des SVW, auf der Tagesordnung, auch wenn es unter Punkt 7 des NFV-Antrags heißt: „Ein weitergehender Aufstieg (. . . ) findet nicht statt.“ Und in der Erklärung dazu heißt es, dass angesichts einer bereits begünstigenden Abweichung vom eigentlichen Ausschreibungsrecht weitere Aufstiege „als nicht mehr verhältnismäßig“ erscheinen.

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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