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Fussball-Bezirksliga: „Spricht viel für Annullierung der Saison“

02.04.2020

Wilhelmshaven „Emotional ist das ein tiefer Fall“, stellt Tim Martin, Sportlicher Leiter beim Fußball-Bezirksligisten WSC Frisia beim Blick zurück fest. Am 8. März gewannen die Frisianer das Topspiel beim SV Wilhelmshaven mit 4:2 und eroberten so die Tabellenführung. Rund 1100 Zuschauer wollten das Duell im Jadestadion sehen. Anschließend aber sahen sie gar nichts mehr. Der Sportbetrieb kam zum Erliegen, individuelles Training ist seit mehr als zwei Wochen das Gebot der Stunde.

Ob der Sprung an die Tabellenspitze aber irgendwelche sportlichen Auswirkungen hat, weiß im Augenblick noch niemand. Dass die Saison – wie in der Bundesliga für den Mai geplant – fortgesetzt werden kann, daran glaubt Martin allerdings nicht. „Der TuS Obenstrohe hat bei uns in der Liga erst 14 der 28 Saisonspiele absolviert, und der TuS Büppel in der 1. Kreisklasse erst 10 von 26 Spielen. Die Vielzahl an Partien noch bis zum 30. Juni unterzubringen, wird auch mit englischen Wochen nicht funktionieren. Und käme es in dieser Zeit zu einem Corona-Fall in einem Team, würden durch die Quarantäne gleich wieder sechs Spiele ausfallen. Hinzu kommt die Belastung für Mannschaften mit einem kleinen Kader und ohne Unterbau und auch für Schiedsrichter.“ Was bei einem Abbruch der Saison passiert, darum ranken sich bei den Verantwortlichen diverse Gerüchte, die tage - und wochenweise in der Vergangenheit variierten.

Und die Varianten sind vielfältig. Auf- und Absteiger könnten zum Beispiel nach dem derzeitigen Tabellenstand oder als Quotient aus bestrittenen Spielen und Punkten ermittelt werden. Dann wären die Frisianer zum Beispiel in der Bezirksliga – so oder so – vorne. Aber so „einfach“ ist es nicht überall: In der Kreisliga würde der ESV Wilhelmshaven (18 Spiele, 41 Punkte) an Spitzenreiter VfL Oldenburg II (23 Spiele, 48 Punkte) vorbeiziehen. Eine weitere Möglichkeit: Annullierung der Spielzeit. Keine Auf- und Absteiger in den Amateurligen. Tim Martin hofft auf jeden Fall auf eine Entscheidung, die nicht endlos auf sich warten lässt. „Die jetzige Situation nimmt Spielern, Trainern und allen, die Fußballbetrieb organisieren, die Freude an der Arbeit. Deshalb wünsche ich mir eine frühzeitige Klärung, die dann hoffentlich keine Klagewelle auslöst.“

Frisia betreibt ligaunabhängige Planung

Ein Frisia-Aufstieg in die Landesliga am grünen Tisch würde bei Tim Martin auf jeden Fall gemischte Gefühle hinterlassen. „Ich weiß nicht, ob ich mich darüber richtig freuen würde. Ein Aufstieg ist doch etwas Großes. Jubel nach einem Spiel, Aufstiegsfeier – das ganze emotionale Drumherum. All das würde wegfallen. Aber natürlich würden wir aufsteigen, wenn sich diese Möglichkeit bietet.“

Derzeit betreiben die Frisianer eine ligenunabhängige Planung für die – wann auch immer beginnende – kommende Spielzeit. Und auch da musste Tim Martin bereits eine neue Erfahrung sammeln. „Ich wollte mich mit einem Spieler treffen, aber der hat abgesagt, weil er seine sozialen Kontakte so gering wie möglich halten wollte. Ansonsten geht es uns so wie allen: Wir sehnen uns nach Normalität.“ Für SVW-Teammanager Bastian Röben stehen alle Fußball-Themen derzeit ganz weit hinten an. „Es gibt im Augenblick wichtigere Dinge als Fußball. Ansonsten plädiere ich dafür, den Entscheidern Zeit zu geben, denn so eine Situation stellt den Fußball von der Bundesliga bis zur Kreisklasse vor völlig neue Fragen.“

Röben selbst kann sich nicht vorstellen, dass die Saison weitergeführt wird. Denkbar wäre aber, dass Profi- und Amateurklassen zu unterschiedlichen Entscheidungen finden, ob und wie es weitergeht. „Playoffs, Wintertabelle werten, alles auf Null setzen – da gibt es viele Möglichkeiten, die schon diskutiert wurden. Aber es gibt fast zu allen auch Argumente, die dagegen sprechen. Einige Mannschaften haben zum Beispiel ihre Hinrunde noch nicht offiziell beendet. Oder der Vergleich zwischen Frisia und uns: Wo ist da die Vergleichbarkeit, wenn wir zwei Heimspiele weniger bestritten haben.“ Aus Sicht des SVW-Teammanagers spricht – auch nach Gesprächen mit Staffelleiter Frank Schulte (Ostrhauderfehn) – viel für eine Annullierung der Saison.

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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