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Gründung in Wilhelmshaven: WSSV trifft seit 100 Jahren „Nerv der Zeit“

16.05.2020

Wilhelmshaven Am 17. Mai 1920 – also morgen vor 100 Jahren – wurde in der „Wartburg“ an der Mitscherlichstraße, Ecke Bremerstraße, die heute eine griechische Taverne beherbergt, eine Versammlung für Freunde des Schwimmsports einberufen. Am Ende entschied sich die Gruppe unter der Leitung von Leopold Mündecke dagegen, eine Abteilung der Freien Kraftsportvereinigung Rüstringen zu werden. Stattdessen erfolgte die Gründung des Arbeitervereins „Freie Wassersportvereingung Jade“.

Frauen zahlten weniger als Männer

„Heimathafen“ des Vereins wurde die Werftbadeanstalt am Banter Hafen. Bitter aus heutiger Sicht für alle Gleichstellungsbeauftragte: Männer zahlten 60 Pfennig Beitrag im Montag, Frauen 40 Pfennig. Und: In einer Kampfabstimmung wurde 1927 festgelegt, dass Männer und Frauen getrennte Kohlfahrten unternehmen.

Bitter auch: die stark baufällige Anlage war ein Zuschussbetrieb. Insgesamt 24 800 Rentenmark musste bis 1930 in die Hand genommen werden, um die Sprunganlage zu erneuern, das Schwimmbecken auszubaggern, das Nichtschwimmerbecken zu vergrößern oder eine Umkleidehalle zu errichten. Aber der Verein um den Vorsitzenden Paul Jahn war bei der Suche nach Geldgebern erfinderisch. So kamen 400 Rentenmark von der „Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Alkoholgegner“. Und das Jadebad boomte: Innerhalb kurzer Zeit wurden fast 2000 Kinder zu Freischwimmern ausgebildet, 1930 wurden mehr als 24 000 Besucher gezählt.

Neben dem Jadebad stand den Mitgliedern die Halle an der Bremer Straße zur Verfügung. Hier konnte geturnt werden – einmal in der Woche, diesem Antrag war vom Magistrat der Stadt Rüstringen stattgegeben worden – sogar mit Musik. Im Mai 1933 war aber Schluss für die Freie Wassersportvereinigung Jade. In Nazi-Deutschland wurden alle Arbeitersportvereine verboten.

Fusion in den siebziger Jahren

Nach dem zweiten Weltkrieg fand im April 1951 die erste freie Versammlung des Vereins „Jade-Bad“ statt, der sich unmittelbar nach der Auflösung des WSV Jade gegründet hatte und im Jahr zuvor vom Kreissportbund Wilhelmshaven als Mitglied aufgenommen worden war. 1963 erfolgte die Umbenennung in WSV Jade, 1975 wurden erste Gespräche des Vereins (862 Mitglieder) mit dem SC Wasserfreunde (956 Mitglieder) über einen Zusammenschluss, den Verkauf des Jadebads und eine neue Heimstatt im Sportforum geführt. Ein Jahr später, am 6. Februar 1976, wurde die Fusion vollzogen.

Der Zusammenschluss beider Vereine im Februar 1976 – Vorsitzender wird „Wasserfreund“ Dieter Carstens – und der Umzug ins Sportforum markieren den Beginn weiterer Veränderungen in der Wilhelmshavener Vereinslandschaft. 1979 fusionierte der TuS Schaar mit dem WSV und der Wilhelmshavener Schwimm- und Sportverein (WSSV) entstand. Es folgten die Zugänge „Okinawa“ (1989), PSV (1999), NTC Blau-Silber (2013) und zuletzt der WTB (2018).

Geburtstagsfeier verschoben

Die Fusionswelle macht sich in der aktuellen Mitgliederzahl allerdings nicht mehr bemerkbar. Knapp 2600 Mitglieder zählt der Mehrsparten-Verein derzeit – und das sah schon einmal ganz anders aus. Als der WSSV 1995 sein 75-jähriges Bestehen feierte, war der Verein mit knapp 6000 Mitgliedern nicht nur der größte der Stadt – was er auch aktuell seit Jahren ist – sondern in ganz Niedersachsen. Vorsitzender Dieter Carstens stellte seinerzeit mit Blick auf fast 3000 neue Mitglieder in 16 Jahren fest: „Nach der Fusion mit dem TuS Schaar hatte der Verein 3000 Mitglieder. Ich glaube, dass wir mit dem Bau einer eigenen Sporthalle und eines Fitness-Studios in der Folge den Nerv der Zeit getroffen haben.“

Das 100-jährige Bestehen sollte eigentlich im August gefeiert werden. Die Corona-Pandemie hat diese Planungen allerdings durchkreuzt, und auch der neue Termin im September wurde jetzt auf das neue Jahr verschoben. Erst mal „feierte“ der WSSV um seinen Geschäftsführer Gerald Legrand deshalb ganz unglamourös. Gehäckselt wurde das Strauchwerk für das aktuell ausgefallene Osterfeuer, das 101 Jahre WSSV nicht erleben sollte.

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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