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Handball: Wilhelmshavener HV fertigt Bergische Panther mit 39:22 ab

20.01.2020

Wilhelmshaven Nach 51 Minuten und 51 Sekunden der Handball-Drittliga-Partie des Wilhelmshavener HV gegen die Bergischen Panther nahm Gästetrainer Marcel Mutz noch einmal eine Auszeit. Wilhelmshavens Tim Rozman hatte da gerade mit Urgewalt einen Ball zum 31:19 ins Gästetor gehämmert, der vermutlich erst in der Gökerstraße aufgeschlagen wäre, wenn bauseitig in der Nordfrost-Arena nicht ein stabiles Tornetz bzw. eine solide Betonwand zur Verfügung gestanden hätten.

Der Untergang der Panther ließ sich mit dieser Auszeit 30 Sekunden lang aufhalten, verhindern ließ er sich nicht. Mit 39:22 (17:13) fertigte der Tabellenführer die Bergischen ab, 20:0 Heimpunkte und 33:3 Zähler in der Nord-Weststaffel verdeutlichen die Ausnahmestellung des Zweitliga-Absteigers eine Klasse tiefer.

Deutlich war aber auch die Körpersprache von Gästekeeper Robin Eigenbrod, der zu diesem Zeitpunkt bereits von seinen Vorderleuten keine Hilfestellung mehr zu erwarten hatte. Der Wirtschaftsingenieur schlich kopfschüttelnd zu seinen Kollegen, und war acht Gegentore später nicht glücklicher. „Was in den letzten 20 Minuten passiert ist, kann ich nicht erklären. Ich kann nur dem WHV gratulieren.“

Das taten am Ende stehend und applaudierend auch 900 Zuschauer: Dankbar für ein am Ende mitreißendes Alternativ-Programm zur Handball-EM, für den höchsten Saisonsieg und ein paar besondere Momente.

Zunächst das Protokollarische – und wieder spielt dabei eine Auszeit eine Rolle. Nach nur rund drei Minuten der zweiten Halbzeit hatte WHV-Trainer Christian Köhrmann seine Jungs schon wieder vom Feld geholt. Denn nach einer 17:13-Halbzeitführung und einem Fangfehler von Tim Rozman hatte der Gast auf 17:16 verkürzt. Köhrmann justierte und tauschte auf der rechten Seite die Positionen. Rozman, zuvor Statist und Stellvertreter von Yannick Pust auf Rechtsaußen, wechselte auf die Rückraumposition, wo Rene Drechsler zuvor drei Treffer erzielt und mit einigen tollen Anspielen an den Kreis geglänzt hatte, in den Minuten zuvor aber zu häufig im Block der Gäste hängen geblieben war.

Der Rest war alkoholfreier Rausch, der sich durch Tore (22:6 für den WHV) auch, aber nur unzureichend beschreiben lässt. Denn es wurde spektakulär: Bälle jagten in den Torwinkel (Kuno Schauer), wurden aus dem Unterarm torpediert (Rozman), füllten die Rubrik „Kempa-Trick“ (Rutger ten Velde nach Rozman-Zuspiel) oder schlugen nach Traumkombinationen im Gästetor ein (Rozman).

Über allem aber schwebten zwei Akteure, die diese Halbzeit zu einer besonderen machten. Da wäre zum einen der (seit Samstag glücklicherweise) für die EM ausgebootete niederländische Nationalspieler Rutger ten Velde. 14 Treffer erzielte der Linksaußen nach einem fahrigen Beginn am Ende, viermal vollstreckte der 21-Jährige nervenstark vom Siebenmeterpunkt.

Der Rest war aus seiner Sicht fast schon nicht mehr erklärungsbedürftig. „Der Frust musste nach den ersten Fehlwürfen bei mir raus. Und als Team haben wir nach dem 17:16 eine gute Abwehr gestellt und sind ins Tempospiel gekommen. Am Ende klappte einfach alles – so wie der Kempa, für den ein kurzer Blickkontakt mit Tim reichte. Wir trainieren so etwas. Deshalb weiß ich nach einer bestimmten Auftakthandlung, was ich zu tun habe.“

Und auch, dass am Ende wie in fast allen Spielen bisher die konditionelle Überlegenheit der WHV-Handballer überdeutlich sichtbar wird, hält Rutger ten Velde für völlig normal. „Neun Trainingseinheiten in der Woche müssen sich irgendwie niederschlagen. Sonst würden wir etwas falsch machen.“

Alles richtig machte schließlich auch der „Rückkehrer des Jahres“. Weil die Rechtsaußen-Position auch mit Rene Drechsler verwaist wirkte, wurde zwölf Minuten vor dem Ende Fabrice Lehmann aufs Feld geschickt. Der 30-jährige Wilhelmshavener läuft seit dieser Spielzeit für die zweite Mannschaft (Verbandsliga) auf und hatte im Vorfeld mit seinem Team bereits eine Partie bestritten. Das hinderte den Rechtsaußen aber nicht daran, direkt nach seiner Einwechslung richtigerweise einen Torversuch abzubrechen und dann drei blitzsaubere Treffer folgen zu lassen. „Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, dass ich spiele. Aber dann drei Tore und eine 100-Prozent-Quote – ein schönes Gefühl.“

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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