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Inga Bernsau im Sportporträt: Gemeinsam mit ihren Mitstreitern organisiert sie den Gorch-Fock-Lauf

10.06.2020

Wilhelmshaven Mit der Leichtathletik hatte Inga Bernsau lange Zeit nichts am Hut. „Ich werfe so schlecht, dass mich sogar meine Hunde auslachen“, sagt die 53-Jährige. „Springen konnte ich mit meinen 1,60 Meter auch noch nie. Zu Schulzeiten waren die Bundesjugendspiele ein wahrer Horror für mich. Nur laufen konnte ich, in den Staffelwettbewerben war ich quasi immer gesetzt.“

Ob das der Grund dafür war, dass die gebürtige Berlinerin nun schon im fünften Jahr die größte Laufveranstaltung der Jadestadt – den Gorch-Fock-Lauf – maßgeblich organisiert, will sie weder bestätigen, noch dementieren. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr genau, warum ich 2015 diesen Schritt gewagt habe, oder wer mich wie dazu überredet hat“, sagt Bernsau. „Ich bin ein sehr spontaner Mensch und habe zur richtigen Zeit die richtigen Menschen kennengelernt.“

Rückblick: Als im Sommer 2015 klar wurde, dass der 10. Gorch-Fock-Marathon der letzte seiner Art sein würde, drohte der beliebten Laufveranstaltung ausgerechnet im Jubiläumsjahr das Aus. „Das konnten und wollten wir nicht zulassen“, sagt die 53-Jährige, die nur wenig später gemeinsam mit Ralf Itzin, Lauftreff-WHV-Gründer Heiko Frerichs und Volkmar Stier den Gorch-Fock-Lauf e.V. aus der Taufe hob und den Lauf damit (in leicht reduzierter Form) am Leben hielt. „Eine Veranstaltung dieser Größe braucht einen tragbaren Rahmen“, erklärt Bernsau diesen Schritt. „Als Veranstalter lebt man ja nicht nur von den Startgeldern, sondern auch von Spenden und Sponsoren. Da stoße ich als Privatperson ja schon beim Ausfüllen einer Spendenbescheinigung an meine Grenzen.“

Liebe zur Leichtathletik erst auf den zweiten Blick

Bernsau und die Leichtathletik – eine Liebe auf den zweiten Blick, und das nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. „Während meines Studiums in Münster bin ich mit leichtem Jogging angefangen“, sagt die Kommunikations-Wissenschaftlerin. „Und nach meinem Umzug nach Wilhelmshaven habe ich auch im Stadtpark fleißig meine Runden gedreht. Nur leider ohne Plan und damit auch nur mit übersichtlichem Erfolg.“

Die Wende kam 2011 mit Ende des Oberbürgermeister-Wahlkampfs, wo Bernsau dem damaligen CDU-Kandidaten Andreas Wagner ins Amt verhalf. „Zum Finale sind wir alle gemeinsam beim Siebethsburger Volkslauf gestartet. Da wäre ich über die 6,5 km fast gestorben und hatte mehr als eine Woche schlimmen Muskelkater“, erinnert sich die 53-Jährige. „Ich hatte wirklich null Ausdauer, so konnte es einfach nicht weitergehen.“ Nach dem Motto „Erst die Strecke, dann die Geschwindigkeit“, nahm Bernsau (mit fachkundiger Beratung) das Projekt Laufen mit Sinn und Verstand in Angriff – und hatte letztlich Erfolg. Nach einigen Läufen über 5 und 10 Kilometer wurde auch der Halbmarathon schnell abgehakt. Neue Herausforderungen mussten her und wurden schließlich auch gefunden.

„Meinen ersten Marathon habe ich 2018 am Sander See absolviert“, sagt Bernsau. „Das war aber keine Absicht.“ Wie bitte? 42,195 Kilometer einfach mal so gelaufen? „Naja, ich wollte einfach nur mehr laufen als die 21 Kilometer beim Halbmarathon“, erklärt die 53-Jährige. „Und dann waren es plötzlich 30, 35 und am Ende sogar 45 Kilometer. Mein erster Ultra-Marathon – quasi aus Versehen.“

Den ersten gewollten Marathon brachte die Jadestädterin dann wenig später im niederländischen Amsterdam ins Ziel – in guten 4:14 Stunden. Inzwischen stehen fünf Marathons und fünf Ultraläufe (bis 55 km) in der sportlichen Vita der 53-Jährigen, die vor einigen Jahren als Inhaberin einer Werbe- und Medienagentur den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. „Amsterdam war ein sehr emotionaler Lauf. Das Publikum war der absolute Wahnsinn, wirklich unvergesslich.“

Persönliche Bestzeit von 4:14 Stunden

Seit dem steht die persönliche Bestzeit von 4:14 Stunden auch in Stein gemeißelt. Bernsau: „Ich bin fast immer nahe dran, habe diese Marke bislang aber nicht geknackt. Das steht auf jeden Fall auf der to-do-Liste – ein Traum wäre natürlich ein Marathon unter vier Stunden. Ich arbeite dran.“ Vielleicht fällt diese Marke schon bald, denn Bernsau hat noch einiges auf dem Zetel. „Ich will in allen Städten, wo ich gewohnt habe, am längst möglichen Lauf teilnehmen“, erklärt die 53-Jährige. „In Hannover, Münster und Hamburg habe ich das schon erledigt – nur meine Geburtsstadt Berlin fehlt mir noch. Da habe ich nur am „25 S“ – einem 25-Kilometer-Stadtlauf inklusive Brandenburger Tor – teilgenommen. Ein echter Gänsehaut-Moment.“

Eine besondere Beziehung verbindet Bernsau noch heute mit der Landeshauptstadt Hannover, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Im Vorjahr wurde sie von den Machern des Hannover-Marathons sogar zur Botschafterin ernannt und rührte in den vergangenen zwölf Monaten kräftig die Werbetrommel. „Ein ganz toller Lauf“, schwärmt die Jadestädterin. „Auf der Hildesheimer Straße geht es zwar zehn Kilometer nur geradeaus, aber was da am Rand los ist, ist der absolute Wahnsinn.“

Auf lautstarke Unterstützung müssen die Gorch-Fock-Läufer kommenden Sonntag definitiv verzichten. Trotzdem gewinnt die Organisatorin der virtuellen Variante viel Positives ab: „In diesem Jahr war das unsere einzige Chance. Für die Zukunft könnte man überlegen, neben dem echten auch weiterhin einen virtuellen Lauf anzubieten. Viele Läufer sind Jäger und Sammler, die eigentlich nur scharf auf die Medaille sind. Gut möglich, dass man mit einem solchen Angebot seinen Kundenkreis erweitern kann.“ Und noch ein positiver Aspekt: Bei der 5. Auflage könnte Bernsau am Sonntag als Organisatorin sogar selbst an den Start gehen. „Da gibt es allerdings ein kleines Problem“, räumt die 53-Jährige ein. „Ich habe leider vergessen, mich anzumelden.“

Carsten ConradsSportredaktion

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