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JTG-Sportwart Frank Gerdes: „Durch den Wald zu laufen ist nichts für mich“

06.05.2020

Wilhelmshaven Für Menschen wie Frank Gerdes endet heute eine echte Leidenszeit. „Ich brauche einen Ball und den Wettkampf – auch wenn es nur im Training ist“, macht der 48-Jährige Wilhelmshavener Tennisspieler keinen Hehl daraus, dass es ihn schon seit Tagen in den Fingern kribbelt. Gerdes: „Durch den Wald zu laufen oder ins Fitnessstudio zu gehen. Das ist einfach nichts für mich. Deshalb bin ich froh, dass es jetzt wieder losgeht. Auch wenn es nur auf Sparflamme ist.“

Denn Frank Gerdes hat nicht nur den Ball und das (Trainings)-Spiel um Punkte vermisst, sondern für ihn gehört zum Sport noch eine andere Komponente – und auf die muss er noch verzichten. „Das Zusammensitzen nach der Partie mit anderen Spielern, die Geselligkeit, das Bierchen – das gehört einfach zu meinem Verständnis von Sport dazu. Deshalb möchte ich auch nicht in einer Mannschaft spielen, die sich über den Sport hinaus nichts zu sagen hat oder mit jemandem, der uns sportlich vielleicht weiterhilft, menschlich aber nicht ins Team passt.“

Frank Gerdes gehörte zuletzt in der Winterrunde bei der Jade Tennis Gesellschaft der Herren 40-Mannschaft an, die als souveräner Meister mit 12:0 Punkten in der Landesliga den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft hat. Nummer 1 des Teams, zu dem auch Vladan Vasiljevic, Walter Schneider und der mit Frank Gerdes nicht verwandte Michael Gerdes gehört, war Arnd Grefe – für Schneider der Inbegriff eines Teamplayers. „Arnd ist das Aushängeschild für Sport durch alle Leistungsklassen. Er spielt im Training gegen Jung und Alt und auch gegen schwächere Gegner. Mit solchen Menschen am Sonntag zu einem Punktspiel zu fahren ist für mich Quality Time.“

„Spaß am Tennis kann ich auch mit anderen Bällen haben“

Deutlich schlechter zu sprechen ist der gelernte Elektriker und Industriemeister Chemie, der als Netzwärter für Strom, Gas und Wasser bei GEW arbeitet, auf „seinen“ Verband. „Für mich sitzen in Hannover zu viele Theoretiker, die eine Geldgenerier-Maschine für den Spitzensport betreiben. Der Breitensport kommt viel zu kurz.“

Aus diesem Grund veranstaltet der JTG-Sportwart ganz bewusst auch keine Leistungsklassen-Turniere. „Turniere finde ich grundsätzlich gut. Mir muss aber kein Verband vorschreiben, welche Bälle ich benutzen darf, weil das in einem Vertrag so festgelegt ist. Das verursacht nur unnötige Kosten. Spaß am Tennis kann ich auch mit anderen Bällen haben und wenn ein Turnier nur 15 Euro statt 35 Euro Anmeldegebühr kostet.“

Hier wird klar: Frank Gerdes, Inhaber des Trainerscheins C-Wettkampfsport, mag keine Schablonen. Deshalb ist der 48-Jährige auch so begeistert von „seinem“ Vorsitzenden. „Oliver Gerriets ist einer, der anders denkt als andere. Sich in einem Tennisverein hinzustellen und zu sagen: Wir brauchen ein Fitnessstudio, wir bauen ein Schwimmbad – und dann damit zu leben, dass einen alle erst einmal für verrückt erklären. Das hat etwas.“

Als Fußballer die Schiedsrichter sicherlich ziemlich genervt

Aufgefallen ist Frank Gerdes selber auch – aber eher in seinem ersten sportlichen Leben als Nachwuchs-Fußballer beim WSC Frisia. „Ich habe wegen Meckerns vermutlich in jedem Spiel eine gelbe Karte gesehen und die Schiedsrichter sicherlich ziemlich genervt. Und heute kann ich mich als Zuschauer immer noch über manches Gockel-Gehabe aufregen. Und wenn ich mir vorstelle, dass ich bei der WM ein Tor schieße und dann Gelb für meinen Jubel bekomme, dann hört mein Regelverständnis auf. Im Handball ist der Ball Sekunden später an der Mittellinie – da jubelt keiner mehr.“

Im Tennis – und damit in seinem zweiten sportlichen Leben – haben sich die Wogen für den zweifachen Familienvater aber geglättet. Gerdes: „Das Schöne am Tennis ist ja, dass ohne Schiedsrichter gespielt wird und die Akteure sich untereinander einigen müssen und das auch hinbekommen – mich eingeschlossen. “

Fußball ist für Frank Gerdes aber noch aus einem anderen Grund ein Thema. „Jeder Fußballer kann auch Tennis spielen. Die wissen, wo der Ball hingeht, und können laufen. Das Problem ist aber, dass viele Kicker einfach zu lange spielen und anschließend der Körper nicht mehr mitmacht. Fußballer sollten sich die Altherren schenken und mit 35 Jahren anfangen Tennis zu spielen.“

Um dann auf Frank Gerdes zu treffen: Netzwärter und Netzschubser. „Ich mache nicht die Punkte, sondern der Gegner macht die Fehler. Ich bin einer, der den Gegner nervt, weil er alle Bälle über das Netz zurückschubst.“

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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