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Sportporträt: Einzelkämpfer Wolfgang Hayungs feiert runden Geburtstag

20.05.2020

Wilhelmshaven Herzlichen Glückwunsch, Wolfgang Hayungs: Der Jadestädter, bekannt als ehemaliger Radrennfahrer, Faustkämpfer und langjähriger Funktionär im Boxsport, feiert heute seinen 70. Geburtstag. „Ich kann mit Stolz sagen, dass ich auf bewegte sieben Jahrzehnte zurückblicken kann“, sagt der Jubilar. „Dabei hat mir vor allem der Sport in all seinen Facetten unheimlich viel gegeben.“

Die sportliche Laufbahn von Wolfgang Hayungs lässt sich gr0b in drei Bereiche aufgliedern: Erste Lorbeeren erntete der Jadestädter als Radrennfahrer beim RV „Sturmvogel“ Wilhelmshaven. „Ein Cousin hatte damals den Anstoß gegeben, und ich fand diese Sportart sofort klasse“, erinnert sich der 70-Jährige, der nach einem Wechsel auch zahlreiche Rennen für den Rad-Sport-Club Nordsee in Varel fuhr. Maßgeblich inspiriert wurde der Jadestädter in dieser Zeil von seinem Trainer Reinhard Varenkamp aus Oben-strohe. „Ein wirklich verrückter Kerl, der nicht nur unheimlich viel Herzblut, sondern auch Geld in den Radsport investiert hat“, sagt Hayungs. „Rudi Altig & Co. waren damals die großen Stars der Branche und Vorbilder, den ich nur zu gerne nacheifern wollte.“

Mit Erfolg, denn Hayungs sorgte sowohl national als auch international bei diversen Straßen- und Bahnradrennen für Furore. „Das waren keine Kirmesrennen“, erklärt der 70-Jährige. „Ich habe damals fast täglich hart trainiert und bekam dadurch die Möglichkeit, mich auch mit internationalen Radsportgrößen zu messen.“ Absolutes Highlight war der sechste Platz 1967 bei der viertägigen Holland-Rundfahrt, den Hayungs als 17-Jähriger errang. Sieger damals der spätere Radweltmeister Hennie Kuiper aus den Niederlanden. „Mit einem Sportler dieser Qualität vorne mitzufahren, war schon eine große Ehre für mich.“

Eigentlich sollte es nach Amerika gehen

Den Traum, als junger Mann nach Amerika auszuwandern, machte die Einberufung zur Bundeswehr zunichte. Dafür fand Hayungs in unmittelbarer Nachbarschaft die große Liebe und heiratete nur wenig später seine Frau Ramona. „Das war natürlich ein Riesen-Glücksfall“, erinnert sich der 70-Jährige. „Aber an das zeitaufwendige Radtraining war nach der Hochzeit nicht mehr zu denken.“ Hayungs hatte in eine echte Schausteller-Familie eingeheiratet, und so zog der gelernte Maschinenbauer als Imbiss-Gastronom über die Volksfeste der Region. „Eine spannende Zeit, aus der es viele interessante Geschichten zu erzählen gebe. Aber dieses Fass aufzumachen, würde sicherlich den Rahmen sprengen.“

Da ihm nach Feierabend der heimische Sessel überhaupt nicht behagte. musste ein neues sportliches Hobby her. „Wir haben zu der Zeit in Sande gewohnt, und ich habe mich dem dortigen Box-Club angeschlossen“, sagt Hayungs. „Ich bin halt kein Teamplayer, sondern ein klassischer Einzelkämpfer. Und wo, wenn nicht beim Boxen, kann man das besser ausleben?“ Im Mittelgewicht absolvierte der Jadestädter bis zur Auflösung des Vereins insgesamt 42 Kämpfe, ehe er die Funktionärs-Laufbahn einschlug. „Funktionäre im Sport – insbesondere im Boxen – waren damals rar. Deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das Amateurboxen so gut es geht zu fördern.“

Zunächst als Geschäftsführer und Sportwart des Jade-Boxrings (JBR). Darüber hinaus engagierte sich Hayungs in weiteren Funktionen auf Landesebene – zum Beispiel als Presse- und Rechtswart des Niedersächsischen Amateur-Box-Verbandes (NABV), als Kampfrichter mit internationaler Lizenz oder als Ringsprecher beim früheren Bundesligisten VfB Oldenburg.

„Peter Salewski und ich – heute grüßen wir uns wieder“

Nach Streitigkeiten mit dem damaligen JBR-Vorstand kehrte Hayungs dem Verein 1988 den Rücken und gründete kurzerhand den später erfolgreichen Box-Club Heros. „Wir hatten unterschiedliche Auffassungen, wie das Geld bestmöglich einzusetzen war, aber ich will hier nicht ins Detail gehen“, sagt der 70-Jährige. „Ich bin kein Kind von Traurigkeit und habe sicherlich einige Dinge gesagt, die ich heute so nicht mehr sagen würde. Schwamm drüber: Peter Salewski und ich – heute grüßen wir uns wieder.“

Beim BC Heros führte Hayungs mehr als 20 Jahre die Geschäfte und arbeitete als Trainer. „Eine besondere Herausforderung waren Großveranstaltungen wie Länderkämpfe. So haben zum Beispiel Deutschlands wohl erfolgreichster Amateurboxer Peter Hussing im Superschwergewicht oder Olympiateilnehmer Andreas Schnieders in der Stadthalle geboxt“, blickt der 70-Jährige stolz zurück.

Große Erfolge feierte Hayungs auch mit seinen Söhnen Sven, Mario und Andre, die zahlreiche Titel auf allen Ebenen bis hin zur Deutschen Meisterschaft erboxten und auch in der Nationalmannschaft erfolgreich waren. Ein langer Streit mit dem NABV, der letztlich vom Schiedsgericht des Deutschen Box-Verbandes (ohne Verurteilungen) entschieden wurde, nahm Heros schließlich den Wind aus den Segeln.

Hayungs selbst zog sich immer mehr zurück. „Der Verein hat in dieser Zeit einfach zu viel Schaden genommen“, sagt der Jubilar, der schon seit einiger Zeit an seiner Autobiografie arbeitet. „Kampfprotokoll über drei Runden“ lautet der Arbeitstitel des Buches, das Hayungs noch im Herbst dieses Jahres fertigstellen möchte. „Leider ist meine Frau vor zwei Jahren verstorben. Ich selbst bin 2015 nach 50 Jahren bei einem hiesigen Kranbauer in Rente gegangen. In meiner Zeit als Sportler habe ich so viele Menschen getroffen und so viele tolle Dinge erlebt. Das muss ich einfach aufschreiben.“

Carsten ConradsSportredaktion

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