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Triathlon: Sören Otten bangt um Qualifikation für den Ironman auf Hawaii

21.03.2020

Wilhelmshaven „Bis jetzt gibt es keinen Grund, die Füße hochzulegen“, sagt Triathlet Sören Otten – frisch von einem morgendlichen Elf-Kilometer-Lauf zurückgekehrt. Denn seit rund drei Monaten befindet sich der 25-Jährige vom TSR Olympia im Aufbautraining für sein großes Ziel: Am 28. Juni will Sören Otten nach 3,8 Kilometern im Wasser, 180 Kilometern auf dem Rad und einem Marathon – also nach zirka zehn Stunden – sagen können: Hawaii, ich komme. Platz 1 in der Altersklasse 25 bis 29 Jahre ist dafür nötig. Und eine gute Vorbereitung.

Im Augenblick ist die (noch) gegeben. An Schwimmtraining ist zwar wegen der geschlossenen Hallenbäder nicht zu denken, und auch die Fitnessstudios sind keine Anlaufstelle, das nötige Lauf- und Radtraining aber kann stattfinden. Wenn das Ziel „Frankfurt“ aber in Zeiten, in denen weltweit der Sportbetrieb zum Erliegen gekommen ist, wegbricht, weil die Veranstalter die Reißleine ziehen, dann ist auch beim 25-Jährigen die Luft raus. „Wenn es dazu kommt und die Verbände zudem alle Veranstaltungen für 2020 absagen, dann werde ich sicherlich keine 120 Kilometer mehr in der Woche laufen.“

„Alle Starter werden entsprechend schlechter vorbereitet sein“

Überhaupt sind es Zeiten mit viel Gegenwind für den Triathleten. Und dabei ist die Tatsache, dass die Fixpunkte der im Dezember 2019 begonnenen Vorbereitung womöglich wegbrechen oder schon abgesagt worden sind, noch das geringste Problem. „Der Halbmarathon in Oldenburg im April, wo ich starten wollte, wurde abgesagt. Und das ich im Mai die geplante Mitteldistanz in Slowenien bestreiten kann, sehe ich im Moment auch nicht. Aber das muss kein Problem sein. Denn wenn es zur Langdistanz in Frankfurt kommt, werden alle Starter entsprechend schlechter vorbereitet sein.“

Durcheinander geraten ist beim U 20-Duathlon-Welt- und Europameister von 2016 aber auch sonst einiges. Denn eigentlich wollte der Soldat im April an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf seine Trainerausbildung beenden. Dort werden aktuell 18 Spitzensportler ausgebildet, die sich künftig im Rahmen der Grundausbildung von freiwilligen Wehrdienstlern um die sportlichen Belange kümmern sollen.

Wegen des Coronavirus’ wurden die Soldaten – Otten gehörte zuvor für sechs Jahre dem technischen Dienst der Bundeswehr in Nordholz bei Cuxhaven an – nach Hause geschickt. Ob und wann es zu den Abschlussprüfungen „Trainer KLF“ (Körperliche Leistungsfähigkeit) kommt, steht derzeit in den Sternen. Damit wackelt auch die ab April geplante Verwendung Ottens als hauptamtlicher Sporttrainer in Delmenhorst.

Familie Otten holt gerade den Hausstand nach Wilhelmshaven

Die Ausbildung in Warendorf, die noch einer Anerkennung durch den Deutschen Olympischen Sportbund harrt, lobt der 25-Jährige in den höchsten Tönen. „Zwei 400 m-Bahnen, Fitnessräume – das ist wie ein Bundesleistungszentrum. Wer da nicht fit wird, dem ist nicht mehr zu helfen.“

In guter Erinnerung ist dem Wilhelmshavener auch sein Praktikum geblieben. Das absolvierte Sören Otten bei Ralf Bartels, zweifacher Europameister und WM-Bronzemedaillen-Gewinner im Kugelstoßen. Der 42-Jährige arbeitet bereits als „KLF-Trainer“ in Munster. Otten: „Wir waren ein lustiges Duo. Ich bin ja so groß wie er. Aber Ralf ist auch – übertrieben formuliert – auch so breit wie groß. Und dann so ein Schlacks wie ich neben ihm. Das sah schon speziell aus.“

Logistisch ungünstig war auch der Schachzug des Triathleten, in weiser Voraussicht der Veränderungen die bestehende Wohnung in Bremerhaven zu kündigen. Die Folge: Familie Otten holt gerade den Hausstand – darunter sechs Fahrräder – nach Wilhelmshaven. Vater Detlef Otten, langjähriger Abteilungsleiter der TSR-Duathlon/Triathlonsparte, nimmt’s mit Humor: „Als bei uns alle unterwegs waren, standen 15 Räder in der Garage.“

Der Traum wurde zum Albtraum

Keine Gedanken macht sich Sören Otten über das bereits gezahlte Startgeld, auch wenn jetzt Veranstalter wie der Marathon-Club Eschweiler nicht nur der Veranstaltung, sondern auch der Erstattung der Anmeldegebühr eine Absage erteilten. Der ehrenamtlich aufgestellte Verein mit seinen 114 Mitgliedern wollte sich mit der Ausrichtung der Duathlon-Europameisterschaft in Alsdorf – dort war am 14. April auch der Start des Wilhelmshaveners Andreas Hryciuk geplant – einen Traum erfüllen.

Jetzt wurde er zum Albtraum. Auf der Veranstaltungs-Seite im Internet heißt es dazu: „Wir haben alle Ausgaben für den Powerman getätigt und unsere Versicherung gegen „Abbruch oder Absage einer Veranstaltung“ zahlt bei einer Epidemie nicht. Jetzt stehen wir mit leeren Händen da und können Euch die Startgebühren nicht erstatten.“

Sören Otten kann die Not der Veranstalter verstehen. In Frankfurt aber geht es nicht ums Ehrenamt, sondern um ein Ironman-Unternehmen, das bislang eine Geldmaschine war. Die World Triathlon Corporation (WTC) hatte 2015 die Ironman-Namensrechte – allein in Europa gibt es jährlich mehr als 40 Ironman-Veranstaltungen – für 650 Millionen Dollar an die chinesische Wanda Group verkauft.

Otten sieht schwarz für Verschiebungen

Ein weiteres Beispiel: Jeder der rund 2400 Hawaii-Starter zahlt rund 1000 Dollar, um dabei sein zu können. Bei Sören Otten geht es in Frankfurt um knapp 600 Euro. „Dieses Geld habe ich ja schon ausgegeben. Aber ärgerlich wäre es natürlich trotzdem, wenn ich davon nichts wiedersehe.“

Ein Rennen mal eben verlegen – Detlef Otten sieht da schwarz. „So viele Wochenende im September gibt es gar nicht, wie jetzt Veranstaltungen abgesagt werden.“

Keine Langdistanz im Juni in Frankfurt, wo insgesamt 75 Startplätze (Slots) für Hawaii vergeben werden? Für Sören Otten wäre das doppeltes Pech. Denn seit Platz 3 in seiner damaligen Altersklasse 2018 in 10:20:17 Stunden und dem Verpassen der Hawaii-Qualifikation, treibt den 25-Jährigen zweierlei um. Es geht noch schneller. Und er will reif für die Insel sein. 2019 war das auch schon geplant. Da durchkreuzte die eigene Hochzeit die Pläne.

Kurzer Nachsatz: Die Ehefrau ist Fitnesstrainerin Palina Dubino, die gerade wie berichtet mit einer Triathlon-Trainingsgruppe mit Hauke Theiler (TSR) auf Teneriffa festhängt.

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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