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Ossiloop: Butenostfriese läuft bei Eiseskälte in Kanada

15.05.2020

Yukon /Friedeburg Die letzten 10,2 Kilometern gilt es hinter sich zu bringen, ehe die ganzen Anstrengungen der vergangenen Tage mit dem Dörloper-Shirt belohnt werden. Von den 3520 gemeldeten Läufern sind seit Dienstagabend noch mehr als 3300 Dörloper im Rennen. Einer von ihnen ist Sebastian Schnülle. Er läuft seine heutige Schlussetappe im äußersten Nordwesten Kanadas, in Yukon – viele tausend Kilometer von Ostfriesland entfernt.

Nach seiner Ossiloop-Premiere als Tagesläufer im vergangenen Jahr wollte der Butenostfriese, der in Friedeburg aufgewachsen ist, auch in diesem Jahr nach Deutschland kommen, seine Eltern besuchen und am ostfriesischen Etappenlauf teilnehmen. „Es war zumindest fester Bestandteil meiner Planung“, verrät der 49-Jährige im Telefongespräch.

Virus bringt auch in Kanada alles zum Erliegen

Aus den vier bis sechs Wochen, die er in seiner Wahl-Heimat in Nordamerika ursprünglich verbringen wollte, sind durch die Coronakrise aber mittlerweile fast zwei Monate geworden. „Das Virus hat zur gleichen Zeit wie in Deutschland auch hier alles durcheinander gebracht und damit war die Rückkehr leider nicht mehr möglich“, berichtet Schnülle, der seine Ossiloop-Pläne damit eigentlich auch ad acta gelegt hatte. Doch dann entschieden sich die Organisatoren um Edzard Wirtjes den Kultlauf in diesem Jahr in einer virtuellen Form anzubieten, sodass auch Läufer wie Sebastian Schnülle, die sich in diesen Tagen weit weg von Ostfriesland befinden, an den Start gehen konnten. Sein Fazit nach den ersten fünf Durchgängen: „Jeder läuft zwar für sich alleine, aber eine gewisse Gemeinschaft ist dennoch zu spüren. Ich finde es total gut und es macht mir riesig Spaß.“ Über WhatsApp-Gruppen und Facebook steht er mit vielen anderen Ossilopern im ständigen Austausch.

Etappenstarts bei Minustemperaturen

Damit Schnülle im vorgegebenen Zeitfenster (von 8 bis 21 Uhr – deutsche Zeit) bleibt, absolviert er die einzelnen Etappen aufgrund der Zeitverschiebung von mehreren Stunden gleich morgens. Durch das extreme Kontinentalklima in Kanada war er während der ersten beiden Etappen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt unterwegs. Doch wenn Schnülle, der 1995 nach Kanada auswanderte, eines Nichts ausmacht, sind das kalte Temperaturen: Er gehört nämlich zu den erfolgreichsten Hundeschlittenführern der USA. Jahrelang hat er am „Iditarod“, dem härtesten Rennen der Welt, bei dem 1600 Kilometer bei Minus 40 Grad durch Alaska zurückgelegt werden, teilgenommen. Nach einem tragischen Unfall beendete er zwar 2016 seine Rennkarriere, doch auf dem Hundeschlitten nahm er aber weiterhin Platz. So bot er bis vor zwei Jahren Touren für Kreuzfahrer an, die in Kanada den Kick suchten, von Hunden durch die eisige Kälte gezogen zu werden. Mittlerweile verdient er mit Immobilien seinen Lebensunterhalt.

Durch den Hundeschlittensport war Schnülle täglich viel in Bewegung. „Als ich damit dann aufgehört hatte, bin ich richtig dick geworden und hatte locker 20 Kilo mehr“, gesteht Schnülle. Ein Freund nahm ihn zur Seite und meinte, dass er was machen muss, „und dann bin ich mit ihm das Laufen angefangen und habe Gefallen dran gefunden.“

So sehr, dass er im vergangenen Jahr an mehreren Halbmarathons und einem Marathon teilnahm. „Es macht mir einfach riesig Spaß, da es auch viele Parallelen zum Hundeschlittensport gibt“, sagt Schnülle, der gern an der frischen Luft und unter Gleichgesinnten unterwegs ist.

Hoch und Runter statt flache Streckenverläufe

Anders als in Ostfriesland, wo die Laufstrecken in der Regel eher flach verlaufen, geht es für Schnülle in Kanada hoch und runter. „Das ist schon nicht ohne“, berichtet der Butenostfriese, der während seiner Etappen auf eine Mischung von Waldwegen, Sand und Straße unterwegs ist. Doch nicht nur deshalb ist Vorsicht beim Laufen im Nordwesten von Kanada geboten: „Die Bären sind ja mittlerweile auch wach und unterwegs. Ich versuche deshalb auch immer dort zu laufen, wo auch ein paar Häuser sind und das eine oder andere Auto fährt“, erklärt Schnülle.

Im kommenden Jahr will er dann wieder nach Deutschland kommen und am Ossiloop in seiner klassischen Form teilnehmen – wenn nicht gerade ein Virus die Welt auf den Kopf stellt.

Jens SchipperSportredaktion

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