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Lokal26.de Nordsee

„Ich sehe keine Gefahr für den Tourismus“

10.02.2020

Langeoog Seit 100 Tagen ist sie nun im Amt: Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn. Wir sprachen mit ihr über eine erste Bilanz, anstehende Projekte und das Leben auf der Insel.

Frau Horn, wie sind Sie auf der Insel aufgenommen worden?

Ich bin sehr gut und sehr offen empfangen worden. Ich hatte schon im Wahlkampf viel Kontakt zu den Langeoogern und war auch nach der Wahl öfter auf der Insel, sodass ich viele bekannte Gesichter wiedergesehen habe. Sicherlich wird es den ein oder anderen geben, der über meine Wahl nicht erfreut ist, aber das ist Demokratie.

Wie möchten Sie diese Langeooger überzeugen?

Durch Taten. Was ich angekündigt habe, werde ich auch einhalten. Ich bin den Wählern verpflichtet. Ich möchte auch damit überzeugen, dass ich für die Insel handele und nicht für Einzelinteressen.

Sie sind mit ihrem Ehemann nach Langeoog gezogen. Wie ist es, auf der Insel zu leben?

Wunderbar und großartig.

Was ist der größte Unterschied zum Festland?

Die Autofreiheit und die kurzen Wege. Daraus resultiert ein enges Miteinander und die Möglichkeit, sehr schnell Kontakt aufzubauen – weil man sich auf der Insel immer wieder begegnet.

Wie ticken die Langeooger?

Ganz unterschiedlich. Es gibt wenige Insulaner, die hier geboren sind oder in zweiter und dritter Generation hier leben. Die sind sehr verwurzelt mit der Insel. Aber gleichzeitig sind sie sehr offen für Neues, veränderungsbereit und mit einer Liebe zur Insel verbunden. Das Gemeindeleben ist intakt, mit allen Achs und Wehs, die jede Gemeinde hat.

Aber eine Inselgemeinde ist doch noch etwas Besonderes, oder?

Man muss sich immer wieder zusammenfinden. Auf einer Insel kann man sehr heftig streiten und sich auseinandersetzen, aber danach sitzt man beim Bier wieder zusammen.

Privat haben Sie sich gut eingelebt. Wie lautet Ihre dienstliche Bilanz?

Sehr gut. Eine ist eine wirkliche gute, enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Rat. Wir beratschlagen intensiv, auch der Rat bringt wirklich viel Zeit ein. Es ist ein sehr produktives, konstruktives Miteinander.

Sie hatten damals angekündigt, den Rat befrieden zu wollen. Warum hat das so schnell geklappt?

Zum einen komme von außen, ich habe keinerlei Altlasten. Zum anderen spielt vielleicht eine Rolle, dass Frauen mit gewissen Dingen anders umgehen als Männer. Der Schnitt war sicherlich notwendig. Es war auch für den Rat eine Möglichkeit, neu anzufangen.

Sie haben immer gesagt, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum oben auf Ihrer Prioritätenliste steht...

Das ist auch so. Auf Dauer sind auch die Insulaner gefragt. Eine Gemeinde kann nicht vollumfänglich für Wohnraum sorgen. Das tut sie auf dem Festland auch nicht. Es gibt hier aber Wohnraum, der als Ferienwohnung vermietet wird, weil es lukrativer ist. Eine Gesellschaft wird sich auf Dauer fragen müssen, wie sie einen Sozialraum gestaltet. Dazu gehört auch die Frage, ob man eine oder zwei Ferienwohnungen als Dauerwohnraum zur Verfügung stellt.

Welche Folgen hätte das für den Tourismus?

Ich sehe keine Gefahr für den Tourismus. 30 oder 40 Betten weniger auf der Insel werden keinen Einfluss haben. Denn gerade in der Nebensaison stehen viele Ferienwohnungen leer.

Und was macht die Gemeinde beim Wohnungsbau?

Wir planen einen Mietwohnungsbau auf dem Internatsgelände. Es geht dort um mindestens 40 Wohnungen. Wir brauchen Wohnraum für Paare, für Singles und Familien. Die Mischung soll stimmen. Es sollen daher nicht nur Appartements, sondern auch Reihenhäuser auf dem Gelände entstehen.

Sie sind erst seit 100 Tagen im Amt, trotzdem gab es schon turbulente Momente. Im Januar wurde das Rathaus durchsucht. Ein Mitglied der Gemeinde wird verdächtigt, Arbeiten an seinem Privathaus über Gemeindegelder abgerechnet zu haben. Wie betrachten Sie die Vorfälle?

Das betrachte ich nicht mit Freude, solche Vorfälle wünscht sich keine Bürgermeisterin. Ich bin für Recht und Ordnung in jeder Beziehung. Insofern hoffe ich, dass die Untersuchungen abgeschlossen werden. Wir warten auf das Ergebnis.

Welche Folgen hat solch ein Fall für Ihr Selbstverständnis als Bürgermeisterin?

Es bestärkt mich umso mehr, auf Recht und Ordnung zu achten und darauf, dass es keine Korruption gibt. Ich schaue mir die Prozesse auf der Insel genau an.

Was bedeutet das konkret?

Ich ändere Abläufe. Ich baue Zwischenstationen mit regelmäßigen Rücksprachen ein. Bei Bauprojekten und Anschaffungen werden immer drei Anbieter angeschrieben und um Angebote gebeten – auch wenn man weiß, dass man nur eines bekommt. Anschließend wird entschieden. Es wird auch geguckt, ob der Auftrag wegen einer Sachlage vergeben wird, oder weil es Verbindungen gibt. Dafür stehe ich gerade.

Das eine ist die juristische Auseinandersetzung, das andere ist die Bautätigkeit. Wie sieht es beim Neubau des Kur- und Wellnessbereichs aus?

Wir machen Schadensbegrenzung. Wir prüfen, ob das, was angedacht war, die letztendliche Lösung ist. Rat und Verwaltung hatten eine Begehung mit einem externen Berater. Es gibt zwei Vorschläge. Wir werden diese dem Rat vorlegen und dann wird entschieden. Ich hoffe, dass schnell weitergebaut wird. Insbesondere schnell von außen, damit das Gerüst weg kann.

Wie teuer wird es unterm Strich?

Das ist die große Frage, das wissen wir auch noch nicht. Dafür bräuchten wir einen Planer, der uns eine Kostenschätzung macht. Es wird erheblich teurer, aber es wird maximal das Doppelte der angenommen zwei Millionen Euro Bausumme sein.

Wann könnte denn alles fertig sein?

Mein hehres Ziel ist immer noch der Herbst – sofern alle Gewerke zur Verfügung stehen.

Apropos Zeit. Wo möchten Sie in zwei Jahren stehen?

Ich möchte in den zwei Jahren den Boden weiter beackern. Ich möchte, dass es nicht immer um ein Ich geht, sondern um ein Wir. Ein Wir bedeutet durchaus Auseinandersetzung, aber kein Streit.

Anke LaumannLokalredaktion

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