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Lokal26.de Ostfriesland

Wolfspopulation: Ostfrieslands Landwirte spüren Unruhe unter den Tieren

30.07.2020

Engerhafe In Ostfriesland hat der Wolf noch keine Rudel gebildet — und so muss es aus Sicht der Weidetierhalter auch bleiben. Andernfalls, so sagen sie, wäre es das Ende dieser tierfreundlichen Haltungsform.

„Es ist Unruhe in der Meede“, beschriebt Johann Enninga die Situation. Zusammen mit seiner Frau Annchen und Sohn Bernd bewirtschaftet er einen Hof mit 40 Mutterkühen in Engerhafe. 2015 ist der Familienbetrieb aus der Milchwirtschaft ausgestiegen. Seither werden die Kälber von den Mütterkühen auf der Weide großgezogen. Enninga sagt: „Der Wolf ist ein schönes Tier. Aber er passt hier nicht her.“ Der Landwirt spricht die Weidelandschaft an. Für ihn seien seine Kühe auf den Wiesen Basis für den eigenen Lebensunterhalt aber auch für Lebensfreude. Und Enninga betont: „Die Tiere gehören nach draußen.“ Doch das könn-te bald nicht mehr möglich sein, wirft sein Sohn ein. Um die Tiere sicher vor Wolfsangriffen zu schützen, müssten sie in den Stall. Doch soweit dürfe es nicht kommen.

„Den wirklich wolfssicheren Zaun gibt es nicht“, sagt Jagdpächter Andreas Bukowski, der diesen Schutz als Alternative zum Stall ausschließt. Mit seinen Töchtern Elisabeth und Johanna nahm er gestern an dem vom Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland (LHV), Kreisverband Aurich-Norden, organisierten Hoftermin bei Familie Enninga teil. Der LHV fordert, dass der Wolf in das Jagdrecht des Landes Niedersachsen aufgenommen und sein Bestand reguliert wird. „Wir wollen das Tier keinesfalls ausrotten“, betont Maren Ziegler, Geschäftsführerin des LHV-Kreisverbandes. Mit der Kampagne „Ein Herz für Weidetiere“ wolle der Verband aufklären und ein Bewusstsein in der Bevölkerung für die Problematik schaffen.

„Bei uns wächst die Angst, unsere Pferde nachts auf der Weide zu lassen“, sagt Reiterin Elisabeth Bukowski. Landwirt Johann Enninga beschreibt die wachsende Unruhe der Kühe und Schafe auf den Weiden. „Die Tiere spüren es, wenn ein Wolf in der Nähe ist.“ Bernd Enninga hält wie Andreas Bukowski den Bau von Schutzzäunen für untauglich: Zwar würden Elektrozäune unter bestimmten Voraussetzungen gefördert werden, allerdings sei der Aufbau und Unterhalt kostspielig und arbeitsintensiv. Zudem würde sich das Landschaftsbild verändern, Wildwechsel wäre nicht mehr möglich. Auch Herdenschutzhunde seien für Rinder keine Lösung. Bernd Enninga möchte den Hof in einigen Jahren von seinen Eltern übernehmen. Weidetierhaltung in einem Gebiet, in dem der Wolf jagt, sei allerdings nicht möglich. Sein Vater erklärt: „Wenn der Wolf ein Kalb erwischt, dann schmerzt nicht nur dieser Verlust. Auch die Mutterkuh leidet und blökt 14 Tage. So etwas möchten wir nicht erleben.“ Noch ist die Mutterkuhhaltung neben Bullenmast und Ackerbau ein wichtiges Standbein für die Familie. Die Kälber werden auf der Weide geboren und wachsen in kleinen Herden mit ihren Müttern auf.

Enningas haben von der Gemeinde Grünland gepachtet, das nur extensiv genutzt werden darf. Es sei ideal für Mutterkühe. Diese Wiesenhaltung und die positiven Nebeneffekte, Erhalt von Grünland und der Schutz von Wiesenbrütern, seien aber in Gefahr, wenn sich der Wolf weiter ungebremst in Ostfriesland ausbreite.

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